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"Den gibt es wirklich!?" Diese Frage begegnet einem öfters schon mal, kennen viele Filmfreaks außerhalb von italophilen Horrorfanzirkeln oder versprenkelten Trash - / Exploitationkulten den Film doch nur als Pointe eines Gags aus der Feder Tom Gerhardts. Dabei hatte schon Möchtegernjournalist und Ersatzbankgoebbels Claus Bienfait in seinem Gott sei Dank einzigen Dokumentarfilm alle erdenklichen Anstrengungen unternommen, den Film durch unfreiwillige Schleichwerbung zu unbeabsichtigter Popularität zu verhelfen. Infolge dessen war neben den eher harmlosen, reflektierten Horrorfilmfreunden und den chronischen Trashironikern - so es solche damals bereits gab - nun auch jeder Stammtischdullie hinter dem Film her, wenn er seinen Assikumpels zwischen zwei Auswärtsspielen und je einer Kartonage Hansapils beweisen wollte, wer der härteste Hund auf dem Sonderschulhof war.

Kein Sex, gähnende Langeweile im Gottesdienst und ein Publikum, dass Humanismus sei Dank nicht mehr an die eigene menschenverachtende Höllenbotschaft glaubt: da kann man als Priester schnell die Geduld, gar den Lebensmut verlieren. Warum Pater Thomas (Fabrizio Jovine) sich seines irdischen Leibes entledigt wird im FIlm nie benannt, jedoch macht er sich damit im Antlitze des Allmächtigen gar unbeliebt, entleibt das rücksichtslose Arschloch sich tagsüber und dazu noch öffentlich auf dem städtischen Friedhof, wohl in der Hoffnung, den ein oder anderen Trauernden nachhaltig zu verstören. So viel Respektlosigkeit verdient die Hölle, da diese aber wie wir aus "Zombie" wissen zur Überfüllung neigt spuckt sie den suizidalen Pfaffen mit Schmackes wieder auf Erden zurück, wo der nun munter seine einstigen Schäfchen terrorisiert: knutschende Teenager, Schriftstellerinnen mit Vaterkomplex, unschuldige Psychologen samt Praktikantinnen sowie die sackdoofe Prollbevölkerung des Ortes samt Dorfdepp, niemand ist vor der Wallfahrt des Zombiepriesters samt wachsender Gefolgschaft sicher und neben allerlei mildem Spuk mischt sich immer mal wieder der ein oder andere Tote unter die Bevölkerung des vernebelten Städtchens Dunwich.

Das haben auch Medium Mary Woodhouse (Cathriona MacColl) und Journalist Peter Bell (Christopher George) spitzbekommen, erstere während einer Seance sogar aus erster Quelle. Da ihre Vision vom zombieverseuchten Dunwhich im Übrigen das Auftischen des jüngsten Gerichtes vorsieht, sollte Pater Thomas nicht bis Allerseelen wieder in der Familiengruft schlummern, ist Eile angesagt, denn der alte Saupope denkt ja nicht dran, sein sinistres Treiben einzustellen. Arschaufriss ist angesagt.

Im Gegensatz zu Teilen seiner Anhängerschaft trägt der Film seinen schlechten Ruf zu Unrecht. In den Augen vieler Kritiker und Fans hat sich der Film durch seinen Blutgehalt und die grantigen Effekte allein schon den Weg in höhere Horrorsphären versperrt, mit seinem steten Kratzen am Trash sogar noch die restliche Daseinsberechtigung verspielt. Dabei entgeht vielen Pfuischreiern die grandiose Atmosphäre, die hier durch Licht, Kamera und nicht zuletzt den grandiosen Fabio Frizzi - Score erzeugt wird. Und so wahnsinnig die Ideen von herausgekotzten Gedärmen, Madenstürmen und sich umherteleportierenden Zombiepriestern sein mögen, so gut passen sie in das verfluchte Dunwhich, einer Stadt, die zum Zeitpunkt des Filmes die Schwelle zum Wahnsinn ohnehin längst überschritten hat. Das stellen die Dorfbewohner schon in der Barszene selbst fest, wobei die Verhaltensweisen der verängstigten Rednecks später noch bizarrere Formen annehmen und in einem für den Plot vollkommen irrelevanten, aber für den ausbrechenden Wahnsinn symbolischen Mord enden soll. Im Grunde genommen stirbt hier mit Pater Thomas als Stimme der Vernunft eben selbige und Geschehnisse sowie Personen entziehen sich schleichend der Logik.

Zugegeben geht dieser schon beinahe lovecraft'sche Aspekt beinahe vollkommen in der Suppe aus vergossenem Blut, ausgespiehenem Gekröse und zerquetschter Hirnmasse etwas unter. Dennoch kann man sich nicht über mangelnde Spannung beklagen. Rückblickend stellt man sich die Frage, wer sich der Anschuldigung, sich zu stark auf Gewalt zu fokussieren, eigentlich gefallen lassen muss: Regisseur Fulci= Autor Dardano Sacchetti? Oder vielleicht doch der ewig mäkelnde Zuschauer, der alles als minderwertig verklärt, was den Blutgehalt des sonntäglichen "Tatort" - Falles leicht übersteigt?

Vielleicht redet man irgendwann mal wohlwollender über den Film, wer weiß. Bis dahin gebe ich offen zu, dass der Assiruf dieses Streifens auch mich damals in seinen Bann zog und ich folge diesem Ruf bis heute gerne, wenn auch mit mittlerweile anderen Augen und auch gerne schonmal ohne kellerkaltes Oettinger in der Hand. Man muss ja nicht immer übertreiben.






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