Review

Goldene Zarenfanfaren


Wird „Anastasia“ eine Disneyprinzessin? Diese Frage stellt sich natürlich jetzt nach der Mausmachtübernahme. Doch ich glaube, dafür war der Konkurrenzkampf damals zu eifrig und blutig, denn Don Bluths russische Zarenerbin auf der Suche nach ihrer Familie bzw. Herkunft wurde von Mickey, Walt und Co. zu seinem Release doch arg torpediert, u.a. mit einer Wiederaufführung von „Lion King“ und etlichen zur selben Zeit gestarteten mittelgroßen Kalibern wie „Flubber“. Weder den Erfolg noch das Erbe dieses modernen, immer noch unterschätzten Animationsklassikers konnte das etwas anhaben - „Anastasia“ kann mit den ganz großen Werken seiner Zunft mithalten und braucht sich vor niemandem zu verstecken. Selbst wenn man Meister Bluth vorwerfen könnte, dass er sich nach all den Jahren, in denen er und seine Schöpfungen einen schönen, düsteren, erwachseneren Gegenentwurf zur Prinzessinnenschmiede darstellten, doch noch einigermaßen der Erfolgsformel und einigen Mechanismen geschlagen gegeben hat...

„Anastasia“ kombiniert die Don Bluth-Reife und -Dunkelheit mit der üblichen Disneyformel - mit überwältigendem Erfolg, meiner Meinung nach. Der russische Blickwinkel ist sehr erfrischend, Anastasia selbst ist eine klasse Protagonistin, der Zeichenstil ist über jeden Zweifel erhaben, der Bösewicht Rasputin (gesprochen von Christopher Loyd!) ist ein brutaler Showstealer und sogar die Lieder bleiben im Ohr. Es gibt packende Actionszenen (Zug!), eine fühlbare, echt wirkende Romanze mit Entwicklung und mit Bartok, der Fledermaus, einen Sidekick (des Bösewicht!), der im Gedächtnis bleibt und nicht umsonst sein eigenes Spin-Of spendiert bekommen hat. Jeder, dem Disneyfilme etwas zu kitschig und kindlich sind, könnte hier richtig sein. „Anastasia“ ist das komplette Paket, von einer Lektion in russischer Geschichte, Folklore, Kunst bis hin zu einer der unglaublichsten, selbstständigsten und stärksten Prinzessinnen, die die Animationswelt je gesehen hat. Während Disney seine neuen Prinzessinnen erst jetzt langsam emanzipieren und reifen lässt, war Anastasia ihrer Zeit und jeder Arielle heftig weit voraus. Chapeau und Nastrovje darauf! 

Fazit: Don Bluth macht die Disneyformel fast besser als deren Erfinder... „Anastasia“ ist magisch, prachtvoll und noch immer mächtig beeindruckend. Eine russische Sage voller Magie, Charme und Reichtum. Kann fast jedem Disney-Meisterwerk das gefrorene Wasser reichen. Tosend und aufbrausend. Funkelnd und fabelhaft! 

Details