Review

Stratosphere Girl ist ein schwieriger Film.
Schwierig deshalb, weil er eigentlich wunderschön ist. Und doch total unbefriedigend.
Angela, gespielt von der absolut bezaubernden Schauspieldebütantin Chloé Winkel, ist begeisterte Comiczeichnerin, hat gerade ihr Abitur in der Tasche, jedoch keinen Plan. Da kommt es gerade richtig, dass ihr der japanische DJ Yamamoto von einem Hostessenjob in Tokio erzählt. Angela stürzt sich sofort ins Abenteuer. In Tokio angekommen muss sie aber erst mal feststellen, dass es gar nicht so leicht ist, sich in einer fremden Kultur zu behaupten, die japanischen Geschäftsmänner allerdings können nicht genug von ihr kriegen, was wiederum den Neid der anderen Hostessen auf sie zieht. Dann erfährt sie von Larissa, einer verschwundenen Hostess. Fasziniert von dem Fall, macht sie sich daran, das Geheimnis um ihr Verschwinden zu lüften.
Den ganzen Film über stellt sich Angela, sozusagen Ich-Erzählerin, als die Heldin in ihrem eigenen Comic dar. Ständig zeichnet sie ihre Erlebnisse nieder, Szenen fangen häufig mit gezeichneten Bildern an, die dann ins Reale übergehen. Sie steigert sich so in diese Kriminalgeschichte hinein, dass ihr kategorisches Denken einen klaren Antagonisten verlangt, den sie im zwielichtigen europäischen Geschäftsmann Kruilman zu finden scheint. Doch je mehr sie der Sache nachgeht, umso mehr muss sie feststellen, dass auch alle anderen um sie herum scheinbar darin verwickelt sind.
Die Inszenierung ist genau auf diese Entwicklung abgestimmt, denn je mehr Angela um die Geschehnisse erfährt, desto dichter wird die Atmosphäre. Schnell geschnittene Sequenzen, die Angelas Gedanken und Vorstellungen widerspiegeln im Kontrast zu elegischen Kamerafahrten durch das nächtliche Tokio, Bilder, die den Zuschauer mehr und mehr in ihren Bann ziehen. Um diese hypnotische Wirkung der Bilder ideal zu unterstützen, hat sich M.X. Oberg den schwedischen Trompeter Nils-Petter Molvaer an Bord geholt. Eine Wahl, die nicht besser hätte sein können, denn seine Klänge, die dumpfen Basslinien, das minimalistische Trompetenspiel, die tranceartigen Melodieverläufe lassen den Zuhörer nicht mehr los. Wer also von den Bildern nicht gefesselt wird, wird es auf alle Fälle von der Musik. Und spätestens dann wird er sich auch dem Bilderrausch hingeben müssen.
Nun ist das ja alles ungemein positiv, und ich war wirklich bis zu einem gewissen Punkt äußerst angetan von dem Werk. Auch die immense Detailverliebtheit, die einem besonders beim zweiten Ansehen auffällt, ist beachtlich. Man achte nur mal darauf, wer da auf dem Flug nach Tokio zwei Reihen vor Angela sitzt, oder denke an die wunderbare Szene, als Angela, nachdem Ella ihr erzählt hat, wie viel Blut sie gesehen hätte, einen roten Buntstift kauft. Was so dermaßen ins Gewicht fällt, ist das Ende, denn es ist eines der enttäuschendsten und einfallslosesten Enden, die ich in letzter Zeit in einem Film über mich ergehen lassen musste. Zwar wird es während des gesamten Films an vielen Stellen deutlich, dass Angela sich in diese Geschichte hineinsteigert und einiges möglicherweise gar nicht so geschehen ist, doch das tatsächliche Ende führt schließlich den gesamten Film ad absurdum, kommt viel zu schnell und plump daher, als auch nur irgendwie im Ansatz glaubwürdig zu sein. Gerade bei solch einem Film, der eigentlich wunderschön und fesselnd inszeniert ist, ist es ausgesprochen schade, wenn solch ein uninspiriertes Ende alles vorangegangene rückwirkend herabwertet.
Ein Jammer, aber trotzdem einen Blick wert.

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