Wenn Dokumentarfilmer Thomas Schadt mit seinem Ende der 1980er gedrehten Film die Thrash-Metal-Band Kreator porträtieren wollte, ist er gescheitert. Als Dokumentation einer lokalen Szene zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter starker Einbeziehung ihres Umfelds funktioniert „Thrash-Altenessen“ aber sehr gut und mit größerem zeitlichen Abstand vielleicht sogar umso besser. Kurz und bündig wird grob umrissen, worum es sich beim Phänomen „Thrash“ handelt, im weiteren Verlauf kommen die Protagonisten selbst zu Wort und die Basis der Szene wird in ihrem Alltag beleuchtet. Das führt dazu, dass Schadts Film vor Zeit- und Lokalkolorit nur so strotzt und die sowohl jungen Thrasher, als auch deren Umfeld, Eltern etc. ungekünstelt und frei von der (gebeutelten) Leber weg aus ihrem Leben berichten, was das Phänomen Thrash-Metal in unmittelbaren Bezug zu seiner Umwelt setzt, deren Produkt es letztendlich ist. Mit Kreator-Frontmann Mille wird kein einziges Gespräch gezeigt, aber seine Songs kommentieren das Umfeld und spiegeln die Sicht junger, rebellischer Ruhrpottchaoten auf die Welt wider. Sie sprechen für sich selbst. Viele Interviews und Statements wirken dabei ob ihrer Unbedarftheit unfreiwillig komisch, dennoch bekommt man kaum das Gefühl, dass die Gesprächpartner vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben werden sollten. Sie wirken sympathischer und authentischer als abgezockte Medienfressen und Promotionprofis und verleihen dem Film seinen Charme. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus der Ruhrpott-Thrash-Szene, die in anderen Bands aktiv waren oder sind. Es mag sein, dass das ungeschönte Bild Altenessens, das hier gezeigt wird, als Ausrichtung des Films schon vor den Dreharbeiten feststand und eine gewisse Tendenz zur Faszination für das Proletarische bis hin zum Kaputten aufweist – aber lag Schadt damit so verkehrt, dass sein Film als unrealistisches Zerrbild betrachtet werden muss? Ich glaube nicht. Sicherlich kann man bei Ausflügen zu Autobahnbaugegnern im Rentenalter nach dem direkten Bezug zum Thrash fragen und auch ich bin der Meinung, dass Schadt dabei etwas zu weit abgedriftet ist. Evtl. ist das einem etwas naiven Blickwinkel eines Außenstehenden geschuldet, dessen Assoziationskette Ruhrpott – Beton – Tristesse – Thrash-Metal sein mag, die dann doch arg vereinfacht ausfällt. Über jeden Zweifel erhaben sind aber die mitreißenden, auch heute noch unglaublich energiegeladen, impulsiv und ekstatisch wirkenden Konzertausschnitte, bei dem die Kamera keinerlei Distanz zum Publikum aufweist und es gleichberechtigt neben der Band einfängt. Und sieht man dann am Schluss Mille vollkommen ausgepumpt und verschwitzt im Backstageraum sitzen, wird auch dem Letzten bewusst, das Ruhrpott-Thrash ehrliche, anstrengende Malocherarbeit ist eben deshalb genau dort hingehört.