Review

Der Abenteuerfilm ist offenbar doch noch nicht sanft entschlafen, denn er feiert hier ein handfestes und robustes Comeback, wenn ein Dreimannteam von Städtern hier in der nordamerikanischen Wildnis verloren geht und mit primitivsten Hilfsmitteln den Rückweg finden muß, verfolgt von einem hungrigen Bären und reichlich Verdächtigungen, daß hier ursprünglich ein Mordkomplott gestrickt wurde.

Reichlich Natur und Suspense, das sind die Zutaten aus denen Lee Tamahori hier eine packende Survivalstory inszeniert hat. Sich beinahe ausschließlich auf seine drei (später nur noch zwei) Hauptfiguren konzentrierend, gestaltet sich der Überlebenskampf zum Psycho-Trip.

Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann seine gut konstruierte Vorhersehbarkeit und die relative Durchsichtigkeit der Figuren.
Schön plakativ werden kurze Szenen und Gegenstände ausgestreut, die man als Zuschauer schon mal für den späteren Gebrauch aufheben kann, weil jede davon ihre Bedeutung haben wird. Recht platt wird auch die Bärenfrage schon vorher geklärt, ebenso wie Hopkins Starthilfe durch sein Geburtstagsgeschenk hat, daß ihm die nötige Theorie vermittelt. So wird die Storyline ziemlich durchsichtig, behält aber ein gewisses Spannungspotential durch die Frage, wann was passieren wird. Wer jedoch meckert, hier müßte man die einzelnen Punkte nach der Einleitung nur noch von einer Liste abhaken, hat jedoch auch recht.

Auch die Figurenkonstellation ist hübsch Hollywood. Ein Milliardär, der theoretisch eine Riesenmenge weiß und in einer Tour Weisheit, Ruhe, Geduld und unerschöpfliche Motivation mitbringt und ein Fotograf, der mit seinem eigenen guten Aussehen in der Wildnis aufgeschmissen ist und ständig mitgeschleift wird, obwohl das Unternehmen Heimkehr durch Jähzorn und Verzweiflung ständig sabotiert. Dazu noch dritter Geretteter, dem permanent die Hosen schlottern, weswegen er auch recht bald hops geht.

Die Aussage dieser Konstellation ist mehr als fragwürdig, denn dermaßen überlebensgroße Züge wie Hopkins und Baldwin hier entwickeln (positiv und negativ) sind praktisch übermenschlich und verwandeln das Abenteuer dann doch zu einem Unterhaltungsprodukt ohne wirklichen Anspruch auf Realitätsnähe.

Dennoch wirkt "Auf Messers Schneide" schön zielstrebig und mit angenehmem Tempo konstruiert und sorgt beim "average man" für reichlich Aha-Erlebnisse.
Auf keinen Fall kann man jedoch sagen, der Bär würde seine menschlichen Kumpanen locker an die Wand spielen. Hopkins ist eindeutig der Sympath, wenn seine Duldsamkeit manchmal arg strapaziert wird und man sich wünscht, er würde Baldwin mal zur Ruhigstellung gegen einen Baum kloppen. Der wiederum spielt den leicht schmierigen Typen aus dem Stand und bezieht seine Spannung aus der Frage, ob er nun vorhatte, Hopkins zu meucheln oder nicht. L.Q.Jones hat leider kaum Zeit, wirklich zu glänzen, ehe Freund Bär Geschnetzeltes aus ihm macht, denn "reale" Figuren können wir nicht brauchen. Ob den Job von Elle McPherson nicht auch eine Schauspielerin hätte ausfüllen können, ist diskutabel.

Bombig dafür die Kamerafahrten durch die rauhe Wildnis und alle Sequenzen mit dem massigen Tierchen, daß einem auf einer Kinoleinwand vermutlich eine Scheißangst gemacht hätte. Der Showdown mit dem Bären gehört zum Besten, was der Film zu bieten hat.
Als man es gar nicht mehr erwartet, erfolgt dann (beinahe enttäuschend) doch noch der erwartete Plot-Twist um Ehebruch und Eifersucht, um dem Drama den Final Touch zu geben.


Wer gut aufpaßt, kann auch noch was lernen, für den Fall, daß er demnächst im Teutoburger Wald den falschen Wanderweg nimmt, alle übrigen genießen ein spannendes Filmchen, daß erst gar nicht den Anspruch aufstellt, Bedeutsamkeit zu besitzen. Aber mit ausreichend Stars an der Front kann auch die simpelste Geschichte noch glänzen.
Ein filmischer Alptraum für Stadtfräcke. Heizung höherstellen und zwischendurch zum Kühlschrank laufen, wenn Hopkins und Baldwin Eichhörnchen naschen obligatorisch. (7/10)

Details
Ähnliche Filme