Der Abenteuerthriller "Auf Messers Schneide" gehört zu den Filmen, die sich perfekt dazu eignen, langweilige Abende hinter sich zu bringen und sich abzulenken, weshalb man sich den Streifen sicherlich auch gerne mehrere Male ansehen wird. Genau so ging es auch mir auch, denn obwohl ich "The Edge" bereits kannte, fieberte ich gestern noch genau so mit wie beim ersten Mal und war sehr erstaunt darüber, wie sehr es Lee Tamahori schafft, Action und Dramatik miteinander zu verknüpfen.
Die Thematik an sich ist dabei schon hochinteressant und lässt schon in den Anfangssequenzen die erste Spannung knistern. Wir lernen den Millionär und Bücherwurm Charles Morse kennen, der jeden anderen Menschen um sich herum in Intelligenz und Schlagfertigkeit übertrifft. Trotz seines Reichtums und seiner Intellektuellen Beschaffenheit ist Charles dennoch ein sehr bodenständiger Mensch, der die Literatur mehr liebt als das Prahlen mit seinem Vermögen und der in Gesprächen stets den ruhigen, ausgeglichenen Part darstellt. Anthony Hopkins, den meisten wahrscheinlich durch seine brilliante Verkörperung des kannibalistisch veranlagten Mörders Hannibal Lecter bekannt, passt wie die Faust aufs Auge in diese Rolle und verleiht ihr eine unvergleichliche Präsenz. Ruhig und gelassen und gleichzeitig voller Erfahrenheit und Lebensweisheit ist es eine Freude, Hopkins´ Schauspiel bewundern zu dürfen. Dem gegenüber steht Alec Baldwin, Charles´ Gegenspieler, der an dessen Reichtum und seiner Frau interessiert ist. Auch er liefert eine beeindruckende Leistung ab. Baldwin steckt überraschend viel Emotionen und Gefühl in die Darstellung seines Charakters und macht so jederzeit den Eindruck, absolut von Charles abhängig zu sein, um überleben zu können, ihn gleichzeitig aber auch abgrundtief zu hassen.
Anfangs gaukeln sich die beiden Hauptprotagonisten noch so etwas wie eine Freundschaft vor, obwohl jeder längst weiß, was Sache ist. Robert begegnet dieser Situation mit Hinterlist, während Charles eigentlich nur das Wohlergehen der Menschen um sich herum im Auge hat, und Robert sogar noch das Leben rettet, nachdem dieser kurz davor war, ihn zu töten. Genau daraus resultiert auch die Kernspannung des Films, da man zu jedem Zeitpunkt das beschleichende Gefühl spürt, mit etwas unerwartetem zu rechnen. Während die beiden Feinde in den Bergen Alaskas um ihr Überleben kämpfen müssen und dies nur schaffen, wenn sie einander helfen, würde zumindest Robert Charles am liebsten auf der Stelle töten. Nur mit dessen Wissen und Weisheit hat er allerdings eine Chance, die scheinbar ausweglose Situation zu überleben.
Was sich nach einem typischen Survival-Abenteuerschinken anhört, gehört ohne Frage mit zum Besten, was ich in dieser Sparte bislang ausmachen konnte. Der Überlebenskampf ist packend und adrenalintreibend in Szene gesetzt und wird aufgrund von sehr viel Abwechslung niemals langweilig. Die Überlebenden des Absturzes müssen sich dabei nicht nur mit einem mordlüsternen, riesigen Bären herumschlagen, sondern auch reißende Flüsse überqueren, gegen den quälenden Hunger und die eisige Kälte ankämpfen.
Optisch ist der Film grandios und weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Die wunderschöne Landschaft Alaskas wurde auf atemberaubende Art und Weise festgehalten und liefert zusammen mit der stimmigen Musik, die das Geschehen unterlegt, einen weiteren Aspekt, der für den Streifen spricht.
"Auf Messers Schneide" ist ein packender Abenteuerthriller, der einen trotz seiner malerischen Landschaftsbilder zu keiner Sekunde zur Ruhe kommen lässt. Spannung wird hier groß geschrieben und ist von Anfang bis Ende vorhanden. Anthony Hopkins und Alec Baldwin runden dieses Erlebnis letztendlich optimal ab und geben Schauspielleistungen zum Besten, die man so schnell nicht mehr vergessen wird. Ein absoluter Pflichtfilm!