Review

Die dritte Regiearbeit des Neuseeländers Lee Tamahori (Im Netz der Spinne, Stirb an einem anderen Tag) ist ein packendes Survival-Abenteuer, welches obendrein mit zwei großartigen Hauptdarstellern aufwartet. Dabei war Anthony Hopkins (Das Schweigen der Lämmer, Wolfman) gar nicht die erste Wahl. Eigentlich sollte Dustin Hoffman seinen Part übernehmen, der war jedoch mit "Mad City" und "Wag the Dog" beschäftigt. Der vielseitige David Mamet (Ronin, Die Unbestechlichen) schrieb hierzu das Screenplay.

Charles Morse (Anthony Hopkins) ist Millionär und begleitet seine hübsche Frau Mickey (Elle Macpherson) auf ihrer Modeltour mit dem Fototgrafen Robert "Bob" Green (Alec Baldwin). Dabei landen sie in Alaska in einer abgelegenen Hütte. Für einige zusätzliche Motive begibt sich Charles auf einen Rundflug mit Bob und Assistent Stephen (Harold Perrineau). Doch das Flugzeug kollidiert mit einem Schwarm Vögel und stürzt mitten in der Wildnis ab. Charles, Bob und Stephen überleben den Absturz unversehrt, doch ihre Bemühungen Richtung Hütte zurück zu finden scheitern. Zusätzlich macht ihnen besonders ein hungriger Braunbär zu schaffen, der Stephen schließlich tötet. Charles und Bob können ihm entkommen, jedoch nichts ahnend, dass diese Bestie nun Blut geleckt hat und den Beiden folgt.

"Auf Messers Schneide" ist erfreulicherweise mehr als nur ein packender Überlebenskampf und besonders die Figur Charles Morse macht das Ganze interessant. Er ist nicht nur ein gebildeter Mann, sondern aufgrund seines Reichtums auch sehr misstrauisch was besonders Bob und seine modelnde Frau betrifft. Tamahori nimmt sich zuvor ein wenig Zeit um das Verhältnis der titelgebenden Rivalen ein wenig zu schüren. Hierbei wird schon ausgiebig auf gefährliche Braunbären hingewiesen, so kann man sich denken, was die Beiden später in der Wildnis erwartet. Und bevor es schließlich zum Rundflug geht, haben die Hauptfiguren genügend Profil, um den Zuschauer mitfiebern zu lassen. Aber es darf auch Tamahoris bodenständige Inszenierung punkten, man nehme nur mal den Flugzeugabsturz, welcher dermaßen realistisch aussieht. Und wenn sich die Männer schließlich in der Wildnis befinden, lässt einem das Geschehen nicht mehr los. Man schafft es Feuer zu machen, auch die Idee mit dem Kompass klingt plausibel, führt aber letztenendes in eine Sackgasse. Doch richtig unheimlich wird es mit dem Auftauchen des Bären, allein sein bedrohlicher Anblick verursacht dem Zuschauer eine Gänsehaut, hinzu kommt Jerry Goldsmiths intensiver Score, der jeden Auftritt des Menschenfressers zu einer Spannungsspitze macht.

Und der Bär scheint seine Beute überall aufspüren zu können, denn nach einer geglückten ersten Flucht findet er das Trio bei Nacht wieder und hat diesmal sogar Erfolg. Nun sind nur noch Charles und Bob übrig, eigentlich zwei Gegner die nur zusammen überleben können. Bob´s Abneigung gegen Charles ist in vielen Szenen ersichtlich, auch wegen der Geschichte mit Mickey darf man sich ziemlich früh sicher sein. Jedoch müssen die Beiden erst zusammen arbeiten, dabei ist besonders der Kampf gegen den Bären ein Highlight. Nebenbei versucht man sich mit selbstgebastelten Fallen etwas zu essen zu fangen, auch die ständigen Wetterkapriolen machen Charles und Bob schwer zu schaffen. Im Hinterkopf weiss man jedoch stets, dass dieses Abenteuer ein Happy End beherbergt, was "Auf Messers Schneide" nicht minder spannend macht. Denn gegen Ende dürfen sich Charles und Bob noch gegenseitig in den Haaren liegen. Tamahori konzentriert sich hierbei nur auf den Überlebenskampf, es gibt keinerlei Umblendungen zu den Rettern oder Mickey, um Längen komplett zu vermeiden. Dabei liefern Anthony Hopkins und Alec Baldwin (Shadow und der Fluch des Khan, Mississippi Delta) eine glaubwürdige Vorstellung, nur sind sie für diesen Überlebenskampf stets viel zu sauber, was doch ein wenig unglaubwürdig wirkt. Jedoch hat man diesen Punkt schnell wieder vergessen, wenn man die großartigen Natur- und Landschaftsaufnahmen genießt.

Von Anfang bis Ende bietet "Auf Messers Schneide" einen spannenden Überlebenskampf, der auch durch die eigentliche Rivalität der beiden Charaktere gut geschürt wird. Die eigentlichen Highlight liegen aber bei den Konfrontationen mit dem Bären, hier kommt auch Goldsmiths brillanter Score besonders zur Geltung. Auch aufgrund der Darsteller einer der besten Beiträge aus diesem Genre, ich schaue ihn immer wieder gern.

Details
Ähnliche Filme