Review

Ein schwer durchschaubares, bizarres Psychodrama liefert Greg Harrison mit „November“ ab.
Was der Hauptfigur am Tag des 7. Novembers tatsächlich widerfährt, lässt sich nur erahnen, denn eine vollständige Erklärung wird nicht geliefert. Stattdessen ist der phantasievolle Zuschauer gefordert, zu interpretieren und zu deuten, - alle anderen werden etwas ratlos zurückbleiben uns sich fragen, welchen Sinn das Ganze denn nun hatte.
Kopfkino der eher experimentellen Art.

Wir begleiten Photographie-Lehrerin Sophie Jacobs (Courtney Cox) auf einer Odyssee von Ereignissen, die irgendwie mit einem Überfall in einem Laden zu tun haben.
Genaueres lässt sich tatsächlich nicht sagen, da sich die Ereignisse, einzelne Szenen, mehrfach wiederholen, nur mit unterschiedlicher Aussage und abgewandeltem Inhalt.

Fest steht nur, dass Sofie einen Monat vor dem einschneidenden Ereignis im Laden fremdgegangen ist und dass es im Laden definitiv mindestens einen Toten gibt: Entweder ihr Freund Hugh, Sofie, oder – wie gegen Ende gezeigt – vielleicht auch beide.
Vieles deutet auf eine Psychose hin, die mit Schuldkomplexen seitens Sofies einhergeht.
Zudem besucht sie bei allen drei Möglichkeiten der Deutung eine Therapeutin, die, neben den dreifachen Auftritt ihrer Mutter kleine, hinweisgebende Rollen spielen.
Wer zwischen „Sixth Sense“ und Jacob´s Ladder“ schwankt, liegt dabei gar nicht mal so schlecht…
Es bleiben vage Andeutungen, aber alles andere hieße, die Auflösung komplett zu verraten

Dreimal ein etwa gleiches Szenario, das erinnert entfernt an „Lola rennt“, bei der der Hauptfigur ebenfalls mehrere Möglichkeiten von Schicksalsverläufen blieben.
Hier allerdings muss sehr viel hineininterpretiert werden, da geben zwar ein paar deutlich eingesetzte Farbfilter Aufschluss über emotionales Befinden, aber es bleibt im Detail unschlüssig bis zum dritten Kapital, in dem sich das Puzzle nach und nach zusammenfügt.

Visuell wurde die Verwirrung durchaus ansehnlich gestaltet, da neben dem Einsatz diverser Farbfilter auch kurze Inserts überzeugen können, die ein wenig Aufschluss zur „Wahrheit“ geben. Rückblenden, Blut, Schreie, unterschiedliches Outfit der Hauptfigur, - das gehört alles mit zum munteren Ratespiel, bei dem es zu keiner Zeit langweilig wird.
Auch Courtney Cox kann als Sofie einigermaßen überzeugen, auch wenn ihre Rolle keine überaus hohen Anforderungen stellt und sie in manchen Einstellungen etwas blass wirkt. Der Support-Cast agiert ebenfalls zufrieden stellend.

Ein insgesamt durchaus anspruchsvolles Werk, das vor allem visuell besticht und mit seiner unkonventionellen Erzählstruktur gleichermaßen verblüfft, wie Köpfe rauchen lässt.
Der Streifen fordert die komplette Aufmerksamkeit des Zuschauers, alsdann wird sich die Auflösung allerdings auch recht früh erahnen lassen, was ein wenig schade ist.
Also kein Novum auf diesem Gebiet, aber recht ansehnlich für das sichtbar geringe Budget.
6,5 von 10 Punkten

Details
Ähnliche Filme