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„Grass“ beschäftigt sich mit der Geschichte des Marihuana-Konsums in Amerika und gleichermaßen mit dem Kampf gegen die Verbreitung des Rauschmittels. Bereits der Anfang zeigt die Intention der Macher überdeutlich. Nachdem man eine kleine Einleitung sieht (aus irgendeiner alten amerikanischen Aufklärungssendung) erscheinen die fünf großen Buchstaben GRASS, der Titel, eingefasst in einem Kreis und fett durchgestrichen Psychedelische Rockmusik setzt ein und der Balken über dem Titel bröckelt weg, so das nur noch das Wort zu sehen ist. Dann setzt der Vorspann ein…

Ein wichtiger Faktor ist das für die vorliegende Dokumentation keinerlei Material gefilmt wurde, was mehr als nur ungewöhnlich ist. Der komplette Film besteht aus zusammen geschnittenem Archivmaterial, sei es aus alten Filmen, Serien oder Nachrichtensendungen.

Was theoretisch vielleicht sehr eintönig klingt funktioniert in der Praxis mehr als nur gut: „Grass“ ist eine einzigartige Filmcollage geworden, die mit aufwendiger Recherche, vielen Informationen und hohem Unterhaltungswert aufwarten kann. Man erfährt diverse kuriose Details, wobei besonders die frühe Anti-Drogen-Propaganda sehr viele unfreiwillig komische Aspekte beinhaltet. So sieht man u.a. auch Szenen aus dem berühmten „Reefer Madness“, der wohl bekannteste Anti-Marihuana-Film.

Auch aus Cheech und Chong Filmen, der legendären Kult-Show „Saturday Night Fever“ oder Interviewaufnahmen mit Ronald Reagan oder Richard Nixon sind Ausschnitte zu sehen, so das ein buntes Kaleidoskop entsteht, welches verschiedene Seiten der Problematik zeigt. Vieles mehr gibt es zu entdecken und die Stimmigkeit der Zusammenstellung ist stets verblüffend und wirkt wie aus einem Guss.

Der Einfluss, den die Droge auf die Gesellschaft und die Kultur hatte und immer noch hat wird keineswegs verherrlicht, nur eben zu keinem Zeitpunkt sinnlos dämonisiert. Aus seiner Pro-Legalisierungs-Botschaft macht „Grass“ niemals einen Hehl, sinnlose Anpreisung der Droge wie in diversen modernen Kiffer-Komödien findet aber ebenfalls nicht statt. Im Prinzip konzentriert man sich darauf den Krieg gegen Kiffer anhand historischem Material zu dokumentieren, die oftmals vorhandene Komik resultiert dabei einerseits aus der lockeren Machart aber noch viel wichtiger aus den wahnwitzigen Fakten oder den naiven Aufklärungsversuchen vergangener Zeiten.

Der bekennende Legalisierungsbefürworter Woody Harrelson erweist sich als prädestinierter Erzähler für diese kurzweilige und ironische Dokumentation. Er erledigt seinen Job sehr gut und kommentiert sehr fundiert, aber nie gelangweilt. Unterstützt wird er durch einen abwechslungsreichen und immer passenden Soundtrack, der viele zeitgenössische Klassiker in petto hat. Zudem hat man sich für die Überleitungen wirklich kreative Ideen überlegt, so gibt es zum Beispiel Zeichentrick-Sequenzen oder auch eine lockere Unterteilung der verschiedenen „Epochen“ der Marihuana-Hexenjagd.

Im Zentrum steht natürlich das zwanzigste Jahrhundert, doch auch die frühe Geschichte wird thematisiert, nur eben ohne Bild-Dokumente – mit Ausnahme von Fotos. Selbst Leute die sich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, dürften durch das enorm große präsentierte Detailwissen noch einiges dazu lernen.

Fazit: Geniale Doku, formal sehr gelungen und einfach unterhaltsam, nicht nur für Legalisierungsbefürworter empfehlenswert.

8,5 / 10

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