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Wenn Gabriel (Jonathan Pryce) in den letzten Augenblicken von Cole Porter's (Kevin Kline) Leben, den Bühnenrahmen für die theatralische Rückschau auf Leben und Werk des großen  Musical-Komponisten (1891-1964) vorgibt, bringt er auf den Punkt, worum es in den zwei Stunden dieser Biografie gehen wird: Die Menschen und die Musik, die sein Leben bereichert und ausgemacht haben. 
Der Mensch und ambivalente Künstler steht hier im Vordergrund. Damit ist De-Lovely anders als die Biografie "Night and Day" von Michael Curtiz aus dem Jahre 1946 mit Cary Grant in der Hauptrolle, von der der echte Porter selbst sagte, sie sei überwiegend erfunden und eher ein Musikfilm, und deren Fertigstellung in De-Lovely vom Film-Porter Kline mit  "von Cary Grant auf der Leinwand gespielt zu werden, ist doch auch schon etwas..." kommentiert wird. Die für Bühnenmusicals der damaligen Zeit oft gewagten Songs wie "Anything goes", "Begin the Beguine" oder "Let's do it" werden liebevoll in die zeitgenössische Handlung eingebettet und von heutigen Gesangsstars wie Robbie Williams oder der stimmgewaltigen Alanis Morissette präsentiert. Die wundervolle Musik, die uns schon in seinen Musicalverfilmungen wie "Can Can", "Kiss me Kate" (nach Shakespeares "Der widerspenstigen Zähmung") und "Silk stockings" (Seidenstrümpfe), sowie als Score zu Kino-Erfolgen wie "Die oberen Zehntausend"  oder "Das Böse unter der Sonne" unvergesslich bleibt, ist Lebenszweck und Treibstoff des Bonvivant. Die Texte insbesondere der zahlreichen Liebeslieder Cole Porter's spiegeln die innere Zerrissenheit des homoerotischen Ausnahmekünstlers wider, die tiefe Liebe und Zuneigung seiner Frau und Muse Linda aufgrund seiner eigenen sexuellen Vorlieben nie in gleicher Weise erwidern zu können. Das bringt Kevin Kline ohne Übertreibung durchweg sehr empfindsam zum Ausdruck. Ashley Judd verkörpert Linda's tiefe und opferbereite Liebe ebenso überzeugend, wie die schmerz- und qualvollen Momente, in denen ihr Mann sich in seiner Lust verliert...

Die beiden Weltkriege kommen in dieser Biografie nicht vor. Wahrscheinlich, weil sie für den wohlsituierten und durch Erbschaft finanziell immer sorgenfreien echten Cole Porter wohl keine nennenswerte Bedeutung hatten.  Die Schicksalsschläge die ihn trafen, wie die Geh- und vor allem Klavierspielbehinderung durch den Reitunfall und der Lungenkrebstod seiner Frau läuten auch im Film das Ende ein, was dank Gabriels Hilfe jedoch ein glückliches , liebes- und hoffnungsvolles ist.

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