Der weitgehend selbständige Nachfolger zum Kritiker - und Zuschauererfolg Prison on Fire [ 1987 ] ist zwar von dem gleichen Team gehandhabt, aber diesmal nur zum reinen Geldverdienen entwickelt worden, Regisseur Lam selber hatte wenig Lust auf eine Fortsetzung. Das merkt man dem Film in einigen Teilen auch an, das Herzblut und die Dramatik, die den Erstling auszeichnet fehlt hier ebenso wie die überzeugende Zeichnung einer starken Männerfreundschaft. Dennoch gelingt es dem Film, ein relativ gut strukturiertes und auch abwechslungsreiches Handlungsschema abzuliefern, was vor allem daran liegt, dass man sich diesmal auch nach draussen wagt.
War der Erstling vollständig innerhalb der Mauern angesetzt, wird hier mehrmals die Umgebung erkundet, die im ersten Teil vollkommen ausgesparte Option der Flucht spielt hierbei eine tragende Rolle.
Bereits in der ersten Minute versucht es ein Chinese, kommt allerdings nicht weit. Während die anderen Häftlinge bereits um seine Fluchtchancen gewettet haben und nach dessen Ergreifung darum feilschen, welches Bein als Strafe gebrochen wird, betritt Officer Zau [ Elvis Tsui ] die Szenerie und bricht tatsächlich dem bereits gestellten und wehrlosen Gefangenen das Bein.
Chung Tin - Ching [ Chow Yun Fat ] arbeitet auf der Krankenstation und will den Verletzten abtransportieren, dabei gerät er auch sofort mit dem Sicherheitschef ineinander, der ihn erst ein mal wortwörtlich im Regen stehen lässt und danach aus dem bequemen Bereich in den Strassenbau verlegt.
Protagonist und Antagonist sind also schnell gesetzt, hier wie im Vorgänger gibt es einen Wachhabenden, der die bestehende Hierarchie zu seinen Zwecken ausnutzt und dafür auch geltendes Recht bis zum Erbrechen beugt.
Auch die verschiedenen Machtstrukturen unter den Gefangenen sind von Anfang an am Brodeln, wobei hier zur klaren Vereinfachung der Szenerie einfach ein fester Konflikt zwischen Hongkies und Mainlandern aufgebauscht wird, der sich über langsames Grollen bis zu einigen plötzlich auftauchenden Massenschlägereien auswirkt.
Dennoch ist hier nicht mehr die ständige Gefahr gegeben, die noch den Vorgänger auszeichnete; Grund dafür ist einmal die strikte Abtrennung der Schlafräume - man kommt einfach nicht mehr so oft zu Angriffen - als auch der Drehbuchkniff, das Geschehen öfters nach draussen zu verlagern.
Ching's bereits früher kurz vorgestellter Sohn ist nun schon soweit, dass er versteht, wo sich sein Vater befindet und dass ihm dessen Abwesenheit und besonders eine Abschiebung ins Waisenhaus gar nicht mehr passt. Als Ching sowohl der Besuch der Beerdigung seiner Mutter von Zau verweigert wird und er durch die Sozialarbeiterin Wong [ Yu Li ] auch erfährt, dass sein Sohn zuerst krank und danach aus dem Waisenhaus abgehauen sei, plant er eine Flucht, um ihn zu suchen. Diese gelingt erstaunlich leicht und soll nach seiner freiwilligen Rückkehr dann auch nicht die letzte bleiben.
Als Zau dem Boss der Mainlander Dragon Pong Fai-long [ Chan Chung-Yung ] ein Mord anhängt und Ching als Verräter hinstellt, hauen beide nacheinander ab und halten sich dann auch eine ganze Weile in der freien Welt auf, verstärken trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft die Freundschaft zueinander und vertreiben sich die weitere Zeit mit Nacktbaden und Heimatlieder singen, gemeinsam Durchfall bekommt man auch mal.
Hierbei kann die Regie durchaus mit einen gewissen Bonus von Sentimentalität und der Inszenierung vom Freiheitsdrang punkten, verliert aber beinahe jede Intensität, die angesichts einigem an Schabernack von vorher überhaupt noch übriggeblieben ist. Der Showdown haut dann dafür mit einem geplanten Massenausbruch und einem gleichzeitigen gewaltätigen Scharmützel zwischen Ching, dem eigentlichen Mörder und dem nunmehr ganz austickenden Zau schon wieder mächtig in die Kerbe, nimmt hierbei aber eindeutig zu groteske Züge an, es wirkt zu übertrieben.
Eine mehr publikumswirksame Herangehensweise als der eingeengte und rauhe erste Teil ist eindeutig auszumachen, genauso wie hier auch einige Actionszenen eingebaut sind, die der Erstling nun gar nicht zu bieten hatte. Dadurch wird noch lange nicht ein Reisser draus, aber mehr Tempo und Beweglichkeit durch die verschiedenen Arten von Ausbruch und Flucht sind zu kennzeichnen. Da durchbricht ein LKW eine hindernde Begrenzung, Verfolgung findet per Hubschrauber statt, mehrere nicht sehr fein aussehende Stunts lassen die Beteiligten einen Zaun hinunterstürzen oder durch Welldächer krachen.
Der Film ist hierbei auch eindeutig auf Chow Yun Fat gerichtet, dessen Figur auch diesmal einen erklärten und gezeigten Hintergrund bekommt; der bereits früher angedeutete Tod seiner Frau wird jetzt auch mehr als Unfall statt Totschlag hingestellt, was bisher nicht so ganz klar war. Eine zweite starke Hauptperson fehlt aber, Tommy Wong als einziger aus dem vorherigen Cast hat nicht viel zu tun, Elvis Tsui wirkt im Gegensatz zum extrem überzeugenden Roy Cheung immer leicht wie eine Karikatur, dämonisches Lachen inbegriffen.
Cheung selber bekommt übrigens ein Cameo gegen Ende, dass so nicht wirklich rosige Zeiten für den geplagten Ching aufzeichnet, eine weitere Fortsetzung fand aber nicht statt.
Diese hier reicht auch erstmal, ist zwar immer noch ein guter Film, aber manchmal mehr Island on Fire als Prison on Fire.