Von Ägypten nach Shanghai!
Per Schiff von Ägypten aus ging in Chans neuntem Fall die Reise noch nicht heimwärts nach Honolulu, sondern vielmehr in die alte Familienheimat, nach Shanghai für den Detektiv.
Offenbar wollte man mal ein neues Sujet ausprobieren, denn in diesem Fall geht es mal nicht vordringlich um die Entlarvung eines speziellen Täters und seines Motivs, sondern um ein Verbrechersyndikat, dessen Aktivitäten offenbar so sehr von der Anwesenheit Chans bedroht zu sein scheinen, dass er die ersten Todesdrohungen schon auf dem Schiff erhält, bevor er überhaupt einen Fuß auf den Boden Shanghais gesetzt hat.
Aus Drohungen wird schon bald ein (versehentlicher) echter Mord, der eigentlich Chan angedacht war und alsbald dreht es sich um osteuropäisch klingende Verbrecher und Geheimdienstagenten, Briefe in Geheimschrift und Entführungen am hellichten Tag. Zum zweiten Mal darf sich auch Keye Luke als Sohn Nr. 1 für seinen Vater betätigen, hat aber gleichzeitig auch die Rolle des „comic relief“ abbekommen und verkompliziert den Fall teilweise, weil er ständig nur mit diversen Angebeteten telefoniert (natürlich immer alles Asiatinnen) und die Leitung für wichtige Anrufe blockiert. Andererseits hat das durchaus eine sehr moderne Komponente...
Das Problem bei der Bedrohung durch Verbrecherorganisationen – hier Opiumschmuggler- ist stets, dass man gegen einen meist gesichtslosen Gegner kämpft, so dass man maximal den Anführer enthüllen kann, falls er nicht schon die ganze Zeit offen auftritt, während seine Untergebenen überall zu sein scheinen. Hier ist eher Ersteres der Fall und ein weiterer Mordanschlag bietet zumindest ein wenig an detektivischem Interesse, aber die Enthüllung des Erzschurken ist in diesem seltenen Fall wirklich nicht sonderlich aufregend, da die Figur sich leider schon vorher durch Gesten und Mienenspiel hinreichend verdächtig machen darf.
Das Finale kann dann auch noch mit einer hübschen Finte aufwarten, aber insgesamt würde ich „Shanghai“ eher zu den schwächeren Chans zählen, wobei allerdings die 70 Minuten immer noch straff gefüllt sind.
Als kleines Extra darf Oland gleich zu Beginn auf dem Kreuzfahrtschiff noch asiatischen Kindern ein kleines Liedchen singen – in Kürze sollte man auch seine eigenen zwölf Kinder samt Ehefrau zu Gesicht bekommen.
Insgesamt ordentliche 6/10.