Ein mörderischer Psychopath ist unterwegs und niemand ahnt, wo er hinwill - das ist die Prämisse dieses Horrorausflugs des Pornofilmer Scavolini, der dem Schizo-on-the-Run-Genre hiermit vor allem einen neuen Kunstblutrekordversuch beschert.
George Tatum heißt die gequälte Seele, die alldieweil zu einer psychotisch-schizophren-gewaltätigen Krankengeschichte, von Träumen gemartet wird, in der ein Junge mit einer Axt ein rödelndes Pärchen niedermacht. Am Ende wird sich herausstellen, was wir eh alle wissen - nämlich das er dieser Junge war, nur obwohl der gute Tatum bis zum Rand mit Medikation abgefüllt wurde, so daß er schon ein Testfall für das Militär ist, weiß offenbar niemand um die Vorgeschichte des sexuell Gestörten.
Obwohl George sich die Kehle blutig schreit, so er denn mal einschläft, kann er inzwischen wieder frei rumlaufen, bis ihm ein Besuch in der Peepshow so richtig das Maul schäumen läßt (den Übergang vom Normalo zum Psycho signalisiert hier immer reichlich Zahnpastasabber vor der Schnute). Daraufhin steuert er (und hier verrate ich mal dreist den Schlußgag, der in jeder Inhaltsangabe gespoilert wird) zum Heim seiner Ex-Familie (was wir zwar alle wissen, im Film aber erst so recht in der Schlußeinstellung erfahren) und macht unterwegs ein paar Damen alle.
Sein Seelendoktor ist natürlich ein Dämel, dessen Vorgesetzter eine zigarrenschmauchende Null, die aber ordentlich Wind macht und so dauert das mit der Verfolgung. Derweil leidet die Familie, bei der sich eventuell ein neuer Vater anmeldet unter den Streichen des Kleinsten, der wohl zu viele Horrorfilme gesehen hat und dem der Arsch versohlt gehört (was aber leider niemand tut). Natürlich greift sich George immer die anderen, nie die Familie an sich und als er dann ins Allerheiligste vorstößt (bis zur Unterwäsche seiner Ex) zeigt sich, daß neunjährige Psychopathenanwärter recht ordentlich mit zweierlei Schußwaffen umgehen können.
Wer sich von diesem Streifen jetzt aber die Offenbarung erwartet, kann beruhigt enttäuscht werden. Trotz des Gebrauchs von Hektolitern Blut bestimmt Langeweile zumeist das Bild. Zwar startet der Film mit Visionen und Alpträumen gut durch, verrät jedoch den Clou damit gleich zu Beginn und hat dann später außer grausamen Morden nichts mehr zu bieten. Davon gibt es jedoch einige und mit harten Bildern spart der Film wirklich nicht. Sei es nun der Axtmord in der Vergangenheit (mächtig schlächtig) oder die Ermordung einer zufälligen Kneipenbekanntschaft (Kehle ventilieren, Brustkorb öffnen und naschen), bzw. des Babysitters (Spitzhammer in den Rücken und entgräten, bitte), es suppt aus allen Öffnungen. Dazwischen jedoch wird man zumeist mit familiären Problemen gemartert (Psycho-Child), darf nackte Brüste begutachten oder die Unfähigkeit der Verfolger bestaunen.
Akzeptabel in diesem Kontext ist die Leistung von Baird Stafford, der den Tatum spielt. Sein Wechsel von normal zu bösartig ist mehr als brauchbar angelegt und der Zusammenhang von Geisteskrankheit und sexueller Frustration bzw. Impuls zu Gewalt ist recht bildhaft dargelegt, wenn auch vereinfacht. Der Mann kann einem schon Angst machen, weswegen es schade ist, das Scavolini sich gegen Ende zu sehr bei "Halloween" bedient, Tatum eine Maske verpaßt, auf subjektive Kamera setzt und eine Hetzjagd im Haus veranstaltet.
Leider gibt es zu viele banale Passagen und die Morde sind zu selbstzweckhaft dargestellt, um diesem Film mehr als ein Fußnote zu widmen. Immerhin atmosphärisch arbeiten konnte der Rammelfachmann, über den Rest hüllen wir mal schnell Dunkelheit (2,5/10)