Ein Trauma ist keine Ausrede
"Nightmare" aka "Blood Splash" aka "Nightmares In A Damaged Brain" hat viele Namen, ist in etlichen Ländern jahrzehntelang verboten gewesen und konnte sich so einen der berüchtigtsten Rufe der VHS-Geschichte erarbeiten. Die Tapes hatten schnell unendlichen Sammlerwert, obwohl die Qualität schon damals unter aller Sau war. Heutzutage gibt es ihn gratis und uncut für Amazon Prime-Kunden zu streamen, in zumindest zumutbarer Qualität. Das nenne ich mal Zeiten ändern sich. Es geht um einen traumatisierten Killer, der aus einer Anstalt ausgebrochen ist und nun Jagd auf eine Familie macht. Simpel und doch lange Zeit unübersichtlich und verwirrend umgesetzt. Das könnte man Stilmittel nennen und mit dem Gemütszustand des gestörten Protagonisten zusammenbringen... oder einfach nur dilettantisches Filmemachen nennen. Doch was kann diese legendäre Perle sonst noch so?
Wer auf grindhousiges Low-Budget-Killerkino ala "Maniac" oder "Henry" steht, darf gerne auch "Nightmare" ausgraben. Nur bitte nicht deren Qualität erwarten. Denn vor allem aus heutiger Sicht und mit seiner Reputation im Rücken kommt man um eine mittelschwere Enttäuschung kaum herum. Die Atmosphäre ist ziemlich nihilistisch zwischen Euro-Giallo und US-Slasher angesiedelt und Tom Savinis Effekte sind nach wie vor eine Augenweide. Mit deren Qualität kann es nicht zusammenhängen, dass er sich von diesem Film nachträglich entfernen wollte. Leider ist der Rest dieser düsteren "Charakterstudie" (nicht umsonst in Anführungszeichen) eine ganz zähe Angelegenheit. Regietechnisch ist das eine Schlaftablette. Schon damals gewesen. Und schauspielerisch lächerlich. Doch er lebt halt von seinem Ruf, seiner Atmosphäre und dem (überraschend spärlich) eingesetzten Gore. Seine Geschichte ist interessanter als der Film selbst.
Fazit: ein richtig dreckiger Video Nasty, der seinem Ruf nur noch in wenigen Szenen halbwegs gerecht wird. Der Rest ist langweiliges Bahnhofskino der sleazigsten Sorte. Grieselig, schmutzig, zäh. Lieber nochmal "Maniac" gucken!