Review

Rückwirkend mit Abstand von über einem Vierteljahrhundert nimmt es etwas Wunder und Erstaunen zu sehen, dass Jemand wie Wings Hauser die Achtziger und (ganz) frühen Neunziger hindurch als Actiondarsteller gesucht und gefunden und teils gar aus eigener Kraft dafür verantwortlich war. Darstellerisch solide, aber schon in seinen Fähigkeiten wie auch die Kollegen um Seagal oder Van Damme noch begrenzt, körperlich bestenfalls Mittelmaß und nicht wirklich ausnehmend in physischer Präsenz, was der Lockenkopf auch mit recht bübischen Charme vielleicht noch wett, ihn aber deswegen noch nicht geeignet für die Widerstands- und Ausdruckskraft als Heroe auf der großen Leinwand macht. Dennoch und wie zum Trotz wird das Jahrzehnt der Videotheken mit regelmäßigen Produktionen und so gefragt im Marktwert und der entsprechenden Bereitschaft der Kunden auf Mehr von ihm frequentiert, was auch No Safe Haven zu einem Zeugnis der Zeit und im Nachhinein wie festgefroren in der Ära von Alleingang und Selbstjustiz macht:

Der Footballspieler Buddy Harris [ Tom Campitelli ] ist in das Drogengeschäft abgerutscht, als Nutzer und als Dealer. Als er aussteigen will und dies dem Zwischenhändler Manuel [ Branscombe Richmond ] kundtut, werden er und sein jüngerer Bruder sowie die Mutter grausam getötet. Dabei haben Manuel und sein Boss im Hintergrund, der auch von den Behörden gesuchte Carlos [ Robert Ahola ] allerdings die Rechnung ohne Clint Harris - im Englischen Original Clete Harris [ Wings Hauser ] - gemacht, der seine Stelle beim Friedenscorps in Honduras schnurstracks aufgibt, in die Staaten reist und mit dem Waffenhändler und Gelegenheitssöldner Randy [ Robert Tessier ] den Bösen nahe auf die Pelle rückt. Dass er dabei auch die Freundin seines verstorbenen Bruders, Carol [ Marina Rice ] trösten kann, erweist sich als kleiner Nebeneffekt.

Geschrieben in Zusammenarbeit von Hauser selber mit seiner damaligen Ehefrau Nancy Locke, die hier anders als kurz zuvor in Hostage (1987) allerdings nicht hauptsächlich mitspielt und auch nicht vermisst wird, arrangiert sich der Star erneut als Ein-Mann-Maschine, mit aber dem herz auf dem richtigen Fleck. Die später folgende Brutalität seinerseits, die teils recht erschreckend und auch ein wenig abstoßend auf den eigentlich hartgesottenen und abgebrühten Zuschauer wirkt, wird anfangs mit eher der Lockerheit und Spitzbübigkeit seiner Figur konterkariert. Wieder ist sein Part ein Weltenbummler, der die Erfüllung seines Lebens im Umzug in die Ferne und die Weite, in die Exotik gesucht hat, und auch wieder kann der Mann mit Kindern ausnehmend gut, was hier gleich in mehrfacher Hinsicht demonstriert wird. Erneut hat man ebenfalls Verbindungen zur Hochrangigkeit, zur Politik und zum Militär, die im Ernstfall wieder aktiviert werden und auf dessen Hilfe und Ratschläge man nötigenfalls zurückgreift. Ein Einzelgänger, der dennoch sozial eingebunden ist, wenn es denn sein muss und auch mit Frauen kann; was hier in einer absolut unnötigen Szene eines nächtlichen Schäferstündchens im Auto auf dem Rastplatz, kurz nach der Beerdigung und kurz vor dem Rachefeldzug, quasi als Ausgleich von Leid und Rache demonstriert wird.

Ansonsten kann der Film eigentlich nicht viel, was man sich auch mit den anderen Werken des Schauspielers, die natürlich dennoch zu goutieren sind, teilt. Immerhin ist das 'Drama' nicht so groß und derb schlecht gehandhabt wie im Hostage, und auch die Dramaturgie selber ein wenig besser, wenn auch längst nicht ausgereift und gerade im Erzählerischen holprig und stockend und gen Ende fast noch parodistisch (auf)gesetzt. Hauser als neuer Schreiberling, und sein Erstlingsregisseur, der auch danach nichts mehr gedreht, sondern weiterhin für die Second Unit die Stuntszenen arrangiert hat, greifen in der Narration auf allerlei Umwege und Hilfestellungen wie Texteinblendungen im Bild, irgendwelche Ortssprünge von hierhin nach dahin, von Los Angeles zu New Orleans und vorher noch nach Dallas zurück, was zwar wenigstens so etwas wie Bewegung und Fortgang antäuscht, so richtig die Erfüllung des Glückes aber nicht ist. [Das Skript ist laut Hauser tatsächlich um die drei Stunts herumgeschrieben worden, welche zuerst da waren und schließlich auch verwendet werden wollten.]

Immerhin wird es nicht zu langweilig, und ein wenig besser ist das allgemeine Gefühl des Nihilismus gezeichnet, kommt der gesellschaftliche und politische Kampf gegen die Drogen und das allgemeine Abstumpfen der Zivilisation in Missbrauch von Substanzen und in das Abrutschen von Gewalt durchaus zu Tragen, was dem Film dazu schon auf die Sprünge und voran hilft. Die Sitten rauh und ungehobelt, die Bilder dazu etwas trüb und grau und stumpf, was der einfallslosen Kameraarbeit zugute kommt, die auch keinerlei Mätzchen oder inszenatorische Sperenzchen bieten muss. Darstellerisch dafür alles etwas oben drüber, immer zu dick aufgetragen und auf seine Weise ähnlich ungeschliffen, Hübsches zu sehen gibt es also weder in Objekt noch in Subjekt. Die Action steigt erst groß mit einem drive-by-shooting, einer anschließenden Verfolgungsjagd quer durch die Stadt und zwei ausschweifenden Explosionen von jeweils Auto und Bus sowie fahrendem Zementmischer als Bollwerk ein, nimmt sich dann aber zurück und lässt dem gewalttätigen Beiwerk von Vergeltung im Auge-um-Auge-Modus seinen Platz. Szenen wie das Anzünden eines der Bösewichter mit Benzin und Feuerzeug oder das weitere Überfahren eines im See schwimmenden Halunken mit dem Motorboot werden noch als Höhepunkte formuliert, sind aber eher unappetitlich und erfreuen nur das sensationslüsterne Herz.

Für einen Stuntcoordinator ein wenig sehr hoppladihopp und wie im großen Nebenher statt mit dem wahren Augen darauf inszeniert, was schon verwundert, kommt dann auch der Showdown, der dicke Knall am Ende daher. Während 'Clint' am Boden die Ein-Mann-Kampfmaschine mehr schlecht als recht spielt, wird das meiste Brimborium von der Verstärkung aus der Luft heraus, per Hubschrauber und den Raketenwerfern und der Rest noch von ein paar vorher platzierten Detonationszündern erledigt; immerhin wurde dahingehend etwas Geld und etwas in die Unterhaltung für den Zuschauer investiert.

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