Als Actionstar blieb Wings Hauser bekanntheitsmäßig noch unterhalb des Lundgren- und Dudikoff-Levels, konnte sich aber gleichzeitig mit regelmäßigem Output eine gewisse Fanbase erarbeiten und durfte sich hin und wieder auch mal eine Rolle auf den Leib schreiben, etwa „Clint Harris“ im Jahr 1987.
Clint Harris heißt eigentlich Clete Harris (Wings Hauser) und „Clint Harris“ eigentlich „No Safe Haven“, aber der deutsche Verleih benannte das Actionvehikel um. Die Eingangsszene setzt bereits den ruppig-asozialen Tonfall des Films: Kartellkiller Manuel (Branscombe Richmond) und ein Kollege wollen einen Knilch abmurksen, der gerade in einem Restaurant mit seiner Holden speist. Als das potentielle Opfer die Mordbuben bemerkt, benutzt er sein Date als (schnell durchlöchertes) Schutzschild und flieht. Am Ende der nun folgenden Autojagd (der man leider sehr überdeutlich den ungelenken Zeitraffereinsatz ansieht) kracht der Kerl in einen Bus, dessen Insassen unter lauten Schreien versterben, ebenso wie er selbst. All das wird übrigens im Film nie wieder aufgegriffen.
CIA-Agent Clete schackert derweil für das Friedenskorps in Honduras und kriegt von solchen Schurkereien vorerst nichts mit. Dummerweise ist er indirekt betroffen, denn sein Bruder Buddy (Tom Campitelli), ein Footballprofi, hat sich mit den Nasenpulververkäufern eingelassen. Als dieser aussteigen will, sehen Manuel und Co. das gar nicht gern und ermorden Buddy ebenso wie den jüngsten Spross J.J. (Chris Douridas) und deren Mutter (Evelyn Moore). Die tote Sippe schreit natürlich nach Rache, der legendäre Anlass für Actionhelden, spätestens seit Charles Bronson dereinst rot sah.
Clete fliegt also zurück in die Heimat, holt Informationen über das Kartell ein und findet heraus, dass der Boss Carlos Hindle (Robert Ahola) eigentlich wegen eines Abkommens geschützt wird (sich also in einem „Safe Haven“ laut Originaltitel befindet). Doch Clete erarbeitet mit dem Waffenmeister Randy (Robert Tessier) einen Plan, um trotzdem an den Übelwicht zu kommen…
Wer jetzt erwartet, dass der Plan komplex wäre oder einen nennenswerten Plot in Gang setzen würde, der hat sich freilich geschnitten. Mit einem einzigen Anruf bei CIA-Kollegen bekommt Clete alle notwendigen Infos über die Schurken, weshalb weitere Ermittlungen entfallen. Also killt Clete erst einmal Manuel und dessen Kollegen in den USA, provoziert damit Carlos‘ Flucht in sein Heimatland Bolivien, damit er ihn dort killen kann. Soweit die übersichtliche Handlung, die im Finale noch um einen überraschenden Twist erweitert wird, der sich bei genauerem Hinsehen allerdings als reichlich Banane erweist.
Nun könnte man meinen, dass die in Sachen Handlung gesparte Zeit bei „Clint Harris“ dann in reichlich Action investiert wurde, doch Pustekuchen. Nach dem Auftakt gibt es erst einmal nur die beiden Morde an den Killern, die mehr mit Sadismus als mit Schauwerten punkten: Den einen steckt Clete bei lebendigem Leibe in Brand, den anderen überfährt er (immerhin nach kurzer, recht brauchbarer Verfolgungsjagd) mit dem Motorboot. Erst im Finale geht es dann wirklich rund, wobei Clete nur ein paar Wachen hinterrücks meuchelt und sich auf kurze Schusswechsel einlässt, der größte Teil der Kartellschurken aber durch Beschuss aus dem Hubschrauber und die Detonation vorher platzierter Bomben gekillt wird. Nach getaner Arbeit schmeißt man Carlos noch unter Cletes sadistischem Lachen aus dem Hubschrauber, direkt darauf rollt der Abspann. Dabei überließ man die Regie mit Ronnie Rondell Jr. schon einem erfahrenen Stuntman, Stunt Coordinator und Second-Unit-Regisseur, dessen einzige Regiearbeit allerdings dieser Film blieb.
Wenn es also keine nennenswerte Handlung und eher spärlich gesäte Action gibt, womit kriegt „Clint Harris“ dann die Zeit herum? Vor allem mit der Darstellung des Helden und dessen vermeintlicher Ultramännlichkeit, die sich Hauser selbst auf den Leib schrieb. Also darf man Harris dabei zusehen, wie er seiner Chefin in Honduras Profitipps für attraktiveres weibliches Aussehen gibt, auf einem Parkplatz eine großbusige Zufallsbekanntschaft durchorgelt (stilvoll mit Bierdose in der Hand) oder gemeinsam mit Randy auf eine Straße in der bolivianischen Pampa strullert. Außerdem führt Randy, der auch Schrotthändler ist, gerne seine Spielzeuge vor, wobei er auch schon mal seinen halben Schrottplatz in die Luft jagt. Lustigerweise wird manches von der gezeigten Ausrüstung im Film gar nicht benutzt. Achja: Ladies Man Harris macht zwischendurch auch Carol (Marina Rice) klar, eine gute Freundin des verstorbenen Bruders, was auch nochmal reichlich Screentime schindet.
Immerhin: Wings Hauser hat sichtlich Spaß an seinem Vollproll-Helden und kann diese Freude zumindest ansatzweise auf den Zuschauer übertragen. Ähnlich sieht es bei seinem Buddy Robert Tessier aus, während Branscombe Richmond zwar nur wenige Szenen hat, in diesen aber dem Overacting-Affen auf ganz besonders sleazige Art Zucker gibt. Sonst ist der Rest der Besetzung kaum der Rede wert, auch nicht Robert Ahola als Oberschurke, von dessen Rolle eher zwei drehbuchbedingte Absurditäten in Erinnerung bleiben: Laut Script ist er der bolivianische Nachfahre eines SS-Mannes und seinen Gästen erzählt er schon mal von den traditionellen Ritualen bei der jährlichen Kokain-Ernte in seinem Heimatland. In einer Nebenrolle ist außerdem Hausers damalige Frau Nancy Locke zu sehen.
So sorgen immerhin der Hauptdarsteller und die wenigen Actionszenen für gelegentliche Kurzweil, aber sonst besteht „Clint Harris“ oft aus langweiligen Füllszenen, die vor allem das Prollo-Macho-Image des Helden abfeiern. Da ist der ähnlich gelagerte „Todesschwadron“ mit Hauser jedoch auf seine absurde Art merklich kurzweiliger.