Roberto (Michael Brandon), ein Schlagzeuger in einer Band, bemerkt eines abends einen Mann mit Sonnenbrille und Trenchcoat, der ihn zu verfolgen scheint. Da dieser Mann ihm schon einige Male aufgefallen ist, beschliesst er, ihn zur Rede zu stellen, doch der Unbekannte flieht. Roberto verfolgt ihn bis in ein altes Theater, wo er ihn stellt und mit seinen Beschuldigungen konfrontiert. Der Mann leugnet alles, es kommt zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf der Unbekannte ein Messer zückt. Durch eine unglückliche Bewegung rammt Roberto dem Mann das Messer in den Leib, daraufhin stürzt dieser in einen Bühnenschacht und bleibt reglos liegen. In diesem Augenblick geht die Bühnenbeleuchtung an, und Roberto muß zu seinem Schrecken feststellen, daß die beiden nicht alleine im Theater waren - in einer der Logen steht eine merkwürdig maskierte Gestalt mit einem Fotoapparat. Der Maskierte hat den ganzen Verlauf des Kampfes fotografiert, und ist somit Zeuge des Verbrechens. In den folgenden Tagen kommt es zu einem regelrechten Psychoterror gegen Roberto und seine junge Frau Nina (Mimsy Farmer): Fotos von der Nacht des Mordes tauchen auf, geheimnisvolle Botschaften und düstere Träume terrorisieren den Musiker. Als es schließlich zu einem weiteren Mord kommt - eine Freundin Robertos will den Maskierten erpressen und wird im Park ermordet - weiß Roberto keinen anderen Ausweg mehr: Auf Anraten seines Freundes "God"frey (Bud Spencer) setzt er einen Privatdetektiv auf den Fall an. Doch das Morden geht weiter...
Dieser frühe Argento-Film ist leider nur sehr schwer zu bekommen, und wenn, dann meist in recht dürftiger Qualität. Das ist ein echter Jammer, denn FOUR FLIES ist wirklich sehenswert. Zwar ist es noch kein "echter" Argento-Reißer wie DEEP RED, aber die Handschrift des Meisters ist schon eindeutig zu erkennen. Die Morde werden drastischer, die Bilder opulenter und "Argento-hafter" (inklusive extremer close-ups von Rasierklingen, etc.). Auch das für Argento so typische Spiel mit dem Wahnsinn in Verbindung mit dem Verschwimmen der sexuellen Identität geht in die Story ein: Der schwule Detektiv (ohne den es ja scheinbar niemals geht im Hause Argento...), die androgyne Mimsy Farmer, die fast inzestuöse Beziehung von Roberto mit seiner Cousine. Die massive Irritation von TENEBRE wird dadurch zwar nicht erzeugt, deutet sich aber schon an.
Insgesamt allerdings kommt FOUR FLIES noch bedeutend leichter daher als seine Nachfolger. Zum einen liegt das sicherlich an der Figur des Godfrey - Bud Spencer ist wunderbar in dieser Rolle des mürrischen Einsiedlers, und ein bißchen wartet man immer darauf, daß Terence Hill um die Ecke spaziert kommt und einen Topf Bohnen aufsetzt. Zum anderen gibt es einige durchaus humorvolle Szenen, so z.B. als der Detektiv fast schon schwärmerisch von seiner nun drei Jahre währenden Pechsträhne erzählt. Vierundachtzig in den Sand gesetzte Fälle seien ja nun wirklich ein echter Rekord. Oder der Postbote, der öfters einmal die Briefkästen verwechselt und schwedische Pornomagazine an eine junge Frau ausliefert. Aus anderen Gründen gerät er auch mit Roberto aneinander, was ihn schließlich dazu bringt, jaulend und fluchend die Flucht zu ergreifen, als er Roberto nur von weitem sieht. Natürlich ist FOUR FLIES keine leichte Komödie á la Adriano Celentano, und der gelegentliche italienische Humor tut den spannungsreichen Szenen auch keinen Abbruch. Der Mord im Park beispielsweise ist wirklich großartig; ein bißchen Hitchcock und ein bißchen BLOW UP (das Liebespaar, das von einem Einzelbild zum nächsten einfach verschwindet), und schon viel vom späteren Argento findet sich hier.
Unschlagbar ist übrigens auch die Musik von Ennio Morricone, der allen Filme der "animal trilogy" eine ganz unverwechselbare Atmosphäre verlieh.
Fazit: Jeder Argento-Fan, der die Chance hat, diesen Film irgendwie in die Finger zu bekommen, sollte sofort zuschlagen, Bildqualität hin oder her, denn wer weiß, wann dieses Schätzchen mal in einer ordentlichen Version veröffentlicht wird...