Inhalt:
Der Musiker Roberto Tobias (Michael Brandon) bemerkt, dass er über Tage von einer dunkel gekleideten Person beobachtet wird. Irgendwann platzt ihm der Kragen und er stellt den flüchtenden Beobachter in einem menschenleeren Theater. Roberto stellt den Mann, der sich als blind herausstellt, zur Rede, es kommt zu einem Gerangel, bei dem der Blinde ein Messer zückt und durch dieses unglücklicherweise getötet wird. Dieses Geschehen wird von einer maskierten Gestalt beobachtet und fotografiert. Roberto meldet diesen Vorfall nicht der Polizei und er und seine Frau Nina (Mimsy Farmer) werden fortan dem wahren Terror ausgesetzt. Es beginnt mit Psychoterror und steigert sich schließlich zu einer Mordserie in deren Umfeld. Roberto stellt alles Mögliche an, um den Drahtzieher zu entlarven.
Kritik:
Vorweg: Der dritte Film von Dario Argento lag mir zur Begutachtung nur in der US-Fassung inklusive schlechtem Bild und (nicht be)rauschendem Ton vor, was meine Sehfreude etwas geschmälert hat. Aber leider hat der Film (bisher?) noch keine deutsche Auswertung in Form von VHS oder gar DVD erfahren.
Mit diesem Film schließt Argento seine so genannte Giallotiertrilogie (in seinen ersten drei Werken kommen Tiere im Titel vor: Vogel, Katze, Fliegen und führen zur Überführung des Täters).
Der Film wartet mit einigen guten Ideen auf. So überzeugt besonders die Anfangsszene, die ich hier wiedergeben möchte:
Zu Beginn sehen wir eine Musikgruppe im Studio bei ihrer Arbeit. Diese Szene wird durch gelungene Kameraeinstellungen, wie z.B. durch das Loch einer Gitarre mit Blick auf die Saiten nach draußen, dargestellt. Die Hauptfigur Roberto Tobias spielt Schlagzeug und wird dabei von einer Fliege gepiesackt. Er vertreibt sie durch Kopfzuckungen und versucht sie mit seinem Schlagzeugstick, ohne sein Spiel zu vernachlässigen, zu erschlagen, als sie über einer Trommel fliegt. Versuch fehlgeschlagen. Doch als die Fliege zwischen den Becken landet, segnet sie nach deren Einsatz das Zeitliche.
Im weiteren Verlauf der Geschichte wird dann die Bedrohung für Roberto durch den Maskierten stetig gesteigert. Es beginnt mit dem Zusenden des Ausweises des angeblich (später mehr dazu) getöteten angeblichen (dito) Blinden, dann findet er Fotos der Tat in seiner Wohnung, wird von dem Maskierten in der Nacht gewürgt, bekommt von ihm mitgeteilt, dass er ihn noch etwas leiden lassen will und daraufhin beginnt die Mordserie.
Die Morde werden von Argento ungewöhnlich und experimentell ins Licht gerückt.
Dazu möchte ich zwei Morde Revue passieren lassen:
Zum einen den Mord an der Haushälterin von Robert. Sie weiß, wer hinter dem Maskierten steckt und will ihn erpressen. Telefonisch organisiert sie ein Treffen mit diesem in einem Park, wobei sie gegen Erhalt einer Geldsumme niemandem von der Identität des Unbekannten berichten will. So sitzt sie also in besagtem Park und wartet auf den Geldsegen. In dem Park befindet sich auch ein Spielplatz, auf dem viel Trubel herrscht. Die Frau döst vor sich hin. Plötzlich ist der Park menschenleer und es beginnt zu dämmern. Das ist der Moment, in dem der Täter im Park aufkreuzt und anstatt des Geldes ein Messer mitgebracht hat. Die Frau erkennt, dass die Erpressung doch keine so gute Idee war und flüchtet, wobei sie vom Erpressten verfolgt wird. Es kommt zu mehreren Schnitten zwischen Frau und Maskiertem. Immer wenn die Frau im Bild ist, erklingt die spannungsreiche Musik von Ennio Morricone, welche durch Stille ersetzt wird, wenn der Gegenschnitt auf den Täter erfolgt, bei dem die Kamera die subjektive Sichtweise des selbigen zeigt. Dieses Spielchen wird wiederholt, bis die Frau in eine enge Sackgasse gelangt und schließlich den Löffel abgibt.
Zum anderen den Mord an dem in der Anfangsszene anscheinend von Roberto getöteten Blinden. Es stellt sich heraus, dass dieser "Mord" von dem Maskierten nur inszeniert war. Der Blinde ist gar nicht blind und erst recht nicht tot. Er hat diese Rolle lediglich für den Maskierten gespielt, um Roberto aufs Glatteis zu führen. Als der "Blinde" nun von der Mordserie erfährt, will er den Täter zur Rede stellen. Wir sehen aus der Sicht des Übeltäters, wie er die Wohnung des "Blinden" betritt und dieser mit uns plaudert. Als er mit dem Rücken zu uns steht und sich umdreht, rasen wir mit einem schweren, metallenen Gegenstand auf den "Blinden" zu und schlagen ihm diesen gegen den Schädel, worauf dieser mit zu Boden sinken reagiert. Wir lassen nicht nach und schlagen etwas weiter auf ihn ein, denn wir wollen ja keine halben Sachen. Es erfolgt ein Gegenschnitt, wobei wir die Sicht des Opfers einnehmen. Der Gegenstand rast auf uns zu und unsere Sicht wird durch unser Blut verschleiert. Wieder der Gegenschnitt auf die Sichtweise des Täters, der einen Blutschwall ins Gesicht gespuckt bekommt.
Des Weiteren können wir viele schöne, argentotypische Kamerafahrten bewundern. Wie die Kamera hier durch die Szenen gleitet ist einfach unnachahmlich und wird in seinen späteren Filmen zu seinem Markenzeichen.
Die grandiose Musik von Ennio Morricone, der auch bei Argentos ersten beiden Filmen den Score abgeliefert hat und in dessen folgenden Filmen von den Übergöttern Goblin abgelöst wird, wird für meinen Geschmack viel zu wenig eingesetzt. Durch den häufigeren Einsatz hätte man in vielen Szenen noch mehr Spannung aufbauen können. Stattdessen herrscht in diesen Szenen dann einfach Stille. Schade!
Es gibt wieder einige dubiose Charaktere, wie den Kumpel von Roberto, der von Bud Spencer als gemütlicher Griesgram verkörpert wird, den dümmlichen Postboten, der gerne mal die Post an der falschen Adresse abliefert, den so genannten Professor, der Robertos Haus zwecks Tätersuche beobachten soll und den privaten Ermittler, den Roberto engagiert. Dieser ist schwul (das durfte ja nicht fehlen!) und hat seit 3 Jahren noch keinen einzigen Fall gelöst, meint aber, dass jede Serie mal brechen muss. Er ist es dann auch, der den Täter entlarvt und als er dann auf diesen trifft, eine tödliche Injektion ins Herz bekommt, aber mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht und den Worten: "I was right. I did it this time." aus dem Film abtritt.
Die Tätersuche ist für den Zuschauer diesmal nicht so prickelnd, da es zu wenige in Betracht kommende Verdächtige gibt, aber die Methode, die zur Auflösung führt, kann man einfach nur als phantastisch und einfallsreich bezeichnen:
Von einem Opfer kann mittels einer neuen Methode und dessen Auge das Bild sichtbar gemacht werden, welches das Opfer als letztes gesehen hat. Dieses zeigt dann die titelgebenden vier Fliegen auf grauem Samt. Diese Idee hätte man ruhig früher in den Film einbauen können anstatt diese am Ende einzubringen.
Bei der Lüftung der Identität des Bösewichts, dessen Motiv natürlich wieder in einem einschneidenden Kindheitserlebnis liegt, können Michael Brandon als Roberto und besonders der Täter ihr schauspielerisches Talent zur Geltung kommen lassen.
In der letzten Szene des Film trifft den Täter dann wieder die gerechte Strafe: Er fährt mit einem Auto auf einen LKW auf, wobei er von der heruntergeklappten Ladeklappe enthauptet wird. Diese Szene ist beeindruckend in Superzeitlupe gedreht worden und bestens von Herrn Morricone musikalisch unterlegt worden. Allein dieser Zeitlupenscherbenregen ist ein Genuss. Wenn sich da mal nicht Richard Donner für seinen "Das Omen" bedient hat!
Diese Szene stellt dann auch die Verbindung zu den Albträumen von Roberto dar, der immer wieder von einer Enthauptung eines Mannes mit einem Schwert träumte.
Im Vergleich zu seinen Vorgängern "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" und "Die neunschwänzige Katze" ist dieser Streifen etwas unausgewogener, aber immer noch ein gelungenes und sehenswertes Argentowerk.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Film baldigst Beachtung erfährt und von einem DVD-Anbieter neu aufgelegt wird!