Der Schlagzeuger Roberto Tobias sieht sich von einem merkwürdigen Fremden verfolgt, den er eines Abends in einem verlassenen Theater zur Rede stellt und, als dieser plötzlich ein Messer zückt, in dem darauf folgenden Handgemenge ersticht. Ebenfalls anwesend ist eine maskierte Gestalt, die Fotos von der besagten Tat macht. Statt ihn zu erpressen, veranstaltet der Unbekannte allerdings lieber einen regelrechten Psycho-Terror mit Tobias, indem er nachts heimlich in dessen Wohnung einsteigt und dort die besagten Beweis-Fotos deponiert. Bald schon dreht Roberto ziemlich am Rad und fürchtet um sein Leben und das seiner Ehefrau Nina, weswegen er sich - weil er sich ja nicht an die Polizei wenden kann, ohne selbst wegen Mordes verhaftet zu werden - Hilfe bei seinem Penner-Kumpel Godfrey und einem schwulen Privat-Detektiv sucht, die ihm dabei helfen sollen, ein wenig Licht in die mysteriösen Ereignisse zu bringen... Mit "Vier Fliegen auf grauem Samt" beschließt Dario Argento nach "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" und "Die neunschwänzige Katze" seine inoffizielle Tier-Trilogie und taucht nun, nachdem die beiden Vorgänger, mal abgesehen von ein paar inszenatorischen Mätzchen, noch weitestgehend dem "herkömmlichen" Kriminal-Film verhaftet waren, auch inhaltlich tief in die Gefilde des Giallo-Sujets ab. Die sich relativ kompliziert und umständlich anlassende Geschichte beginnt da bereits ziemlich irritierend und wird im weiteren Verlauf auch hauptsächlich von den dargestellten Neurosen und einem Gefühl schwelenden Wahnsinns bestimmt, während die handelnden Figuren da so gut wie keine Ankerpunkte mehr bieten und auch kaum zur Identifikation taugen. Stattdessen gibt es die übliche Sex-und-Gewalt-Mischung inklusive (mehr oder weniger) spektakulären Morden und einer ziemlich schwachsinnigen Auflösung, die sich nicht einmal mehr um einen Hauch von Sinn und Logik müht, dafür aber den Täter schlussendlich minutenlang seine Motivation erklären lässt. Dadurch gerät "Vier Fliegen auf grauem Samt" vielleicht zur validen frühen Fingerübung Argentos... aber halt leider nicht zu einem guten Film, denn so langweilig wie hier kommen nicht mal seine späteren Thriller-Fehlschläge "The Card Player - Tödliche Pokerspiele" und "Giallo" daher, über die man ja eigentlich sonst kaum ein gutes Wort verlieren kann, und die nachfolgende Giallo-Großtat "Rosso - Die Farbe des Todes" ist da erst recht ein ganz anderes Kaliber. Tonal ziemlich unentschlossen mäandert das Ganze zudem immer wieder zwischen "ernstem" (na ja) Genre-Beitrag und völlig unpassend gesetzten humorigen Einschüben, fadem Klamauk und - dank tuckigem Detektiv - peinlichen Schwulen-Witzchen hin und her, die über die Jahre hinweg mal ganz schlecht gealtert sind. Bud Spencer in einer Nebenrolle als philosophierender Penner liefert da noch am ehesten 'nen Hinweis darauf, dass Argento hier eventuell sowas wie eine versteckte Komödie vorgeschwebt ist, auch wenn der hier innerhalb des Casts schauspielerisch tatsächlich noch am meisten glänzen kann, denn Hauptdarsteller Michael Brandon agiert dagegen wie 'ne Backsteinmauer. Untermalt wird die Angelegenheit primär ziemlich zeitgeistig von nervigem Jazz-Getrommel, kein Wunder, dass Ennio Morricone sich da mit dem Regisseur in die Haare gekriegt hatte, weil dieser seinen Score nicht verwenden wollte. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass sich "Vier Fliegen auf grauem Samt" über die Jahrzehnte hinweg nur deshalb eine relativ positive Reputation erarbeitet hat, weil er als einziger von Argentos Filmen ziemlich schwer erhältlich gewesen und auch hierzulande nach seinem Kino-Start in den frühen 70ern nie auf Video erschienen ist, weswegen man auf qualitativ minderwertige Bootlegs zurückgreifen musste, um ihn überhaupt mal sehen zu können... das dürfte sich jetzt, wo man ihn quasi auf jedem Streaming-Dienst nachgeschmissen bekommt, vermutlich ändern. Der merkwürdige Titel des Streifens bezieht sich übrigens auf die Szene, in der das auf die Netzhaut eingebrannte letzte Bild, das eines der Mordopfer vor seinem Tod gesehen hat, Hinweise auf den Täter liefern soll... was natürlich ziemlicher Quatsch ist, aber immerhin nicht so völlig beliebig erscheint wie bei "Die neunschwänzige Katze", in dem weder Katzen noch Peitschen vorkamen...
4/10