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Comicverfilmungen haben es nicht leicht. Auf der einen Seite muss man möglichst viele Zugeständnisse an diejenigen machen, die nicht vertraut sind mit den gezeichneten Storys, auf der Anderen Seite will man natürlich auch die eingefleischten Fans nicht vergraulen. Das dabei dann zumeist eine unausgegorene Mischung herauskommt, die weder die eine noch die andere Gruppe zufrieden stellt ist nicht selten. So verhält es sich auch beim Punisher des Jahres 2004.

Die Erwartungen waren hoch, wurden durch den Trailer noch weiter angehoben und verpuffen letztlich nach Betrachtung des fertigen Films nahezu komplett. Es hätte so schön werden können. Ein knallharter Actionfilm sollte es werden. Handgemachte Actionszenen, eine Hauptfigur die sich komplett zum unerbittlichen Racheengel entwickelt, blutig, zynisch, und very 80s sollte das alles sein. Letztlich ist es aber doch nur ein weiteres viel zu kompromissbereites Hochglanzfilmchen des neuen Jahrtausends und da dann auf Grund von inszenatorischen Mängeln und einem zu geringen Budget nicht mehr als überflüssiger Ausschuss der Hollywood Actionmaschinerie.

Das die Story nicht viel hergeben kann ist klar. Frank Castle hat gerade seinen letzten Job für die CIA abgeschlossen und gilt nach einem durchdachten Schachzug als Tod. Dumm nur, dass ausgerechnet bei diesem letzten Einsatz der Sohn von Howard Saint das zeitliche gesegnet hat. Da kann Castle zwar nur indirekt was dafür, dass hindert den Gangsterboss Castle aber nicht daran Castles gesamte Familie auszulöschen. Nach einer angemessenen Genesungspause macht sich Castle als Punisher auf um seine bittere Rache zu bekommen, dabei macht er vor nichts und niemandem halt….

…so sollte es zumindest sein. Leider haben wir hier dann auch schon das größte Problem des Films. Anstatt sich tödlich an den Bösen zu rächen, organisiert der Punisher hier eine nette Intrige nach der Anderen, verschenkt Saints Geld und ähnliches. Also ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Dolph Lundgren in der ebenfalls nicht überragenden, aber zumindest in seiner kompromisslosen Art den Comics sehr ähnlichen, Verfilmung zu solchen Methoden gegriffen hätte. So gibt es hier dann nicht einmal eine Handvoll Opfer bei Castles Rachefeldzug, bevor es zum viel zu kurzen Finale kommt.

This time it´s not revenge, this time it´s boring. Wenn der Film ein ordentliches Tempo vorlegen würde, sich konsequent auf den Showdown zu bewegen würde, keiner hätte einen Grund sich zu beschweren, aber hier zeigt sich die Unerfahrenheit von Regie-Neuling Jonathan Hensleigh . Der hat zwar reichlich Erfahrung als Drehbuchautor und da auch mehr als einmal beweisen, dass er im Actionbereich zu Hause ist, aber diese Fähigkeiten lassen sich eben nicht so einfach auf den Regie Stuhl übertragen. Dem Film, der mit 120 Minuten sichtlich zu lang ist, fehlt es immer wieder an Tempo, viele Nebenhandlungen hätte man besser am Schneidetisch gelassen und so manche Szene, die sich im fertigen Film wie Kaugummi zieht hätte mit einer Kürzung nicht nur den Film weiter gebracht sondern auch dafür gesorgt das man nicht immer wieder gnadenlos ausgebremst wird. So hätte man sich viele Szenen mit den Nachbarn des Punisher durchaus schenken können, da sie letztlich nirgends hinführen und auch für die Charakterisierung von Castle nicht nötig sind. Dafür hätte ich mir gewünscht das die Familie ausführlicher gezeigt wird. So verkommt das Massaker an Castles Familie zu Beginn zu einem reinen Scheibenschießen auf Statisten, eine Bindung zu den Personen die da reihenweise erschossen werden ist praktisch nicht vorhanden. So bleibt natürlich auch der anschließende Rachefeldzug für den Zuschauer nahezu unmotiviert. Wie man es besser macht hat erst vor kurzem Tony Scott mit „Man on fire“ gezeigt, da ist der „Amoklauf“ der Hauptperson nachvollziehbar, was nicht heißen soll das der Film nicht auch seine Schwächen hat.
Ein weiteres riesiges Manko bei diesem „neuen“ Punisher ist das fehlen von Actionszenen. Es gibt eine kurze Verfolgungsjagd, in der dann in wenigen Sekunden das Auto des Punishers zerlegt wird. Ärgerlich, da man davor noch geraume Zeit darauf verwendet hat zu zeigen wie Castle den Wagen umbaut und seinen Bedürfnissen anpasst. Das Massaker zu Beginn erinnert mit seinen wild durch die Luft fliegenden Stuntmen an mäßige B-Movies und wirklich blutig wird es (wie auch die gesamte Restdauer des Films) nicht. Ich habe sicherlich keinen Film erwartet, der nur so herumspritzt mit Kunstblut, aber unter einem harten Actionfilm erwarte ich dann doch ein wenig mehr. Überzeigend wenn auch nicht vom Actiongehalt her ist einzig ein sehr schön gefilmte Szene in der Jonathan Hensleigh sich sichtlich am Western Genre orientiert und eine herrliche Duell Szene heraufbeschwört.
Erst im viel zu kurzen Finale wird dann die Actionkeule ausgepackt und der Film zeigt was er hätte sein können. Hier stimmen dann Timing, Effekte und Actiongehalt. Aber auch diesen positiven Eindruck macht Jonathan Hensleigh schnell wieder zu nichte, wenn er dann doch noch die CGI Effekte auffährt und diese einfach nicht zum Stil des Films passen wollen und zu dem auch noch sehr billig aussehen.

Wer übrigens erwartet, hier endlich wieder einen Film aus dem Actionbereich sehen zu können, der ohne aufgesetzt wirkenden Humor auskommt, der sieht sich getäuscht. Immer wieder wird schon fast im Bereich des lupenreinen Slapstick gewildert. Absoluter Tiefpunkt sicherlich der Kampf zwischen dem Punisher und einem zwei Köpfe größeren Russen, in dessen Verlauf die beiden nicht nur durch zig Wände brechen und sich mit den unmöglichsten Gegenständen verkloppen, sondern wir auch noch eine peinliche Tanzeinlage der Nachbarn des Punisher gegen geschnitten bekommen. Absolut überflüssig.

Die Actionszenen sind wie bereits beschrieben, viel zu selten und wirken dann auch weder temporeich noch heben sie den Film aus der Reihe der B-Movie Einheitsware heraus. Erfreulich zwar das alles in handarbeit gemacht wurde, aber was nützt das, wenn man daraus keine stimmigen Film machen kann, und sich immer wieder in der eh schon nicht komplexen Story verheddert? Es gibt durchaus Passagen im Film die Spaß machen, die mitreißen, aber diese werden zu oft unterbrochen, wirken einfach zu zerrissen um letztlich einen guten Gesamteindruck zu hinterlassen.

Auch die Besetzungsliste offenbart Höhen und Tiefen. Sehr gut gewählt wurde Thomas Jane als Punisher. Er kann sowohl den liebenden Familienvater wie auch den gnadenlosen Rächer glaubhaft verkörpern und verkommt nicht zur reinen Kampfmaschine, auch wenn er sichtlich auftrainiert hat. Eine wirklich sehr gute Wahl. Weit weniger gut wurde hingegen John Travolta als Howard Saint gewählt. Das Travolta in den letzten Jahren immer wieder dazu neigt gnadenlos zu overacten ist ja bekannt aber hier wirkt es zumeist schon lächerlich wie er den Bad Guy raushängen lässt. Die Rolle scheint von ihm irgendwo in der Nähe seiner Vorstellung in „Passwort: Swordfish“ angesiedelt zu sein, aber er schafft zu keinem Zeitpunkt eine ähnliche Performance. Rebecca Romijn-Stamos verkommt zu einer besseren Statistin und Stichwortgeberin. Für die Handlung hat sie nichts bei zu tragen und die Szenen mit ihr wollen auch nicht so recht zur Grundstimmung passen. Weit besser gefällt da schon Will Patton als rechte Hand von Travolta, der mit seinem Aussehen in diesem Film auch jederzeit eine Rolle in einer „Simon&Simon“ Neuverfilmung bekommen könnte. Er hat sichtlich Spaß daran einen fiesen, sadistischen Charakter spielen zu könne, um so trauriger, das er praktisch keine direkte Konfrontation mit dem Punisher hat.

Wie zu Beginn geschrieben, es ist nicht so einfach mit den Comicverfilmungen, es müssen immer Kompromisse eingegangen werden, aber Jonathan Hensleigh ist nicht einmal das gelungen, er setzt sich mit seiner Inszenierung gnadenlos zwischen alle Stühle. Um als Verfilmung der Comics eine Daseinsberechtigung zu haben, ist der Film zu soft, verwässert die Figur des Punisher zu sehr, um als reiner No Brainer im Actiongenre zu gefallen, bietet er einfach zu wenig Action und die er zeigt ist lahm inszeniert. So ist der Film dann irgendwo doch überflüssig. Da ist von der Atmosphäre her und der Nähe zum Comic selbst die Lundgren Verfilmung vorzuziehen, die auch ihre eindeutigen Schwächen hat. Der 2004er Punisher ist nicht mehr als ein lahmer Actionfilm, der erhebliche Schwächen im Drehbuch und der Inszenierung aufweißt und so letztlich wohl nur bei Action-Allessehern Anklang finden dürfte., die ihre Erwartungen deutlich runterschrauben. Knappe 4 von 10 Punkten.

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