Und wieder einmal fand ein Comicheld seinen Weg auf die Leinwand. Diesmal erwischte es den Punisher, der Ende der 80er schon einmal verfilmt wurde, damals noch mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle.
Bei der Neuverfilmung tritt Thomas Jane als der Punisher gegen den Bösewicht Howard Saint an, welcher von John Travolta verkörpert wird.
Saints Sohn wird bei einem FBI Einsatz versehentlich getötet, was diesem und seiner Frau natürlich gar nicht passt. Frank Castle wird schnell zum Schuldigen erklärt und auf dem schnellsten Weg ein Killerkommando auf ihn und seine Familie angesetzt, welche sich gerade auf einem Familientreffen befinden. Als das Killerkommando eintritt erwischt es Franks Kind und seine Frau, sowie die gesamte Verwandtschaft, was diesem wiederum nicht passt, so dass er beschließt Howard Saint ordentlich zu "bestrafen". Storytechnisch ist klingt das ja nicht gerade Oscarverdächtig, aber hey, wir haben hier ja auch einen Actionfilm vor uns. Zudem wird hier die Geschichte tatsächlich nicht nur einfach dazu verwendet so viele Ballereien und Shootouts wie möglich zu zeigen. Es wird hier sogar auf die Figur des Frank Castle eingegangen, und das viel intensiver als das noch bei der Erstverfilmung mit Lungren der Fall war.
So sehen wir einen Einblick in das Leben des Frank Castle noch zu der Zeit bevor er der Punisher wurde. Er führt eine glückliche Ehe mit einer hübschen, jungen Frau, hat einen kleinen Sohn, sowie eine goldene Zukunft im Ausland in Planung. Das ganze ist zudem kombiniert mit dem Wunsch wieder mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Soweit sein Leben vor dem Anschlag....
Doch auch nach dem Massaker an seiner Familie wird Frank Castle nicht sofort zur gnadenlosen Killermaschine, sondern vergräbt sich in seinen Vorbereitungen für seinen Rachefeldzug und ersäuft seinen Frust in Spirituosen, während er nach außen hin kühl und distanziert zu seinem Umfeld bleibt. Ein Kompliment an dieser Stelle an Thomas Jane der seine Rolle überzeugend verkörpert und die Verzweiflung des Frank Castles, einem Mann der alles was im wichtig ist verloren hat, wirklich glaubhaft den Zuschauer vermitteln kann. Weniger gut schaut es mit der Darbietung von John Travolta aus. Anstelle sein wahres Leistungsvermögen abzurufen bietet er hier nur eine dürftige Leistung. Wer die Szene, in der er seinen toten Sohn identifizieren muss gesehen hat, wird wissen was ich meine. Entschuldigung, aber so emotionslos trauert doch keiner um seinen Sohn. Auch die restlichen Auftritte Travoltas wirken ziemlich unmotiviert.
Vielleicht wäre es besser gewesen unbekannten Darsteller mit niedrigerer Gage zu engagieren, so wäre wenigstens ein bißchen mehr Geld für die Umsetzung des Filmes vorhanden gewesen.
Auffällig an der Neuverfilmung des Punishers ist der relativ geringe Blutgehalt. Beim Familientreffen werden beispielsweise viele Personen im Off getötet, und auch so zeichnet sich der Punisher nicht durch blindes Drauflosballern aus. Letzteres würde ich aber gar nicht so negativ bewerten, da es trotzdem sehr interessant ist, den ausgeklügelten Rachefeldzug des Frank Castle mit zu verfolgen.
Während Lungrens Punisher "bloß" ein einfach gestrickter Zeitgenosse gewesen ist, der seine Gegner einfach stupide niederstreckte, nimmt sich Thomas Jane hingegen die Zeit um sein Gegenüber genau auszukundschaften, und ihm Stück für Stück alles zu nehmen, was diesem im Leben wichtig ist: Saints Geld geht verloren, sein zweiter Sohn stirbt ebenfalls, seinen besten Freund ermordet Saint höchstpersönlich weil er glaubt dieser habe ein Verhältnis zu seiner Frau, und seine Frau wirft Saint deswegen sogar höchstpersönlich direkt vor einen fahrenden Zug. Erst am Schluß erwischt es Saint selber, der zudem kurz vor seinem Tod auch noch erfahren muss, dass der Punisher die Affäre seiner Frau bloß inszeniert hatte.
Doch auch wenn die Neuverfilmung des Punishers weniger blutig als erhofft ausgefallen ist: Das was gezeigt wird immer noch sehr ordentlich. Der Höhepunkt ist hierbei sicherlich der sehr unterhaltsame, sogar etwas witzige Kampf gegen den "Russen", der von den zarten Klängen des Stücke "La Donna mobile" begleitet wird. Lol.
Ein weiterer Pluspunkt des Filmes liegt darin, dass er eine gewisse Ehrlichkeit vermittelt. So gibt es beispielsweise keinerlei unnötige CGI-Spielereien (bis auf den Schluß, aber da schaut es cool aus), und auch der Figur des Frank Castle sieht man zu jeder Zeit seine menschlichen Schwächen an (halbtot nach dem Kampf gegen den Russen, schwere Lebenskrise nach der Ermordung seiner Familie).
Wer jetzt nicht mit der Erwartung an den Film geht, dass er unbedingt wie die Erstverfilmung mit Lundgren sein muss, wird hier mit einem richtig coolen Actioner 2 Stunden lang unterhalten werden. Wer aber eine Neuauflage der Erstverfilmung erwartet wird auf jeden Fall enttäuscht werden.Bis auf die Tatsache das die Hauptfigur Frank Castle heißt, und dieser seine Familie bei einem Anschlag verloren hat (was Frank zum Punisher machte), haben beide Filme nichts miteinander zu tun. Die Lebensgeschichte des Punishers wird beidemale sehr unterschiedlich erzählt, auch sein "Umfeld" unterscheidet sich grundlegend. Selbst die Vorgehensweise der beiden Punisher ist, wie bereits erläutert, auch sehr unterschiedlich. Zudem merkt man der Erstverfilmung das Jahr in dem sie gedreht wurde deutlich an (Actionfilm aus den 80ern), während die Neuverfilmung an der ein oder anderen Stelle mehr an einen Western erinnert (was auch vom Regisseur so gewollt war). Damit haben wir im Grunde zwei völlig unterschiedliche Filme, die sich wahrlich kaum noch miteinander vergleichen lassen (auch wenn ich das eben versucht habe ;).
Von mir gibt auf jeden Fall die volle Punktzahl!