Review

Da ich schon ein richtig großer Fan des Orginals von 1989 mit Dolph Lundgren bin, kam ich um das Remake natürlich auch nicht drum herum. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, aber der Film ist deshalb keineswegs schlecht, das sei gleich mal vorher gesagt. Als Regiesseur wählte man Jonathan Hensleigh, welcher auch gleich das Drehbuch schrieb, war wahrscheinlich alles ein bisschen viel für den guten Mann, da es auch noch sein Regiedebut war. Mit Gale Ann Hurd hatte man eine zahlkräftige Produzentin hinter dem Film und konnt es auch ordentlich krachen lassen und vor allem Stars einkaufen. Das Orginal hielt man einfach für zu kurz und zu straight, deshalb wollte man hier einfach drum herum bringen, zum Beispiel den Tod von Castles Familie und sein leben danach. Leider hat man dafür einen anderen großen Fehler gemacht, man hat die Action etwas vernachlässigt.

Inhalt:
Frank Castle hat genug von seinem Undercoverjob beim FBI und will nun in ein ruhigeres Leben gehen. Doch bei seinem letzten Einsatz stirbt ein junger Kurier, welcher der Sohn des Unterweltbosses Howard Saint war. Dieser will sich gnadenlos rächen und kommt hinter Franks wahre Identität. Er lässt Franks komplette Familie abschlachten und denkt dass Frank auch tot wäre. Doch dieser erholt sich und will sich an Saint rächen. Er spielt seine Wiedersacher gegeneinander aus und schädigt Saints Organisation. Dieser wiederum entsannt einige Killer um Frank zu töten, doch das macht ihn nur noch wütender und er holt zum allerletzten Schlag aus.

Im Orginal blieb die Story um Franks Familie ganz im Hintergrund, hier wird sie gezeigt und auch Franks Leben nach dem Tod wird mehr durchleuchtet. Die Filmwelt wird ja gerade von Marvelkomicks überschüttet und wenn ich ehrlich bin kann ich Spiderman und Co nicht mehr sehen. Doch der Punisher ist anders, er ist kein Superheld, hat keine besonderen Fähigkeiten, keine Superkraft. Er ist einfach ein ganz normaler Mensch und hebt sich damit von den anderen Produktionen deutlich ab. Man wollte hier mit etwas mehr Gefühl herangehen, der Punisher sollte zwar ein Racheengel sein, aber trotzdem Emotionen zeigen und auch menschliche Schwächen. Leider hat man es damit auch ein bisschen zu gut gemeint, den gerade auf dem Actionsektor hätte ich mehr erwartet.

Während Dolph Lundgren sich als Frank 1989 noch Non Stop geprügelt und geschossen hat, gibt es hier nur noch vereinzelte Actionsequenzen zu finden. Auch der Anfang mit dem Deal und Franks letztem Job fällt sehr flach aus. Danach kommt die Ermordung der Familie, der Konflikt mit dem Russen und dem Killer Heck und dann auch schon wieder zu kurz geratene Showdown. Trotzdem ist die Action exzellent und ohne CGI und bietet einige Härten. Der Showdown erinnert leicht an das Orginal, nur dieser ist viel zu kurz, denn bevor sich Frank ein bisschen warmgeballert hat, ist der Spass auch schon wieder vorbei. Man hätte an Action wesentlich mehr bieten können und auch müssen. Aber das was man geboten bekommt ist immerhin perfekt.

Leider hatte der Film in Deutschland keinen leichten Stand. Schon im Kino lief nur eine gekürzte Fassung und der Film selber erhielt eine SPIO/JK Freigabe. Früher wurden Filme fast nur wegen derber Goreszenen indiziert, heute ist das häufigste Motiv das Anprangern von Selbstjustiz. Und diese übt Frank nun mal aus. Und es gibt auch viele Dialoge im Film, welche die Selbstjustiz dann rechtfertigen und genau da leuchten in Deutschland alle Warnlämpchen auf. Auch wenn der Film nicht übermäßig brutal ist, muss er dann entschärft werden, damit ja die Selbstjustiz nicht glorifziert wird.
Aber ungekürzt ist er ja auch recht hart anzusehen, wobei ich das Orginal wesentlich brutaler fand.

Die Atmosphäre ist eigentlich stets traurig gehalten und nur am Anfang bekommt man einige exotische Bilder von Puerto Rico gezeigt. Der Rest spielt in der Großstadt und Frank quatiert sich in einer sehr armen Gegend ein. Auch eine weitere Liebesgeschichte lässt man einfach fallen um Frank damit noch verbohrter und zurückgezogener darzustellen.
Auch der Score ist prächtig geworden und bietet viele verschiedene Melodien, passend zu allen Szenen. Von guter Actionmucke bis zu trauriger Klaviemusik.

Auch bei den Darstellern hat man sich richtig entschieden, den Tom Jane als Frank Castle ist eine gute Wahl. Er könnte wirklich auch in Zukunft noch einige Actionwerke abliefern, denn er macht sich in so einer harten und kernigen Rolle wirklich gut. Sogar das Zeigen von Emotionen funktioniert bei Tom Jane, ohne dass es lächerlich wirkt. Wirklich ein würdiger Lundgren Nachfolger.
Auch mit John Travolta als Howard Saint hat man sich einen bösen und charismatischen Gegenpart für den Punisher gesucht. Er verkörpert klasse den fiesen Unterweltboss, er hat einfach das gewisse Etwas und wirkt sehr kaltblütig.
Damit es noch etwas fürs Auge gibt, hat man Rebecca Romijn Stamos die Rolle der Joan gegeben. Auch sie ist sehr glaubwürdig und versucht Frank zu bekehren, doch hier wird das Klischee des Actionfilms nicht erfüllt und sie geht leer aus.
Will Patton spielt Quentin, die rechte Hand von Howard Saint, auch er gibt eine sehr gute Vorstellung, vielleicht sogar eine seiner Besten.
Überhaupt hat Hensleigh sehr viel Wert auf seine Charaktere gelegt und deshalb wirken alle sehr glaubwürdig und intensiv. Auch wenn er dadurch die Action vernachlässigt hat, aber bei seinen Darstellern hat er top Arbeit geleistet.

Fazit:
Zu wenig Action für diesen Film, diese ist zwar perfekt und hart aber auch zu kurzweilig. Leider dehnt man die Story auch zu weit aus und konzentriert sich nicht auf das Wesentliche. Dafür sind die Darsteller wirklich allererste Sahne und vor allem der Held kann punkten. Optik und Sound sind auch was geworden. Ich habe zwar mehr erwartet, bin aber auch so nicht sonderlich enttäuscht, ein bisschen vielleicht, aber trotzdem kann man das Remake immer noch als gelungen bezeichnen. Trotzdem ziehe ich das Orginal mit Lundgren vor.

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