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Ist Rache ein probates Mittel auf das Massaker an seiner gesamten Familie zu reagieren? Frank Castle sagt nein. Frank Castle sagt: "Nennt mich den Punisher". Das heißt zu deutsch der Bestrafer und genau das möchte Frank Castle: Bestrafen. Wenn ich einen kleinen Jungen bestrafen will, reicht es aus ihn den Teddy wegzunehmen oder seinen Lutscher. Wie jedoch bestrafe ich den mächtigen Boss einer Drogenmafia, Jemanden, der meine gesamte Familie vernichtet hat? Frank Castle weiß hierauf eine Antwort: Man zerstört seine Welt. Man zerstört das, an das ein Mann glaubt, der sonst an gar nichts mehr glaubt... Frank Castle (Tomas Jane) ist Undercover Agent beim FBI in Florida. Er gehört zu den Besten und man setzt ihn auf die ganz großen Fische an und so bekommt er es mit der Gefolgschaft von Howard Saint (John Travolta) zu tun. Bei einer gefakten Drogenübergabe sollen Saints Leute verhaftet werden. Zu Castles Auftritt gehört sein ebenso gefakter Tod um keine Rache befürchten zu müssen, sollte es doch sein letzter Einsatz sein, bevor er dann einen anderen Job in London annimmt. Nach seinem spektakulären Auftritt, soll es aber erstmal nach Puerto Rico gehen. Dort ist ein ganz großes Familientreffen angesagt. Es soll jedoch keine unbeschwerte Reise werden, ist doch eine Kleinigkeit beim letzten Auftrag grundlegend schief gelaufen: Robert Saint, Howard Saints Sohn, stirbt bei den Auftrag ungewollt. Der mächtige Howard Saint ist in tiefer Trauer um seinen Sohn und stellt Ermittlungen an. Ermittlungen, die ihm sagen, dass Castle lebt und dass er sich in Puerto Rico auf einem Familienfest befindet. Howard Saint will Castles Kopf, jedoch ist es seine schöne Frau Livia (Laura Harring), die den verteufelten Wunsch ausspricht: „Seine Familie - Seine ganze Familie". Es genügt ein Kopfnicken Saints zu seiner rechten Hand Quentin Glass (Will Patton), den Mann fürs Grobe, der einem Auftrag zum Familienmassaker entspricht. Quentin, sowohl Anwalt, Buchhalter, Sicherheitschef und Folterknecht des Saint-Clans in Personalunion und zudem enger Familienfreund ist kein Mann der viele Fragen stellt. Quentin funktioniert und Quentin ist jemand, der sich die Hände schmutzig macht.
Das Massaker, das wir dann auf Puerto Rico erleben, zeigt uns dann erstmals auf, dass wir es hier mit keinen gewöhnlichen Actionfilm zu tun haben. Regisseur Jonathan Hensleigh ist es hier gelungen die Massaker-Szene nahezu gespenstisch darzubieten, indem er uns das glückliche Bild einer Großfamilie zeigt. Es wird gegrillt, getrunken...seichte Musik vermittelt uns ein echtes Südsee-Feeling. Castle hat sich mit seinem Dad zu einen Plausch zurückgezogen...nein gekuschelt wird nicht...die ersten Schüsse fallen schon. Es ist so, als ob man einen schönen Traum hat, der plötzlich umkippt und sich zum Alptraum wandelt. Als Castles Frau Maria (Samantha Mathis) mit ihrem Sohn auf dem Bootssteg flüchtet und sie vom Geländewagen der Killer verfolgt werden, hat mich das sofort an Mad Max erinnert. Auch da flüchtete Mutter und Kind. Was dort der Highway war, ist hier der Bootssteg und das Motorrad ist hier der Geländewagen. Die Szenen sind beide gleich traumatisch - Und gleich tödlich. Castle kommt zu spät. Am Ort des Entsetzens bricht er in sich zusammen. Doch der Wagen der Killer ist nicht weg, er kommt zurück. Castle, bewaffnet mit einer Pump Gunn, Feuert was das Zeug hält - bis die Waffe leer ist um schlussendlich Aug in Aug dem vierköpfigen Terrorgespann, bestehend aus Quentin Glass, dem zweiten Saint-Sohn und zwei weiteren üblen Gestalten, gegenübersteht. Eine Begegnung, die er nicht überleben kann. Man schlägt ihn zusammen, man erschießt ihn, man übergießt ihn mit Benzin und man zündet ihn an - Man tötet Frank Castle nicht, man vernichtet ihn. „The Punisher" ist eine Comicverfilmung. Im Comic geht es um Superhelden. Die Verfilmung vom Punisher will keinen Superhelden darstellen, lehnt sich aber wage ans Vorbild an. Superhelden werden zu solchen, durch bestimmte Ereignisse, man bestrahlt sie oder sie werden wie bei Spiderman durch den Biss einer verseuchten Spinne zum Superhelden. Ein Beispiel außerhalb der Comics: Bei „Lord of the Rings" starb „Gandalf der Graue" zunächst um dann später weiser und mächtiger als „Gandalf der Weiße" wiederzukommen. Es sind also todesnahe Erlebnisse, die man überlebt, um dann später stärker als je zuvor wiederzukommen.

Castle hat seine Vernichtung physisch überlebt. Das Feuer löste eine Explosion aus, die ihn ins Meer schleuderte. Offiziell für Tod erklärt, startet er seinen Ein-Mann Feldzug gegen Howard Saint und fängt an, die Realitäten in Saints Imperium zu verdrehen und seine Welt ganz langsam von Innen wie von Außen zu vernichten.
Das dieses nicht sofort geschieht ist klar und es ist auch klar, dass Castle selbst ständig im Fokus von Saints Killern ist. Schlussendlich kommt es zum großen finalen Showdown in dem nichts fehlt.

Regiedebütant Jonathan Hensleigh, der zuvor Drehbücher für Hollywoodkracher wie „The Rock", „Armageddon" oder „Die Hard" schrieb, hat hier nichts ausgelassen. „The Punisher" ist ein Film, bei dem die Fetzen nur so fliegen, bei dem eine Explosion die Nächste Jagd, wobei es sich nicht um irgendwelche synthetischen Computergrafiken handelt, nein hier kann man das Benzin fast riechen, hier waren Pyrotechniker am werkeln. Genial das Duell, des aus dem Untergrund agierenden, militärisch bestens bewanderten Frank Castle gegen den übermächtig erscheinenden Gangsterboss Howard Saint, der mit all sein Geld am ende doch nicht verhindern kann, Castle im finalen Duell gegenüberzustehen. Hensleigh hat es geschafft, fast slapstickartige Gewaltszenen aneinanderzureichen um dann trotzdem auch glaubhaft die innere Leere Castles zu verdeutlichen. Bitterernst, wie einst Death Wish mit Charles Bronson, ist „The Punisher" nie. Am ende bleibt immer ein kleines Augenzwinkern, was uns dann immer wieder dran erinnert, dass wir eine Comicverfilmung sehen, die einfach viel zu Übertrieben dargestellt ist, um einen höheren Anspruch rechtfertigen zu wollen.
Interessant, wie Hensleigh sich immer wieder Anleihen ans Actionkino der siebziger und achtziger Jahre gönnt, oder sogar Szenen aus Sergio Leones große Spagettiwestern „Spiel mir das Lied vom Tod" oder „Zwei glorreiche Halunken" nachstellt, die jeder, der diese Filme gesehen hat, sofort erkennen wird, und zwar nicht mit dem Eindruck etwas Geklautes gesehen zu haben, sondern eine Hommage.Schauspielerisch war „The Punisher" eine Meisterleistung. Ich könnte hier etliche mir zuvor unbekannte Charaktere aufzählen. Um irgendwann zum Ende zu kommen, will ich mich auf drei beschränken. Der bitterböse, sadistische, zynische Quentin Glass wurde von Will Patton mit einer unglaublichen Intensität gespielt. John Travolta glänzte als eiskalter Gangsterboss Howard Saint und lieferte eine für ihn gewohnt souveräne Leistung ab. Besonders hervorheben muss man aber Thomas Jane in seine Rolle als Frank Castle. Er erinnerte mich sofort an den jungen Mel Gibson in „Mad Max" und auch seine Rolle war ja eine ähnliche. Jane verkörpert die Rolle des wortkargen, trockenhumorigen Actionhelden genauso glaubhaft wie es vor ihn schon Clint Eastwood, Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis getan haben und ich bin sicher, dass wir einen Thomas Jane als Actionhelden nicht nur im zweiten Teil vom Punischer wieder sehen werden.

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