Review

Will man Filme mit Scientology-Mitgliedern aus Pietätsgründen meiden, so scheinen die Möglichkeiten mehr als begrenzt. Von Juliette Lewis über Will Smith bis hin zum unsäglichsten aller Grinsebacken-Darsteller, Tom Cruise, reicht die illustre Garde derer die L. Ron Hubbard´s Glauben verfallen sind. Statt dadurch jedoch eine Blockbuster-Rolle á la "Mission Impossible 3" zu ergattern, die auch die letzte erfolglose Jungschauspielerin gefügig zu machen scheint, hat es beim guten Herr Travolta nur noch für die Rolle des bad guys in der Comic-Verfilmung des Marvel-Hits "The Punisher" gereicht. Schade eigentlich, denkt man an seine Paraderollen in "Pulp Fiction" und "Kuck mal wer da spricht" (Obacht! Ironie!). Tja, "Battlefield Earth" hat seine Spuren hinterlassen.

Doch verheißt die Rolle des bösen Gegenspielers noch lange nichts schlechtes. Viele Charakterdarsteller schwören ja auf eben diesen Part. Wichtig ist der Film, und da war ich dann doch ein wenig enttäuscht. Dabei fing alles so gut an.

Wider meinen Erwartungen (wer möchte, kann stattdessen auch das Wort Befürchtungen einsetzen) erwartet den Zuschauer bei "The Punisher" keine x-te Wiederholung des Superhelden-themas. Obwohl mir die Vorlage aus grauer Vorzeit bekannt war, hatte ich doch mit einem typischen ich-hab-Superkräfte-und nutze-sie-für-das-gute - Klischee gerechnet. Doch die Überraschung war groß: (für alle die die Comics nicht kennen) Der Held hat keine Superkräfte ! Er trägt auch keinen jämmerlichen Strampelanzug (na gut - den trägt er in den Comics) - ich habe zum Beispiel nie verstanden, warum Daredevil ausgerechnet im Teufelskostüm rumturnt ; müßten sein Zeichen nicht drei Punkte statt eines roten Gewandes sein !? Die Rache-Story hat Potential, auch wenn sie das Genre nicht gerade neu erfindet. Mit dem Film Noir hat das ganze jedoch nur insofern zu tun, als das die Probleme des Protagonisten mit seiner Frau anfangen - jedoch im Gegensatz zum "Malteser Falken", "Chinatown" oder wenn man will auch "Casablanca", mit deren Tod. Irgendwie gefällt mir jedoch diese ganze Mafia-Sache, und der Kampf Mann gegen Armee, und vor allem der konsequente Verzicht auf Computereffekte (obwohl man ja nie genau weiß was da in der Post-Production noch verändert wurde) ...

Was einem jedoch diesen Film spätestens ab der Hälfte verdrießlich macht, ist das nicht vorhanden sein von eigentlich allem das in einem guten Film vorhanden sein sollten. Die Ausarbeitung der Charaktere ist dürftig, wenn überhaupt vorhanden. Den Schauspielern müssen wohl die diesbezüglichen Schwächen des Drehbuchs hinlänglich bekannt gewesen sein, jedenfalls halten sie sich stark mit jedweger Darstellerischen Leistung zurück. Und alle fünf Minuten hat man Aufgrund der zu arg gestrafften Handlung, und der folglichen Lücken derselben, das Gefühl irgendwas verpasst zu haben. Das alles macht den Film nicht wirklich schlecht - aber beliebig und austauschbar, und ich finde das ist fast noch schlimmer. Eigentlich schade, hat man doch die ganze Zeit das Gefühl das man aus diesem Film was hätte machen können (leider fehlt mir hier der Vergleich zum 80er Jahre "Punisher" mit Dolph Lundgren, allerdings fällt es mir schwer zu glauben, dass dieser besser ist). So müssen Fans der Vorlage wohl weitere 16 Jahre warten, bis mit einem neuen Versuch auch die Hoffnung auf eine gute Verfilmung des Stoffs zurückkommt.

PS: Liebe Filmproduzenten, ich weiß ihr steht darauf am Ende einer tollen Battle-Szene eine Totale des brennenden Superhelden-Logos zu zeigen - aber bitte lasst es, ihr werdet das nie wieder in der gleichen Qualität und Atmosphäre hinbekommen, in der es anno dazumal "The Crow" geschafft hat - das heißt, evtl. klappts wenn auch ihr euern Hauptdarsteller aus Versehen um die Ecke bringt.

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