Review

Nachdem Dolph Lundgren bereits 1989 Verbrechersyndikate
aufräumte, versucht sich 2004 Thomas Jane daran, die Figur des Punisher zu
verkörpern - diesmal sogar mit dem allseits bekannten Totenkopf-Logo, das extra
für den Film (wenn auch nicht signifikant) aufpoliert wurde. Jonathan
Hensleigh, der bereits Drehbücher zu „Jumanji“, "Stirb langsam – Jetzt
erst recht“ und „Armageddon“ verfasst hat, versucht sich zum ersten Mal als
Regisseur und macht sich an ein Quasi-Prequel zu erwähntem Endachtziger
Actionfilm jener Antihelden-Comicfigur.
Wo 1989 das Ende der Castle-Familie in Rückblenden
angedeutet wurde, rollt man 2004 das Geschehen von vorne auf und erläutert, wie
es zur Entstehung des Punishers und seinem ersten großen Einsatz kam: der Rache
an seinen Peinigern, den Henkern von Frau, Kind und Familie.
Hierbei geht es ähnlich rüde wie schon im Vorgänger zu,
wobei Jane es mit deutlich weniger Opponenten zu tun hat. Babyblau streicht
Regisseur Jonathan Hensleigh die Wände dennoch nicht, denn kompromisslos, fies,
fast sadistisch geht der Punisher auch 2004 um. Es wird gefoltert, erstochen,
Frauen und Kinder sterben, Menschen brennen und am Ende färbt sich das Bild
erstaunlich rot. Nicht umsonst wurde der Film in seiner Originalfassung
hierzulande indiziert, wobei das Thema Selbstjustiz wohl die tragendste Rolle
spielt. Castle ergeht es wie schon Dustin Hoffman in „Wer Gewalt sät“: er nimmt
das Gesetz in die eigene Hand, weil er sich keine Unterstützung vonseiten des
Staates mehr erwartet. Dieser Zug wird zwar hinterfragt, doch Castles Meinung
dazu macht klar: dieser Film ist keiner mit ethischen Aussagen, dies ist ein
Actionfilm, ein Drama, in dem Blut, Schweiß und Tränen fließen.
Dabei gibt Thomas Jane eine passable bis sehr gute Figur ab.
Die Seite des dunklen Rächers meistert er ohne Abstriche, denn körperlich
bringt er den trainierten und dennoch agilen Ex-Agenten gut rüber, der als
einziger Superheld keine Spezialkräfte inne hat. Lediglich ein Fuhrpark aus
Waffen und seine Ausbildung in allen Bereichung der Tötung stehen ihm zur
Verfügung. Die emotionale Seite gelingt Jane ähnlich gut, wobei diese weit im
Hintergrund steht.
John Travolta als Bösewicht Howard Saint zuzusehen, macht
einfach Spaß, denn ähnlich wie schon in „Password: Swordfish“ bringt er den Bad
Guy mit Stil und reichlich Zynismus über die Bühne. Dabei gibt er dem Ganzen
eine persönliche Note, wenn er z.B. die Tatsache hinterfragt, weswegen Castle
noch nicht unter den Toten weilt. Phantastisch, diesen „Schlussfolgerungen“
zuzuhören!
Die restlichen Nebencharaktere sind, bis auf einige
Ausnahmen, mehr oder minder Hollywood-Standard, den man mittlerweile erwarten
kann. Nichts Herausragendes, doch getrübt wird der Spaß ebenso wenig.
Lustig wird es, wenn Kevin Nash dem Film einen
5-Minuten-Beitrag gibt, ohne ein Wort zu sprechen. Ist aber auch nicht nötig,
denn manchmal sprechen Fäuste doch mehr als tausend Worte und der Kampf mit dem
Wrestler zählt zu einem der besten, die ich je gesehen habe. Ohne einen
computergenerierten Spezialeffekt wird hier ein Fest an Schlagabtäuschen
geliefert, an dem sich jeder Mann ergötzen wird.
Einzig die Ersatzfamilie in Gestalt der lustigen Drei stört
den Genuss des Filmes, da sie das Geschehen unnötig auflockern und dem Film
eine komödiantische Note geben, die er nicht gebraucht hätte.
Die Abwesenheit der CGI-Technik trifft, bis auf eine
Ausnahme, auch auf den Rest des Filmes zu, der sich überraschend oft auf alte
Weisheiten verlässt und sich sogar nicht scheut, visuell aus Western zu
zitieren. Einzig die wirklich guten Oneliner haben mir gefehlt. Es waren
einfach zu wenige an der Zahl und keiner von diesen blieb hängen. Vielleicht
bin ich zu Schwarzenegger-verwöhnt, im Nachhinein tut es aber nichts zur Sache,
da eine Rachestory nicht unnötig zuge“cool“t werden sollte.
Zeitlupeneffekte sollte man also auch nicht erwarten.

Alles in allem muss ich sagen, dass es die Neuauflage des
Punishers geschafft hat, mich des Öfteren vor den Fernseher zu klemmen, um dem
actiongetriebenen Dramas zu folgen. Die Kämpfe machen einfach Spaß, die
Hauptdarsteller liefern eine überzeugende Darstellung und langweilig wird der
Film nur an wenigen Stellen.
Somit komme ich zu einer 8/10.

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