Review

Diese Filmkritik bezieht sich auf die unzensierte US-R-Rated-Fassung. Über die Umsetzung der Comicvorlagen und die deutsche Kinofassung kann ich leider nicht urteilen, da sie mir unbekannt sind.

Was im Making of und den Trailern noch vielversprechend wirkte, reißt im fertigen Film bis auf das Finale leider kaum noch jemanden vom Hocker.
Story: Ex-Elite-Soldat und FBI-Agent Frank Castle will sich nach England an den Schreibtisch versetzen lassen. Während seines letzten Undercover-Einsatzes wird jedoch Howard Saints Sohn getötet, dessen Frau fortan auf Rache sinnt, wovon Castle aber nichts weiß. Bei einem Familienfest wird dann sowohl seine ganze Familie als auch (scheinbar) er selbst getötet, doch ein Fischer findet und rettet ihn. Als er wieder bei Kräften ist, zieht er in eine heruntergekommene Kaschemme, um seinen Rachefeldzug vorzubereiten. Dabei macht er die Bekanntschaft von diversen gescheiterten Existenzen, die ihn aber auch nicht davon abhalten, Howard Saint und seine Privatarmee in die ewigen Jagdgründe zu schicken.

Sicherlich sollte man von der Rache-Story nicht zuviel erwarten, da sowohl Protagonist als auch Antagonist und Organisation und Motivation austauschbar sind. Zeichnete sich das Original mit dem hünenhaften Kampftank Dolph Lundgren noch durch eine trostlose Atmosphäre und krasse, völlig überzeichnete Gewalt aus, so wurde beides für das Remake erheblich weichgespült, dazu zählt auch die Hauptfigur. Castle ist jetzt verwundbar, muss einiges einstecken, teilt zwar auch aus, aber der Bodycount hält sich stark in Grenzen, höchstens gegen Ende merkt man, dass der Film einer Comic-Vorlage entspringt. Spannung oder Wendungen sucht man vergebens, so dass der Streifen bis zum Finale furioso so vor sich hinplätschert, nur ab und zu unterbrochen von kurzen Actionsequenzen.
Die Nebencharaktere können größtenteils überzeugen, wenngleich sie in den Verlauf der Geschichte nicht entscheidend eingreifen. * SPOILER * Das ist wohl auch die größte Schwäche des Films, dass alles auf den unvermeidlichen Showdown hinausläuft, der allerdings auch nur zum WARM-UP für bereits beschlossene Sequels verkommt, wie man am Ende schmerzlich feststellen muss. Denn Castle wird in diesem Film noch gar nicht zum Punisher, er tötet nur Howard Saint (dessen Name wohl als paradoxer Tag-Name zu verstehen ist) und seine Schergen bzw. lässt liquidieren, indem er Saint auf die falsche Fährte lockt.

Die Action kann durchweg begeistern, zum Glück wurde auf CGI verzichtet, so dass sich Old-School-Action-Fans auf harte Prügeleien ohne Martial Arts-Schnickschnack, nervöses Rumgezappel oder meterhohe artistische Einlagen freuen dürfen. Explosionen und Schießereien mit ein paar Einschüssen gibt es auch, allerdings darf man nicht zuviel erwarten, die Action ist rar gesät, zwar gut verteilt, aber insgesamt quantitativ enttäuschend, das Gros des Budgets wurde wohl von Travoltas Gage gefressen.
Die besten Szenen werden bereits im Trailer verheizt, also am besten NICHT DIE TRAILER ANSEHEN bzw., falls schon erfolgt, nicht nochmal. Der Waffeneinsatz reicht von diversen Hieb- und Stichwerkzeugen über getunte Pistolen, Bogen, MPs (Steyr TMP, MP5*) und (Schrot-) Flinten bis zum C4, Granaten und natürlich Sturmgewehren (M4 mit Granatwerfer).
Die Hommagen an andere Actionfilme und Western fand ich unnötig, aber auch nicht völlig misslungen.
Den Gewaltfaktor muss man in der Tat als hoch bewerten, das Massaker an Castles Familie ist besonders brutal geraten, insgesamt reicht das Spektrum von Erstechen, Erschießen, Durchspießen, Kopfspalten, Verbrutzeln, Verbrennen, Überfahren bis hin zu Folter.
Trotzdem ist die Kürzung der deutschen Fassung, sofern der Eintrag in der OFDB den Tatsachen entspricht, eine bodenlose Frechheit. Es scheint sich der Albtraum aller Filmfans zu realisieren, dass Filme in Deutschland im Kino zensiert anlaufen, um dann später auf DVD -groß angekündigt und angepriesen- als ungeschnittene Fassung noch mehr Geld in die Kassen zu spülen -siehe z.B. auch Bad Boys II, Troja, Bulletproof Monk oder Daredevil -ganz großer Verrat am ehrlichen Kunden, was dazu führen wird, dass manche Menschen nicht mehr ins Kino gehen werden, sondern sich gleich die Originalfassung zu Gemüte führen oder auf die ungeschnittene DVD-Veröffentlichung warten.
Heute wurde ein Eintrag in der OFDB vorgenommen, der besagte, dass es sich um staatliche Zensur (die, behaupte ich, in diesem Fall illegal ist und gegen das Grundgesetz verstößt, weil sie nicht mit Jugendschutz begründet werden kann, denn die Freigabe KJ würde Jugendliche ja als Zuschauer ausschließen) handelt, meine Kritik richtet sich daher an Staat (wegen selektiver Sanktionierung, andere menschenverachtende Filme wie "Reservoir Dogs" kommen ungeschoren davon) und Filmwirtschaft, da es genauso wie nach einer kommerziellen Kürzung zu einer ungeschnittenen DVD-Veröffentlichung (zensierte 18er/KJ und unzensierte ungeprüfte oder SPIO/JK-freigegebene) kommen wird, für die man garantiert tiefer in Tasche greifen werden muss als für Standard-Releases.

Trotz allem, auf ein (hoffentlich actionreicheres) Sequel freue ich mich jetzt schon!

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