Tampa,Florida: Bei einem missglückten Waffendeal wird Robert Saint, der Sohn des Unterweltbosses Howard Saint (alles andere als "heilig": John Travolta), getötet. Saint gibt dem Undercovercop Frank Castle (Thomas Jane) die Schuld dafür und lässt in Puerto Rico Castle´s Familie, vor allem auch seinen kleinen Sohn Will und seine Frau Maria umbringen. Castle überlebt schwer verletzt und kehrt nach Tampa zurück. Dort will er Saint für seine Taten bestrafen und schmiedet einen perfiden Plan, um Saint und seine Leute gegeneinander auszuspielen...
Nach den teilweise vernichtenden Kritiken im Vorfeld der Veröffentlichung hatte ich nicht besonders viel erwartet. Aber der Film hat mich doch positiv überrascht; er unterhält ganz ordentlich ohne ein Highlight am Actionfirmament zu sein, dann dafür ist er nicht spektakulär genug.
Bei der Betrachtung des Films fallen immer wieder Anspielungen auf andere Filme auf. So könnte der erste Killer, der im Auftrage Saint´s den Punisher nach dessen Rückkehr beseitigen soll, direkt einem Robert-Rodriguez-Streifen (wie "El Mariachi" oder "Desperado") entsprungen sein. Bevor er sich anschickt Castle zu töten spielt er ihm noch ein Lied auf der Gitarre vor. Der zweite Killer, der Russe, erinnert an eine Mischung aus dem "Beißer" in den alten Bond-Filmen und Dolph Lundgren (dem Frank Castle in der ersten Punisher-Verfilmung aus dem Jahre 1989). Die Prügelei zwischen Castle und dem Russen beinhaltet das Durchbrechen von Wänden mit dem Körper des Gegners in bester Terminator-Manier. Auch einige Sprüche stammen aus anderen Filmen- so sind die Worte "Du kommst mit ´nem Messer zu ´ner Schiesserei" dem Film "The Untouchables" mit Kevin Costner entnommen.
Einige Szenen fand ich dagegen etwas unlogisch (aber müssen Actionfilme logisch sein ?): so überlebt der Punisher den Anschlag von Saint´s treuem Handlanger Quentin. Obwohl ihm in die Brust geschossen wird und er sich vorallem im Zentrum einer Explosion befindet, die ihn meterweit ins Meer schleudert, sieht man ihn in der nächsten Szene im seichten Wasser in Strandnähe herumtorkeln- wie konnte er dies überleben ? Ausserdem fragt man sich, wieso Saint mit seinen internationalen Kontakten zwar herausfinden kann, dass Boris Krook, der der Einfädler des Waffendeals vom Anfang des Filmes ist, bei dem Saint´s Sohn Robert zu Tode kommt, in Wahrheit Frank Castle ist, aber nicht in der Lage ist, die Wohnadresse des Punishers in Tampa herauszufinden, obwohl dieser in einem normalen Mietshaus wohnt. Darüber hinaus finde ich komisch, dass Quentin den Nachbarn des Punishers - Dave - zwar foltert, indem er ihm seine Piercing-Ringe von der Haut zieht um herauszufinden, wo der Punisher sich aufhält (was aber in der Version, die ich sah, im Off geschieht !), ihn aber nachher leben lässt, obwohl er die gewünschte Information nicht erhalten hat und ihn als eventuellen Zeugen fürchten muss. Ist dies ein Zugeständnis an das Massenpublikum, weil ein Mord an einem der Sympathieträger des Films (der Punisher selbst ist nur bedingt Sympathieträger !) zu hart gewesen wäre oder ist Quentin doch menschlicher als es scheint?
Besonders krankt der Film aber daran, dass die Atmosphäre bei weitem nicht so düster ist, wie es der Filmstoff hergegeben hätte. Das liegt in erster Linie daran, dass der Punisher sich unmittelbar nach seiner Rückkehr der Öffentlichkeit zu erkennen gibt und jeder weiss, dass er nicht tot ist. Er wohnt in einem gewöhnlichen Mietshaus und freundet sich dort langsam mit den Nachbarn an (vorallem mit der hübschen Nachbarin Joan, die einen Beschützer sucht). Dies mag für die Charakterzeichnung des Punishers nicht unerheblich sein, zerstört aber viel von der Atmosphäre. In dieser Beziehung hat mir die erste Punisher-Verfilmung besser gefallen, denn hier lebt der Punisher unerkannt in der Kanalisation und führt von dort seinen brutalen Rachefeldzug aus.
Überhaupt geht der Punisher in der Neuverfilmung sehr viel subtiler zur Sache: während Dolph Lundgren sofort schiesst und dann Fragen stellt, bemüht sich der Punisher nun Saint und seine Leute gegeneinander auszuspielen. Er gaukelt z.B. Saint vor, seine Frau Lydia habe ein Verhältnis mit seinem Freund Quentin und verbrennt Geld der Torro-Brüder, die mit Saint illegale Geschäfte machen und den Unruhestifter Castle verständlicherweise tot sehen möchten. Erst am Ende des Films gibt es dann richtiges Punishment.
Insgesamt ein Film, den man sehen kann aber nicht muss. Wer die erste Punisher-Verfilmung kennt, dem sei gesagt, dass die beiden Filme sich in ihrer Machart doch ziemlich unterscheiden.