Extended Cut
Als Marvel noch hart werden konnte
Aus einer Zeit als das MCU noch nichtmal ein feuchter Gedanke im Kopf von Kevin Feige und Co. war und „Marvelfilme“ noch ausgesprochen vielfältig und auch düster werden konnten, wie zuvor schon „Blade“ eindrucksvoll zeigen durfte, kam „The Punisher“ mit u.a. Thomas Jane und John Travolta. Die zweite Verfilmung nach dem polarisierenden, sehr vorlagenuntreuen Dolph Lundgren-Banger aus den 80ern. Eine glasklare, dramatische und erstaunlich blutverschmierte Originstory des Punishers, der sich auf einen unaufhaltsamen Rachefeldzug begibt, nachdem seine komplette Familie von einer einflussreichen Gangsterfamilie niedergestreckt wurde…
Wenn ihr Frieden wollt, macht euch bereit für Krieg
Alle vier bisher verfilmten bzw. ins TV gebrachten Versionen des Punishers haben ordentlich etwas auf der Habenseite. Sehr unterschiedlich, sehr interessant die ganze „Reihe“. Keine ist perfekt, die Mischung aus allen wäre das wohl, aber das Leben als Mann, dessen gesamte Familie massakriert wurde, ist nunmal kein Wunschkonzert. Am Lundgren-Vehikel mag ich seine 80s-Käsigkeit, an der 2008er-Version seine ungeniert-comicgetreue Splattrigkeit und an der MCU-Version Bernthal, die Zeit die man sich nimmt und hat plus selbstredend die gewohnt hohen Production Values. Und an diesem Versuch hier aus einer noch überdeutlich anderen Marvel-Zeit? Thomas Jane überraschend. Den fast etwas an den ersten „Mad Max“ erinnernden emotionalen Kern. Die handgemachte, klassische Action alter Schule. Und den ungewöhnlich hart im Westerngenre befindlichen Ohrwurmscore. Travolta hat ebenfalls echt Spass am Bösesein. Und das reicht mir dann eben für einen gelungenen Heimkinoabend mit einem Marvel, wie es heutzutage null mehr denkbar zu sein scheint. Am von mir das erste Mal goutierten „Extended Cut“ mag ich die (halb-)animierte Sequenz über Frank Castles kriegerischeren Tage im Wüstensand, dafür weniger die noch weiter ausgedehnten Nebenhandlungen. Als grundsätzlicher Fan des Films trotzdem eine interessante Dreingabe. Und bei Werken, die man mag, beschwert man sich über „Mehr“ sicher nicht. Und ja, das tue ich bei „The Punisher“ (2004) ganz schamlos. Selbst wenn er etwas in Guilty Pleasure-Gewässern schwimmt. Aber gerade wenn man sich viele seiner Comicverfilmungskollegen a la „League of the Extraordinary Gentlemen“ aus dieser Ära anguckt, spielt das hier doch in einer ganz anderen Liga, wird den Vorlagen (fast) gerecht und ist eigenständig, praktisch, bitter und hart genug. Und den spektakulären Fight mit dem Russen im rot-weißen Karnevalsshirt will ich nochmal hervorheben - yes, das kracht!
Fazit: Ein bierseliges Brett aus Blei, Blut, Bedrohlichkeit und anderen Ballermännern… Höllisch unterschätzt zu seiner Releasezeit und nun umso mehr geschätzt!