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Das Regiedebüt von Sergio Stivaletti war wohl eher ein wenig aufgezwungen, denn der Mann der sich in den Achtzigern als kreativer Kopf für Spezialeffekte herauskristallisierte, trat mit Verzögerung das Vermächtnis von Lucio Fulci an, der ein Jahr zuvor an Diabetes starb.
Und weil er speziell Dario Argento einige ordentliche Dienste leistete, fungierte der gleich als Produzent. Folgerichtig sind viele Einflüsse erkennbar, eine eigene Handschrift jedoch kaum.

Silvester 1900 in Paris: Eine Familie wird bestialisch ermordet, nur Sonia (Romina Mondello) überlebt und findet 12 Jahre später eine Anstellung in Rom. Boris (Robert Hossein) stellt die junge Dame als Kostümdesignerin für sein Wachsfigurenkabinett ein, während Journalist Andrea (Riccardo Serventi Longhi) an einer Mordserie dran ist…

Das Grundprinzip der Geschichte ist ein wenig Frankensteins Wachs-Labor, gepaart mit etwas Exploitation und Krimi. Stivaletti präsentiert früh entblößte Oberweiten, indem die Erzählung in einem Bordell einsteigt. Hier nimmt ein Freier eine Wette an, wonach er eine Nacht im nahe gelegenen Wachsfigurenkabinett verbringen soll. Der Betrachter erhält schon mal einen Eindruck von der versierten Maske und der kreativen Ausstattung, die Kostüme fallen zeitgemäß aus, nur die Frisuren bieten einen Querschnitt von 1920 bis 1997.

Vermeintliche Antagonisten gibt es mit Boris, zwei entstellten Helfern und einer ominösen Figur im Schwarzmantel mit Krallenhand genug, nur ein Held kristallisiert sich nicht so recht heraus. Der Schmierenjournalist disqualifiziert sich bereits in der Vorrunde aufgrund plumper Annäherungsversuche, wobei Sonia zwar eine Menge Anmut einfließen lässt, dadurch auch gleichzeitig zum potentiellen finalen Opfer degradiert wird. Ein ermittelnder Polizist, eine blinde Tante und ein umher schleichender alter Mann wurden von den vier Drehbuchschreibern ebenfalls untergebracht, nur wirkt deren partielles Erscheinen oft wie Stückwerk und entsprechende kleine Wendungen kommen recht holprig daher.

Bleiben schließlich einige Morde und etwas Body Horror und in dem Bereich ist Stivaletti merklich in seinem Element. Zwar fallen die Ableben nicht übermäßig blutig aus, doch die handgemachten Gewalteinlagen überzeugen ebenso wie das Präparieren neuer Exponate.
Stilistisch wird versucht, mit Nahaufnahmen von Augen und Farbspielen im Schattenbereichen den erkennbaren Vorbildern gerecht zu werden, was in einigen Fällen durchaus gelungen ist und ab und an eine wohlige Gruselatmosphäre erzeugt.

Deutlichstes Manko bleibt die weitgehend überraschungsfreie Erzählung, die nicht immer wie aus einem Guss wirkt und sich teilweise zu sehr in Nebensächlichkeiten verstrickt. Auch die Darsteller performen bis auf Robert Hossein eher unterdurchschnittlich, während der Score hintergründig bleibt und kein markantes Thema beizusteuern weiß.
Das von undankbaren Umständen geprägte Regiedebüt setzt auf grundsolide Effekte und punktet über weite Teile mit einer angenehm altmodischen Atmosphäre, so richtig spannend geht es allerdings zu keiner Zeit zu.
Knapp
6 von 10

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