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Mit Wax Mask erschien ein italienischer Horrorfilm, dessen Entstehungsgeschichte beinahe interessanter ist als der Film selbst. Ursprünglich sollte Lucio Fulci mit diesem Projekt sein großes Comeback feiern. Doch Fulci verstarb kurz vor Beginn der Dreharbeiten. Produzent Dario Argento entschied sich daraufhin, den bekannten Spezialeffektkünstler Sergio Stivaletti auf den Regiestuhl zu setzen. Das Drehbuch, das Fulci gemeinsam mit Daniele Stroppa entwickelt hatte, orientiert sich lose an der Kurzgeschichte The Waxwork Museum von Gaston Leroux sowie an klassischen Horrorfilmen über Wachsfigurenkabinette.

Die Geschichte spielt im Paris des frühen 20. Jahrhunderts. Nach einem brutalen Mord an ihren Eltern wächst die junge Sonia als Waise auf. Jahre später arbeitet sie in einem Wachsfigurenkabinett und stößt dabei auf einen mysteriösen Mordfall, der ihrem eigenen Schicksal ähnelt. Während Sonia immer tiefer in die Geheimnisse des Museums eindringt, häufen sich grausame Vorfälle – und schon bald wird klar, dass hinter den realistisch wirkenden Wachsfiguren ein schreckliches Geheimnis steckt.

Thematisch bleibt der Film allerdings nur bedingt spannend. Relativ früh lässt sich erahnen, welche Wendungen die Handlung nehmen wird, wodurch ein Teil der Spannung verloren geht. Dafür punktet Wax Mask mit seiner Atmosphäre: Die Kulissen und Kostüme sind aufwendig gestaltet und erzeugen eine angenehm altmodische, fast märchenhafte Horrorästhetik. Auch Stivaletti beweist als Regisseur ein gutes Gespür für Bildkomposition und Stil.

Problematisch ist hingegen das Drehbuch, das auffällig viele Fragen offen lässt. Besonders rund um das Labor und den Prozess der Herstellung der Wachsfiguren bleibt der Zuschauer weitgehend im Dunkeln. Die praktischen Effekte sind solide und durchaus sehenswert, erreichen jedoch nicht ganz die Intensität, die man vielleicht von einem Fulci-Projekt erwartet hätte. Deutlich schwächer fallen die eingesetzten Computereffekte aus, die bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung etwas billig wirken und besser ganz weggelassen worden wären.

Wax Mask ein ordentlicher Vertreter des italienischen Spät-Horrors der 1990er Jahre. An die großen Klassiker des Genres reicht der Film zwar nicht heran, doch seine stimmungsvolle Inszenierung und liebevolle Ausstattung sorgen immerhin dafür, dass ein insgesamt positives Gefühl zurückbleibt.

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