Aus dem eigentlichen Element
1995, im Jahr der Veröffentlichung von „Eternal Empire“, wurde Park Chong-won als Professor an die Koreanische Nationaluniversität der Künste berufen. Es dauerte nun vier Jahre, bis er mit seinem vierten Spielfilm „Rainbow Trout“ erneut die Aufmerksamkeit der Filmwelt weit über die Grenzen Südkoreas hinaus bannen konnte.
Im direkten Vergleich zu „Eternal Empire“, im Vergleich zu der Recherche, dem Kostümaufwand und der Konstellation der Protagonisten, die im Korsett des historischen Kanons mit ehrfurchtgebietender Finesse arrangiert wurde, so dass sie schließlich so perfekte funktionierte, wirkt „Rainbow Trout“ zunächst sehr nüchtern. Aber natürlich wird auch hier das grundlegende Schema in den Werken Park Chong-wons wieder sehr schnell evident.
Eine Gruppe von Großstädtern möchte ein verlängertes Wochenende auf dem Land, auf einer Forellenfarm, verbringen. Ihre Begegnung mit den Einheimischen induziert ihnen wechselwirkend mit ihrer wahrgenommenen kulturellen Überlegenheit eine irrationale, paranoide Mutmaßung über deren Dispositionen zu Gewalt und sexueller Nötigung. Tatsächliche, offene Auseinandersetzungen mit einer Gruppe von Jägern, katalysieren aber in erster Linie den Stress innerhalb dieser Gemeinschaft, die nun entlang verborgener Schuld, heimlichem Verlangen und latenter Aversion auseinander zu brechen beginnt. Die Eskalation der Spannungen greift in diesem Fall aber auch nach Dritten, die in den Sog aus Hass und Paranoia gerissen werden, der die Seelen der Gruppe schon gefressen hat.
Man kann Park Chong-won mit Sicherheit nicht nachsagen, seine höchst moralischen Allegorien nähmen eine besondere Rücksicht auf die tabugenerierten Befindlichkeiten, die ein Teil seines Publikums zweifellos hegt – die Dissonanzen mit der alltäglichen Schweinwelt sind avisierte Elemente seines Programms. Die Hingabe, mit der Park seine Idee in den ungewöhnlichsten Genrehybriden verhandelt, ist zweifellos mehr als nur das Verfolgen einer persönlichen Passion. Ich habe fast den Eindruck, sein Werk folgt dem Rhythmus einer zunehmend verzweifelnden Mission. „Rainbow Trout“ ist ein garstiger Film, so garstig, dass man in der Hoffnungslosigkeit des Sujets schon Nuancen von Zynismus auszumachen glaubt – wenn das denn nicht so abwegig wäre. „Paradise Villa“ (2002) jedoch, sein bis dato letzter Film, ist noch viel gemeiner.