Review

Aus dem Tresorraum zur Fiesta Mexicana!

„Red Dragon“, der vierte und letzte Charlie-Chan-Film aus dem letzten Kriegsjahr, zeigt deutlich wohin der inflationäre Serienausstoß der Mysteries irgendwann führen musste: in die kreative Bedeutungslosigkeit. Offenbar nur noch mit einem rudimentären Restbudget ausgestattet, hat man diesen „Fall“ so zusammengestoppelt, dass die rahmengebende Location des deutschen Titels, also „Mexiko“ eine bloße Schutzbehauptung blieb.
Nichts könnte weniger „Mexiko“ sein als dieser Film. Dass meistens stock footage benutzt wurde, um bekannte Örtlichkeiten zu simulieren, ist nichts Neues, aber diese amateurhaft hinter eine Autofahrt projizierten Bilder der Metropole überzeugen nicht mal mehr ein sechsjähriges Kind.

Ansonsten spielt der Film praktisch nur in mehr als dürftigen Studiolocations, die auch in jeder US-Stadt liegen könnten: ein Büro, noch ein Büro, ein Wäschekeller, ein Flur, kurz ein Nachtclub mit einer netten Gesangseinlage. Das wars.

Die Handlung dreht sich mal wieder um eine murksige Entdeckung (diesmal ein enorm energiereiches 95.Element), die zur Folge hat, dass ein Regierungsagent erschossen wird. Mit im Gebäude ist eine illustre Handvoll von möglichen Verdächtigen, deren halbseidene Biographien allesamt Chan schon beim ersten Verhör vorliegen und die ihnen um die Ohren gehauen werden, ehe sie überhaupt einen Satz vorab hatten äußern können. Nicht, dass die Vorgeschichten wirklich notwendig für die Handlung wären, aber immerhin sind alle verdächtig.

Auf der Suche nach den verschwundenen Plänen (ergänzt um ein rätselhaftes Wort, welches auf einer Schreibmaschine getippt wurde), irren nun alle Verdächtigen gemütlich durch die Gegend, während Chan und Co bemüht sind, das Geheimnis der waffenlosen Schussverletzungen aufzuklären, durch das dann in Abständen immer mal wieder jemand ums Leben kommt.
Für das Lokalkolorit mimt Fortunio Bonanova den lokalen Inspektor, der aber nicht viel mehr als ein Kleiderständer für seinen viel zu weit geschnittenen Maßanzug ist. Und weil Mantan Moreland vielleicht nicht konnte, begleitet diesmal der schlaksige Willie Best als „Schwarzer vom Dienst“ den Detektiv, den Familienbezug durch den Namen „Chattanooga Brown“ definierend. Best ist ein professioneller Schlaks von einem Kerl, aber man diesen Typus schon zu oft gesehen und das Material lässt ihm keine Möglichkeit, mehr aus der furchtschlotternden Klischeerolle zu machen.

Wirklich furchtbar ist aber die blutleere Inszenierung Phil Rosens, dessen Schwanengesang innerhalb der Reihe dieser Fall war. Die Kamera steht hier praktisch ständig in Theaterbühnendistanz und seine Regie lässt nichts Überflüssiges aus, um Zeit zu schinden, darunter einige wirklich amateurhafte Szenen, in denen die Darsteller hintereinander wie eine Entenfamilie von links nach rechts durch Räume laufen, um die Tür am Rand des Blickfelds zu erreichen, sie zu öffnen und dann einer nach dem anderen zu durchschreiten. Von dieser albernen Statik sind auch später einige Szenen, in denen praktisch jeder Verdächtige den Warenkeller aufsucht, um nach den Plänen zu suchen, um nach dem kleinsten Geräusch sofort für den Nächsten Platz zu machen.
Offenbar fiel George Callahan auch nichts Aufregendes mehr ein, um das dröge Geschehen interessanter zu machen, denn auch er sollte nach dem nächsten Film dann seinen Hut nehmen. Sogar der scheinbar „aufregende“ Titel mit dem „roten Drachen“ bezieht sich am Ende lediglich auf einen Behälter mit roter Tinte von eben dieser Marke, die am Ende (k)eine große Rolle spielt – irgendwie hatte man dafür sogar noch hastig eine chinesische Künstlerin in den Plot geschrieben, damit Sohn Tommy jemanden zum Nachstellen hatte (für Chattanooga gab es – natürlich – das obligatorische schwarze Zimmermädchen).

Insgesamt war das der wirklich langweiligste Fall überhaupt, überschattet zudem durch die inszenatorischen Unzulänglichkeiten und darum gab es für das Standardmystery auch gerade noch 3/10.

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