Review

Von der Arie ins Deutsche Reich!

Der vierzehnte Fall Charlie Chans nimmt aus heutiger Sicht – gerade in unserem Land – sicherlich eine Sonderstellung ein. Wie schon der Titel „Charlie Chan bei den Olympischen Spielen“ andeutet, zieht dieser Fall einen Bezug zu den Sportwettkämpfen in Berlin 1936, als sich die NS-Propaganda für ein dekoratives Schaustück gut gerüstet sah und die Welt zusehen ließ.
Doch wie auch in anderen Fällen hat der dekorative Titelbezug meistens weniger mit dem Inhalt der Filme zu tun, als ihnen gut tut. In diesem Fall kann man zumindest bestätigen, dass der Film wirklich während der laufenden Sommerspiele stattfinden soll und man bekommt auch einige echte Szenen zu sehen – wenn man ein wenig Geduld mitbringt.

Tatsächlich sieht es am Anfang gar nicht so aus, als wäre der Fokus Olympia. Stattdessen eröffnet der Film mit dem Verschwinden eines Testflugzeugs und dem Wiederauffinden von Flugzeug (minus Autosteuerungskniff) und Pilot (tot) – unwahrscheinlicherweise gefunden durch eben die Chans. Aber wie dem auch sei, nach allerlei Backstory sieht man sich der Notwendigkeit ausgesetzt, dem Dieb hinterher zu reisen, weil dieser mit den Sportteams auf einem Schiff in Richtung Germany ist. Also (und hier kommen die seit Indiana Jones wieder beliebten Flüge über die Landkarten in Gebrauch) reist man mittels eines komplexen Flugplans so schnell wie möglich hinterher, für die letzte Etappe tatsächlich das Luftschiff „Hindenburg“ nehmend. (Geschichtskenner wissen um das Lakehurst-Unglück 1937 und ja, der fatale Brand fand nur wenige Wochen nach der Premiere statt).

Von nun an wird es – und das ist rückblickend interessant – politisch verblüffend neutral und historisch enorm bizarr: in ganz Berlin zeigt sich im Film nicht das kleinste Fitzelchen an Nationalsozialismus, alle Flaggen und Hakenkreuze fehlen, sogar bei den Stadienaufnahmen des Sportfestes. Das System ist inexistent, die Polizei präsentiert sich wie weilend die unabhängigen Wachtmeister der damaligen Zeit, ein wenig zackig, aber sehr, sehr, sehr korrekt („In Deutschland dulden wir nicht so ein Verhalten!“). Fredrik Vogeding wird als Captain Strasser der Ansprechpartner, ein typischer Chan-Polizist: ein wenig kurios, ein wenig zu vorschnell, ein wenig zu kurzsichtig, aber sich des überlegenen Geistes des Detektivs freundlich von Anfang an bewusst und kooperativ demzufolge.

Der Fall an sich macht sich mehr aus den dekorativen Schauobjekten, dem jugendlich verspielten Athletenteam (dem Lee Chan als Schwimmer auch angehört, was der nicht alles kann…) und den Sportinserts, während die Jagd verschiedener Interessengruppen auf das Steuerungsgerät doch eher schleppendeer Standard ist, die übliche fremde Regierung gegen den amerikanischen Waffenproduzenten. Am Ende ist es dann wie immer doch nicht das Offensichtliche, aber das wundert genauso wenig wie die olympische Goldmedaille für Lee Chan in der Schlußszene.

Da können die Dokuaufnahmen noch so geschickt eingearbeitet sein (es gibt sogar noch einen Treffpunkt am Brandenburger Tor), hier läuft die Deduktion nur noch unter ferner liefen und das macht den Film für mich ein wenig mittelmäßig. (5/10)

Details
Ähnliche Filme