Die 80er Jahre werden von Actionfans nicht umsonst als das goldenes Zeitalter angesehen, entstanden doch hier, mit einigen Ausnahmen Anfang der 90er, die wirklichen "Perlen" des Genres. Die großen Studios pumpten Millionen in aberwitzige Actionspektakel (Commando) und die Cannon Group produzierte Knaller auf Knaller. Auch Joseph Zito (The Prowler, Friday the 13th: Part 4) hatte mit Missing in Action und Invasion U.S.A. zwei mehr als brauchbare Beiträge geleistet, bevor er 1989 mit Red Scorpion einen weiteren Film beisteuern sollte.
Swedens blonder Kampfhühne Dolph Lundgren (was ne Frisur ^^) wird hier als russischer Spezialagent Nikolai (ganz kreativ) in den afrikansichen Busch geschickt, um den Anführer Aufständischer auszuknipsen. Dabei wird zunächst kein Russland-Klischee ausgelassen. Voll mit Vodka nimmt Dolphi die eigenen Leute maß, nur um im Kerker bei einem engen Freund des Rebellenführers zu landen, und sich so dessen Vertrauen erschleichen zu können (Clever, clever Herr Lundgren). Von erschleichen kann dann aber keine Rede sein, eher von erballern und ersprengen. Denn Nikolai entkommt mit besagtem Afrikaner und dessen amerikanischem Reporterfreund aus dem Knast und macht dabei alles platt was ihnen im Weg steht.
Die Flucht ist dann auch das erste richtige Highlight des Films. Autos und Menschen fliegen durch die Luft, Dolphi springt vom fahrenden LKW auf's fahrende Motorad und wieder zurück und der Ami reisst einen dummen Spruch nach dem nächsten.
So klappt das dann aber auch mit dem Vertrauen, abmurksen kann Nikolai den "bösen" Rebellenführer trotzdem nicht, weil der ne Nummer zu schlau ist für unseren russischen Spezialagenten und den Braten schon von weitem gerochen hat. Blöd für Dolphi, denn nun wollen ihm die eigenen Leute an den Kragen, weil er versagt hat und eine Schande für Mütterchen Russland darstellt. Also muss er wieder aus dem Gefängnis türmen und kommt schwerverletzt bei Eingeborenen unter. Hier erkennt Nikolai den wahren Feind, schwört dem Kommunismus ab und kehrt in sein altes Lager zurück, um in einer gigantischen Schlachtorgie alles nieder zu mähen, was nur im Ansatz nach Russe aussieht.
Dumm, dümmer, der Plot von Red Scorpion. Es ist schon arg fragwürdig was Einem da storytechnsich und ideologisch zugemutet wird. Aber gut, erstens sinds die 80er und zweitens, wen interessierts wirklich...? Mich jedenfalls herzlich wenig, denn das die Chose zu keinem Zeitpunkt eine 10/10 werden würde war eh von vorneherein klar. Alles was hier zählt sind ordentlich Action und nen paar flotte Oneliner. Es kracht und rummst dann auch ganz schön, wobei besonders das Ende heraussticht, denn hier wird wirklich alles zerdeppert, inklusive Super-Duper-Spezial-Kampfheli. Aber auch die erwähnte erste Flucht und die Schießerei mit den Kubanern (ist ja ideologisch das Gleiche, aber Nikolai muss zunächts nicht die eigenen Landsleute plätten) sind klasse in Szene gesetz und sorgen für ordentlich Unterhaltung.
Neben der Action hat der Film dann aber herzlich wenig zu bieten. Die Szenen zwischen dem Krawall ziehen sich doch ganz schön und hätten durchaus kürzer ausfallen können. Zumal eh kein Mensch glaubt, das Nikolais Sinneswandel dadurch ausgelöst wird, dass er mit ein paar Eingeborenen abhängt und dann sieht wie die von seinen eigenen Leuten abgemukst werden.
Die Darsteller sind dafür allesamt auf solidem B-Niveau, wobei Walsh's Rolle ziemlich schnell nervt und Dolph Lundgren außer scheisse aussehen und Menschen töten nicht wirklich viel auf die Reihe kriegt und dazu auch noch ne wirklich miese deutsche Synchro verpasst bekommen hat.
Zito macht das Beste aus seinen Möglichkeiten, auch wenn er die Qualität seiner beiden anderen "großen" 80's Flicks nicht erreicht, was aber am Gesamtprodukt (Drehbuch,Darsteller etc.) liegen dürfte.
Wer also sein Gehirn für etwa 100 Minuten abstellen kann und Spass an sinnfreier, reaktionärer 80er Jahre Action hat, der ist hier genau richtig. Allen Anderen sei dringend abgeraten. (6/10)