Alter Schwede!
Um dem möglichen Vorwurf der Klugscheisserei diesmal zu entgehen, lasse ich den geplanten Exkurs in Richtung afrikanische Apartheid, amerikanische Kontra-Kommunismus-Propaganda und die komplizierte Produktionsgeschichte „Red Scorpions“ außen vor und gehe stante pede in medias res.
Unser aller Lieblingssschwede spielt in „Red Scorpion“ den Elitekrieger Nikolai, der von den Russen immer dann eingesetzt wird, wenn herkömmliche Mittel versagen. Sozusagen der X-Ray 3 unter den Supersoldaten. 1988/89, einer Zeit also, in der man zum letzten Mal die Chance hatte den Russen als schön versoffen, wortkarg und die Schwachen unterdrückend zu zeichnen (ausser man schrieb ein Drehbuch für eine eine von Ian Flemming erfundene Romanfigur), sprang Dolphie mitten rein in den Klischeesumpf und präsentiert uns schon in den ersten fünf Minuten den eiskalten Ostblockkrieger, wie ihn nur der Westen darzustellen vermag. Inklusive eben Vollsuff und in dessen Folge der Zerstörung einer wunderbar heimeligen african bar. Aber auch wenn wir bis zu diesem Zeitpunkt bis auf ein kollektiv vereinnahmendes Rülpsen zur allgemeinen Begrüßung noch keinen einzigen zusammenhängenden Satz von Mr. Lundgren gehört haben, ist das doch alles nur Teil seines perfiden Plans: Nämlich den ortsansässigen Rebellenführer aus dem Gefängnis zu befreien und auf diesem Wege sein Vertrauen zu erschleichen.
Nachdem also unser damals noch junger Schwede dem Seehundbärtchentragenden Oberrusski die Plautze verdroschen hat, geht’s inklusive dauerquasselndem Gonzoreporter, der wohl so eine Art lustiger Sidekick darstellen soll, ab in den Busch. Auf dem Weg wird dann noch die Hälfte der gesamten russischen Streitkräfte über den Haufen gemäht und Lundi wechselt so oft die Seiten, bis er selbst nicht mehr weiß zu wem er eigentlich gehört. Am Ende ist´s natürlich die unterdrückte Minderheit und da es sich bei „Red Scorpion“ um eine amerikanische Produktion handelt, trägt die ganz bestimmt weder Hammer noch Sichel auf der Uniform.
Nun gut, ich möchte mit Joseph Zito´s No-brainer gar nicht so hart in´s Gericht gehen, denn warum sollte man von einem 80er-Jahre Actionfilm mehr erwarten als hier geboten wird. Nervig wird es allerdings dann, wenn man so viel Zeit in Handlung, die dieses Wort eigentlich nicht verdient, und so wenig in Action investiert. So fallen gerade gegen Mitte des Films, wenn Rudolph, oder Adolph, oder für was auch immer das Dolph stehen mag, endlich zu seinem titelgebenden Namen kommt, doch deutliche Längen auf. Kein Mensch will diesen Ethnoquark sehen, außer es laufen ab und zu mal ein paar nackte Mädels in Bananenröcken durch das Bild. Diese Grundzutat eines jeden guten Actionfilms fällt hier jedoch völlig aus. Stattdessen müssen an einem ausgemergelten Medizinmann ergötzen, der sich aber immerhin für die wenigen funktionierenden Witze des Films verantwortlich zeigt. So bringt er Dolph „the face“ Lundgren doch tatsächlich dazu, sein Gesichtsausdrucksrepertoire auf 1,5 anzuheben. Wer also den schwedischen Muskelmann mal aus ganzem Herzen Lächeln sehen will, ist hier an der richtigen Adresse. Wer ihn in Hotpants 1000 Russen umnieten sehen will - der auch.
Leider.
Wenn dann jedoch mal die Action kommt (ob mit oder lieber ohne Hotpants), dann kracht´s auch richtig – so fair muss man sein. Der Pyrotechniker jedenfalls dürfte nicht wegen Unterforderung am Set eingeschlafen sein. Ein paar Blutpäckchen, inklusive abgerissenem Arm, kommen auch zum Einsatz und so scheint die damalige Indizierung gar nicht mal so unnachvollziehbar – im Gegensatz zu manch anderem Vertreter dieses Genres.
Hätte man eben nur diese pseudomoralische Handlung weggelassen. Das vor Kitsch triefende Drehbuch hätte ruhig die ein oder andere Kante vertragen, und zumindest zu Beginn hat man auf Grund von Nikolais „Bäumchen wechsel dich“-Spiels auch diesbezüglich Hoffnung. Lieder Vergebens. Dazu kommt dann noch dieser unheimlich nervige amerikanische Reporter, der schon beim ersten Auftritt die Zornesfalten in die Stirn treibt.
Positiv zu vermerken ist allerdings, dass in ganz Afrika anscheinend ausschließlich Little Richard gehört wird, was mir, auf Grund einer gewissen Rock´n´Roll-Affinität, gar nicht so ungelegen kam.
Halten wir fest: „Red Scorpion“ ist sicherlich meilenweit entfernt von einem wirklich guten Film, hat aber durchaus Unterhaltungswert und hätte mit einem strafferen Drehbuch auch ein gewisses Kultpotential verdient. So muss ich leider gestehen, dass meine Augenlieder gegen Mitte des Flicks hin und wieder den Widerstand gegen die Schwerkraft aufgaben. Im Vergleich zu dem hohen Output an Actionfilmen in meiner Geburtstdekade gebührt im dennoch ein Platz in den vorderen Rängen.