Irgendwie ist Dolph Lundgren für uns ActionFreaks wirklich der perfekte Russe, oder? Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, aber das passte nicht nur zu Beginn seiner Karriere. Dabei konnte er von den ActionIkonen Schwarzenegger, Stallone und Van Damme von anfang an das beste Englisch. Er hatte natürlich genauso Probleme damit wie seine Konkurrenten. Darum durfte er ja gnädigerweise oft das Maul halten.
Bei Red Scorpion sah das aber doch etwas anders aus: hier musste er mehr sprechen als Arnie und Van Damme zu jener Zeit. Und dabei hat er sich gut geschlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn „gut geschlagen“ hat er sich auch physisch. Irgendwas wird in mir ganz tief drin einfach angesprochen, wenn Lundgren Oberkörper frei mit Sturmgewehren in Zeitlupe rumballern darf, alles explodiert und er eingeölt etwas unbeholfen und nicht ganz geistig auf der Höhe seinem Bodycount hinterher starrt.
Die Story versucht übrigens, möglichst überzeugende Gründe für die Actionszenen zu Papier zu bringen. Lundgren wird „under cover“ eingeschleust, um den Anführer einer Rebellengruppe zu töten. Alles unter der glühend-heißen Sonne Afrikas. Bis er merkt, wie menschlich falsch das wäre. Oder so ähnlich. Eigentlich ist der Hüne einfach nur andauernd auf der Flucht. Wenn er die Einheimischen etwas besser kennenlernt, denke ich nur, wie unerbittlich böse die Dreharbeiten unter den klimatischen Bedingungen gewesen sein müssen, fast alle sind permanent am „Ölen“.
Die,charakterliche, nennen wir es mal „Entwicklung“, von Lundgren kann man aber durchaus verstehen. Ich muss dem werten Leser an dieser Stelle natürlich nicht mehr sagen, dass das alles ohnehin nur Unfug ist, der etwas Luft zwischen den Actionsetpieces verteilen möchte.
Die Action ist das Herzstück, und hier geht’s wirklich böse, menschenverachtend in die Vollen, große Explosionen, die ein Lexikoneintrag für DIE 80s B-Action Explosionen verdient hätten, das Niedermähen der Soldaten, die in der Tat dutzendfach ins staubige Gras beißen (falls vorhanden), immer wird die Hauptfigur getrieben, die Ruhephasen, besonders gegen Ende, werden kopfschüttelnd durchgestanden. Nur um dann wieder von einem Heli-Angriff und das Rattern der Maschinengewehre aufgeschreckt zu werden.
Wahrlich ich sags euch, für den geneigten B-Actionfan, ist „Red Scorpion“ echt schmackhaft. Jahrelang hab ich den dummerweise immer mit „Red Eagle“ verwechselt, ihr wisst schon: ebenfalls B-Action, mit Van Damme. (Eventuell muss ich mir den nochmal durch die Augen quetschen) Schande über mich, „Red Eagle“ ist grottig und so öde. „Red Scorpion“ hingegen kann eine Menge. Joseph Zito, genau DER Joseph Zito, der meinen Lieblings-Freitag-der-13. Teil fabriziert hat, beweist jedem, der es wissen will (und jedem, der es nicht wissen will), wie handwerklich begabt dieser Mann ist. Kein „Ausnahme“Regisseur, aber meiner bescheidenen Meinung nach auch weit mehr als nur ein „One Hit Wonder“ (allein Friday 4 und Red Scorpion, aber auch und ganz besonders „Invasion USA“, beweisen das auf beeindruckende Weise). Mehr ein 5-Hit-Wonder.
Mittlerweile kann man den Film bequem ungeschnitten zu normalen Preisen auftreiben. Früher lief das gute Stück andauernd auf RTL 2, äh RTL II, whatever. Und dann immer furchtbar zerstückelt, mit haufenweise Telefon-S*X Werbung dazwischen. Ihr, die jünger seid, könnt dieses Martyrium nicht nachvollziehen. So eine kleine B-Actiongranate unzensiert vollständig und ohne Probleme genießen zu können, ist ein verdammter Luxus, Leute! Übrigens die Synchro: die Synchro hat sich bei mir besonders eingebrannt, Lundgren klingt hier zwar raubeinig und kratzig, aber auch 100 Jahre alt. Im O-Ton deutlich interessanter, Astrid Lundgren gibt sich jedenfalls sichtlich... öh... hörlich, die größte Mühe. Und das soll honoriert werden. Und der heimliche Star, die größte Unterhaltung im ganzen Film, sind alle Szenen mit M. Emmet Walsh. Alter für IHN lohnt sich dann doch der Wechsel zur deutschen Synchro, eventuell nur für seine Auftritte allein. Die sind so ultra 80s übersetzt, da haben sich die Jungs und Mädels, aber mal so richtig reingehauen.
So, nun abschließend gesagt: wie bei fast allen B-Actionern aus den glorreichen 80er Jahren einen Kasten Bier köpfen, vorzugsweise mit einer kleineren abenteuerlichen Gruppe, und dann geht die Sause ab! Für den 80s B-Actionfreak eine durchaus unterhaltsame Fahrt. Ka-Boom! Oder so ähnlich.