Review

Dolphs „Rambo 2“?!

„Red Scorpion“ kann man aus heutiger Sicht natürlich null mehr ernst nehmen, wahrscheinlich damals schon kaum. Und dennoch ist's eine wüste Spassgranate der ruppigsten und altmodischsten Männersorte. Testo und Trugschlüsse. Wir folgen Dolph Lundgren in absoluter Paradeform als russischen Elitesoldaten in die afrikanische Steppe, wo er einen Rebellenführer ausschalten soll. Doch schnell merkt er, dass er wahrscheinlich für die Bösen und falsche Seite kämpft, was ihn zur tödlichen Geheimwaffe der Einheimischen macht…

Die Wüste wird mit Blei gefüllt

„Red Scorpion“ ist 80er-Jahre-Action-Exzess der ungeniertesten Sorte. Und das ist gut so! Man guckt sich das an für die Action, Explosionen, die Zerstörungsorgie, die klaren Feindbilder, die schwitzigen Muskelkörper, die unfreiwillige Komik, die Oneliner, den Einblick in eine längst verschollene Welt und Denkweise. Und all das liefert „Red Scorpion“ in Truckladungen! Dolph war vielleicht (außer als Drago) nie besser besetzt, nie durchtrainierter, nie passender. Sein ultimativer Ein-Mann-Armee-Film, noch viel mehr „drüber“ als etwa „Joshua Tree“ oder „Men of War“. „Red Scorpion“ ist ein feuchter Traum von Actionfans der alten Schule. Handgemacht, plump, brutal, barbarisch. Über die Rock & Roll-Einlagen kann man sich streiten. Aber wenige Actioner befriedigen die niedrigen Bedürfnisse und Instinkte besser. Das kommt sogar komplett ohne weibliches Eyecandy aus - und trotzdem ist jede Männerrunde voll befriedigt! Die Orte und Settings sind unfassbar idyllisch - von echten Giraffen bis zu Steppen, die bis zum Sonnenuntergang reichen. Davor dann dieses Stahlgewitter, diese kriegerische Schlachtplatte - fast surreal ist das. Manchmal nah an der Parodie. Es gibt etliche Stellen zum lauten Lachen, die nicht unbedingt so gedacht waren. Aber auch das gehört nunmal dazu. Spätestens hiermit versuchte Lundgren Sly wirklich nach zu eifern und Konkurrenz zu machen, wenige Filme erinnern heftiger an den zweiten und dritten „Rambo“. Schade, dass daraus kein Franchise wurde. Oder zumindest keins mit Dolph an Bord. Exotisch, chaotisch, bombastisch. Ein Videothekenrenner. „Red Scorpion“ 4K-restauriert zu bestaunen erscheint fast zu sauber, geleckt und perfekt - und dennoch mega geil! Ein Prachtstück von einem Prachtkerl! Spaßig, sandig, sensationell stumpfsinnig. 

Der mit der Flak tanzt

Fazit: ein over-the-top Actionfest mit tollen Landschaften, einem ungewöhnlichen (Rock&Roll-)Soundtrack, Lundgren in Topform und mehr Explosionen als man zählen kann. „Red Scorpion“ ist ein stupides Ballerfest der staubigsten Sorte. Grandios! 

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