„Les Yeux sans Visage“ war bei seiner Aufführung ein Skandalfilm, allein schon wegen seiner expliziten Szenen. Heute ist der Film zurecht ein großer Klassiker im Bereich des Horrorfilms.
Wir erleben, wie eine Frau eine uns unbekannte tote Person in die Seine wirft. Kurz darauf erhält Professor Génessier (Pierre Brasseur) einen Anruf, eine Leiche wurde gefunden, die seine Tochter sein könnte. Da die Leiche ebenfalls starke Verletzungen im Gesicht aufweißt, ist die Vermutung groß, es ist Génessiers Tochter, die bei einem Autounfall verletzt wurde. Génessier identifiziert die Leiche seiner Tochter und lässt sie begraben. Was keiner weiß, Génessiers Tochter lebt und die Frau aus der Seine ist nur ein Opfer Génessiers. Génessier schneidet jungen Frauen das Gesicht weg und benutzt die Haut, um damit das Gesicht seiner Tochter zu retten. Unterstützung erhält er von seiner Sekretärin Louise, deren Gesicht er damals retten konnte. Sie besorgt ihm junge Frauen, an denen der Professor dann experimentieren kann. Denn bis jetzt schlug jeder Versuch fehl, seine Tochter zu retten. So muss weiter gemordet werden und Génessiers Tochter, Christiane, ist langsam nicht mehr in der Lage, den Druck auszuhalten, ferner hat sie Sehnsucht nach ihrem Freund Jaques. Und selbst die Pariser Polizei hat erkannt, dass hinter den Opfern ein System steckt. Doch Génessier gibt nicht auf, koste es was es wolle...
Georges Franju hat mit „Les Yeux sans Visage“ einen absoluten Klassiker des französischen Horrorfilms geschaffen, der bei uns unter anderen unter reißerischen Titeln wie „Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff“ lief, obwohl es im Film selber nie einen Dr. Rasanoff gegeben hat, nur dank dt. Einfälle.
Dass der Film zu seiner Zeit Ende der 50. schockierte, kann man sich nur zu gut vorstellen. Der schwarz-weiß Film beginnt sogar recht grotesk mit einer Art Kirmesmusik, die den Film immer wieder durchflutet und sogar ins Ohr geht. Dann erleben wir Pierre Brasseur in einer Paraderolle. Als Professor Génessier liefert er eine Glanzleistung ab, ein Mensch, den man im ganzen Film nicht einmal lachen sieht, nur davon besessen, sein Ziel zu erreichen. Natürlich werden hier parallelen sichtbar zum 1957 entstandenen Hammer-Film „Frankensteins Fluch“ mit Peter Cushing, auch wenn die Thematik in „Les Yeux sans Visage“ anders ist.
Sehr ungewöhnlich für damalige Zeiten sind 2-3 relativ harte Szenen, incl. eine lange Gesichtsoperation durch Professor Génessier an eines seiner Opfer. Die Kamera bleibt stur auf dem Gesicht des Opfers, wechselt dann wieder zu Nahaufnahmen zum Gesicht von Brasseur, um dann wieder seine weiteren Aktivitäten im Gesicht zu zeigen. Die Kamera blendet erst ab, wenn die Gesichtshaut fast vollständig abgezogen wurde. Auf einem schottischen Filmfest soll es damals dank dieser Szene einigen Leuten umgangssprachlich aus den „Latschen gehauen“. Auch das Finale ist nicht minder schockierend mit einer expliziten Detailaufnahme.
Im Jahre 1988 entstand unter der Leitung von Jesse Franco ein Remake mit den Namen „Faceless“. Das Remake ist ebenfalls sehr gut, geht in den graphischen F/X natürlich um einiges weiter, erreicht aber nicht ganz die Stimmung von „Les Yeux sans Visage“. In „Les Yeux sans Visage“ gibt es wirklich keine Szene, die nur einen Ansatz von Humor hat.
Fazit: „Les Yeux sans Visage“ gehört zu den ganz großen französischen Horrorfilmen, die je entstanden sind. Eine hervorragende Story, ein überragender Pierre Brasseur und selbst für die damalige Zeit harte Effekte runden diesen Film ab. Abseits von den üblichen Mad-Scientist Filmen, die nur auf blutige Szenen etc. setzen, ist „Les Yeux sans Visage“ ein Klassiker, den jeder ernsthafter Horrorfan gesehen haben muss.