Review

"Do you understand what this means? These things want flesh. Any kind of flesh. And once they sense it, they'll eat their way through anything that comes between them and their meat."

Die Stimmung an Bord der Jacht ist entspannt und unbeschwert. Die junge Frau, Ann (Barbara Wilson), sonnt sich im Bikini an Deck, was ihrem Freund Freddy (Ira Lewis) prompt Flausen in den Kopf setzt. Grinsend benetzt er ihre Haut mit kühlem Wasser, bevor er ihr so keck wie gekonnt das Oberteil entfernt. Das "empörte" Mädel springt daraufhin ins Wasser, gefolgt von ihrem Liebhaber, der unter ihr durchtaucht. Und nicht mehr nach oben kommt. Verwirrt guckt sie sich um, während sich das Wasser rund um sie herum dunkel färbt. Ihr Blick fällt auf ihre blutigen Hände, ihr Schrei hallt kurz über das Meer, bevor er abrupt endet, als sie in die Tiefe gezogen wird. Von diesem Drama ahnen weder Pilot Grant Murdoch (Byron Sanders), noch Schauspielerin Laura Winters (Rita Morley) sowie deren Sekretärin Jan Letterman (Barbara Wilkin) etwas. Die drei sind unterwegs nach Provincetown, als der Motor plötzlich Probleme macht und Murdoch eine Notwasserung nahe einer kleinen Insel einleiten muß. Der Mann und die zwei Damen schleppen sich ans Ufer und kommen schließlich beim Biologen Peter Bartell (Martin Kosleck) unter, der sich auf die Insel zurückgezogen hat, um in aller Abgeschiedenheit und Ruhe seinen geheimen Forschungen nachgehen zu können. Dann wird ein menschliches Skelett angeschwemmt, gefolgt von unzähligen Fischskeletten. Etwas Silbrig-schimmerndes, Mörderisches befindet sich im Wasser, das sämtlichen Lebewesen das Fleisch von den Knochen frißt.

Bereits 1961/62, also deutlich vor Herschell Gordon Lewis' Sensationserfolg Blood Feast (1963), kredenzte uns Jack Curtis diesen leidlich unterhaltsamen Pulp-Heuler, der einige überraschend graphische Gore-Szenen beinhaltet. Unglücklicherweise unterlief Curtis dabei ein gravierender Fauxpas: Er drehte The Flesh Eaters in Schwarzweiß! Dieser Umstand dämpft den durchaus vorhandenen Shock-Value empfindlich. Aufgeschnittene Schenkel, zerfressene Gesichter und aus einem Bauch suppendes Blut kommen in Schwarzweiß bei weitem nicht so gut wie in Farbe. Die Story ist nicht wirklich geschmackssicherer Schund, der glatt aus der Feder des legendären Groschenheft-Autoren Jürgen Grasmück (aka Dan Shocker) stammen könnte. Die abstruse Geschichte um von den Nazis gezüchtete, fleischfressende Mikroorganismen, die sich gegen Ende mit Hilfe von Elektrizität gar zu einer Riesen-Monster-Krabbe zusammenbauen, wäre auf alle Fälle ein cooler Fall für die PSA-Agenten Larry Brent und Morna Ulbrandson gewesen. So muß man auf der Heldenseite mit Byron Sanders als Grant Murdoch und Barbara Wilkin als Jan Letterman vorliebnehmen, die tapfer gegen den Quatsch anspielen, letztlich jedoch auf verlorenem Posten stehen. Wesentlich besser hat es da schon Martin Kosleck (The Mummy's Curse) als Professor Bartell, der den gerissenen Schurken mit Gusto gibt. Seine fiesen Handlungen sind eines Mad Scientists durchaus würdig.

The Flesh Eaters, Jack Curtis' einzige Regiearbeit, ist weitgehend ernst und düster angelegt, was das Ergebnis umso drolliger macht. Immer wieder gleitet das Geschehen in unfreiwillig komische Gefilde ab, was durch die melodramatischen Elemente im Plot noch verstärkt wird. Bei Hippie-Beatnik Omar (Ray Tudor) ist man sich indes nicht sicher, ob der aufgekratzte Bursche ernst gemeint ist oder nicht. Aber anscheinend merkten auch Regisseur Curtis und Drehbuchautor Arnold Drake, daß er fürchterlich nervt, weshalb sie die grausigste Szene des Filmes für ihn reserviert haben. Roy Bensons FX sind durchwachsen, vorsichtig formuliert. Das Gekröse überzeugt, die titelgebenden Kreaturen eher nicht. Die hat man direkt ins Negativ hineingeritzt oder -gestanzt, bzw., als sie sich formieren, aus Pappmaché oder ähnlichem gebastelt. Fans von Old-School-Effekten geht hier bestimmt das Herz auf. Der große Showdown ist okay und liefert im Grunde exakt das, was man sich erwartet. Sehr interessant - und hanebüchen absurd - ist allerdings die Achillesferse der fleischfressenden Biester; die vertragen nämlich kein Blut! Seltsam, aber so wird es erklärt. Aber geschwafelt wird sowieso viel, wenn der Tag lang ist, und die paar klischeehaft gezeichneten Figuren in The Flesh Eaters bilden da keine Ausnahme und sorgen für so manch amüsanten Dialog. Als kleine Fußnote im Nazi-Horror-Genre (*) macht der auf Long Island gedrehte krude Schlocker somit durchaus Laune.

(*) Im Film selbst wird die Verbindung zu den Nazis durch Professor Bartell hergestellt, der die Hintergründe in einem Monolog schildert. Eine mehrminütige Flashback-Sequenz wurde zwar gedreht, jedoch nicht in den Film integriert (zumindest nicht in der mir vorliegenden DVD-Fassung). Darin ist zu sehen, wie deutsche Wissenschaftler nackte Frauen in einen Pool mit den gezüchteten Kreaturen tunken und kurz darauf deren blanke Skelette wieder herausziehen. Als sie dann eine Leiche ins Wasser werfen, wird diese nicht angerührt, da die "Flesh Eaters" nur lebende Wesen attackieren.

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