In den 80ern war „Lock Up – Überleben ist alles“ fast genau das richtige Vehikel für Actionstar Sylvester Stallone und auch heutzutage macht der Film noch Spaß.
Protagonist Frank Leone (Sylvester Stallone) hat gerade ein freies Wochenende bei seinem Knastaufenthalt, welches er dazu nutzt, um seine Verlobte Melissa (Darlanne Fluegel) zu besuchen und sich eine Werkstatt anzugucken, in der er arbeiten wird, wenn er seine letzten sechs Monate abgesessen hat. Der Zuschauer erlebt Leone als freundlichen Menschen mit dem jeder gut auskommt, auch die Wärter in seinem Gefängnis. Damit wäre Sly dann auch vollkommen als Held etabliert.
Doch mitten in der Nacht wird Frank verlegt, in das Gefängnis des Direktors Drumgoole (Donald Sutherland). Dieser hat noch ein Hühnchen mit Frank zu rupfen: Frank flüchtete damals aus seiner Haftanstalt, um einen sterbenden Freund zu besuchen, da Drumgoole ihm dieses verweigerte. Leone bekam zwar fünf weitere Jahre dafür, wurde aber als Held gefeiert, während Drumgoole zum Direktor eines miesen Gefängnisses ernannt wurde. Nun ist auch der Bösewicht etabliert gegen dessen Schergen sich der sympathische Held behaupten muss.
Unter den Wärtern befinden sich einige echte Sadisten, die Drumgoole sofort auf Frank ansetzt. Der sehr harte, aber gerechte Chef der Wärter Meissner (John Amos) hat Schwierigkeiten diese im Zaum zu halten und auch der „Häftlingsboss“ Chink Weber (Sonny Landham) hat es auf Frank abgesehen. Mit wenigen Freunden unter den Häftlingen wie z.B. Dallas (Tom Sizemore) versucht Frank das Beste aus seiner Situation zu machen.
Man merkt „Lock Up“ recht deutlich an, dass er auf Sylvester Stallone zugeschnitten ist. Denn neben der Working Class Ideologie und dem Kampf gegen das System erinnert auch die Machart des Films an seine Rollen aus „Rocky“ und „Rambo“; z.B. hat die Musik in den Szenen, in denen das Auto restauriert wird, große Ähnlichkeit mit der „Rocky“ Musik (zumindest der Anfang des Songs).
Der Plot ist spannend, da man nie so sicher ist, welche Schikane sich Drumgoole als nächstes für Frank ausgedacht hat. Zudem sind die Subplots über Freundschaft, Pflicht und das Knastleben von Regisseur John Flynn („Deadly Revenge – Das Brooklyn Massaker“) unterhaltsam in Szene gesetzt worden. Natürlich sollte man keine großen Innovation oder nervenzerfetzende Spannung von „Lock Up“ erwarten, sondern einfach einen guten 80ies Actioner.
Die Actionszenen sind dünn gesät und nicht übermäßig spektakulär, aber etwas anderes würde zu „Lock Up“ nicht passen. So muss sich der Actionfan mit einigen realistischen Kämpfen (egal ob in Heizungskellern oder auf beim Knastfootball) begnügen, die dafür „direkt aus der Handlung“ kommen und nicht künstlich eingefügt wirken.
Sylvester Stallone spielt den Working Class, also quasi die Rolle aus „Rambo“ und „Rocky“ und dementsprechend geübt und gut ist seine Darstellung. Donald Suhtherland („Art of War“) ist ein wirklich guter Fiesling, der herrlich gemein rüberkommt ähnlich wie die anderen Bösewichte (egal ob Wärter oder Häftlinge). Darlanne Fluegel bringt ebenfalls eine routinierte Leistung, ist aber nur wenig zu sehen. Besonderes Lob verdient meines Erachtens John Amos („Stirb langsam 2“), dessen Rolle aber auch eher kleine. Ebenfalls sehr gut: Stallones Knastkumpel, allen voran Tom Sizemore („Passagier 57“).
„Lock Up“ ist einer gelungener Knastfilm aus den 80ern, der das Actiongenre zwar nicht neu erfindet, aber guter Unterhaltung bietet.