Review

Knallharte Knast-Action mit Sly

Zugegeben: Mit Stallone konnte ich noch nie so richtig was anfangen, aber dieser Film gefällt mir ausgesprochen gut, obwohl die Story etwas an den Haaren herbeigezogen wirkt:
Frank Leone wird, drei Monate vor seiner Haftentlassung, gewaltsam aus seinem Schlaf geweckt, und aus seinem minimum-Sicherheits Knast in einen geschlossenen Vollzug verfrachtet. Sein früherer Rivale Drumgoole möchte eine alte Rechnung mit ihm begleichen. Frank stehen 3 harte Monate bevor, in denen er sich allen möglichen Schikanen erwehren muss...

Man merkt schon nach diesen Zeilen, dass einen hier keine authentische Ausbruchsstory wie in "Flucht aus Alcatraz" erwartet. Dennoch geht der Film, wider erwarten, über eine rein oberflächliche, rabiate Actionmaschinerie hinaus. Es gibt tatsächlich Elemente wie Charakterentwicklung, Gefühl und sogar eine kleine humane Botschaft, die nun wirklich nicht üblich für einen Sly-Reisser ist. Die großen Leistungen sind jedoch nicht bei Stallone selbst zu suchen, vielmehr fallen sie Frank McRae (als "Eclipse") und John Amos (als Meissner) zu: McRae als der weiche Riese mit dem Faible für alles, was preisgünstig ist, und Amos als abgebrühter Kommandant, der seine anfänglich unsympathische Fassade mit der Zeit fallen lässt und sich als harter, aber fairer Wachhabender entpuppt. Sly und der Rest der Crew überzeugen insgesamt, mit Ausnahme von Donald Sutherland: Seine gute Mimik kann nicht über die ziemlich gestelzt wirkenden Phrasen hinwegtrösten, die er im Film von sich geben muss. Kurioserweise wurde das Spiel der meisten Darsteller durch die deutsche Synchronisation erheblich aufgewertet: Erst im O-Ton offenbart sich so richtig, wer jetzt die größten Schwierigkeiten mit der Artikulation hatte.

Was die Handlung angeht, wird mal wieder das altbekannte Motiv des Unbeugsamen aufgerollt, der die meiste Zeit des Films kräftig eins in die Fresse kriegt, und gegen Ende dafür umso vernichtender zurückschlägt. Dieses inzwischen ausgelutschte Schema gewinnt durch seine flotte, effektvolle Inszenierung jedoch sehr viel an Reiz. Das wirklich rasant geschnittene Footballspiel ist sicher die spektakulärste Actionszene des Films, und auch das Werkeln am Ford Mustang wurde mit schicker Videoclip-Ästhetik und cooler Musik versehen (Ohrwurm: "Vehicle" von Ides of March). Die routinierte Kameraführung, Bill Conti's dynamischer Soundtrack und die kernige Geräuschkulisse sorgen dafür, dass dem Zuschauer bei den zahlreichen Balgereien, bei denen es mitunter ziemlich rauh zugeht, nicht so schnell langweilig wird. Doch nicht nur in den Actionszenen, auch spannungstechnisch vermag der Streifen durchaus zu überzeugen. Besonders der gelungene Showdown verdankt seine intensive Wirkung seinem perfekten Zusammenspiel zwischen Ausleuchtung der Szenerie (geradezu gespenstisch wirkt Drumgoole unter dem grellen Lichtkegel), Kameraarbeit und Musik. Nichts für schwache Nerven.

Fazit: Mit viel Action, Spannung und auch etwas Gefühl inszenierte John Flynn hier einen wirklich packenden Knast-Thriller, der meinen klaren Favoriten unter den Sly-Filmen darstellt. Das dreckige, bedrohliche Geängnisflair, die solidarischen Momente und die ordentlichen Leistungen der Darsteller heben diesen Streifen wohltuend vom Stallone-Einerlei ab, in denen er allzu oft als tumbe Kampfmaschine ganze Hundertschaften von Feinden niederwalzt. Die etwas brüchige Logik und einige Albernheiten (das Lackieren des Ford Mustangs) vermögen den Genuss nur geringfügig zu trüben. Es ist für mich wirklich unverständlich, warum dieses kleine Juwel bei Kritikern und Publikum gleichermassen durchrasselte. Sehenswert ist der Film für mich auf alle Fälle, zumal die DVD wirklich sehr günstig zu haben ist und obendrein über exzellentes Bild und Ton verfügt.

Kleine Anmerkung: Einer der Schläger aus Chink Webber's Gang ist Danny Trejo, der zumindest FdtD-Fans bestens bekannt sein müsste. Schaut mal genau hin!

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