Die Intention hinter dem 1989 erschienenen Film Lock Up ist schnell erraten. Eine Plattform für Stallones seit Rocky eher vernachlässigtes schauspielerisches Können war wohl gesucht. Eine behutsame Ausbreitung seiner (bisher fest im Actionrahmen verwurzelten) Genreauswahl sowie seines Schauspielspektrums und nicht mehr nur mit tumbem Blick die Feinde Amerikas abknallen oder ins K.o. boxen. Das Melodram steht hier im Vordergrund in dem der Star der 80er Jahre entweder gequält, zornig oder sentimental aus der Wäsche kucken darf. Doch plumpe Überzeichnungen, haarsträubend altbackene Klischees und die eruptiven Actionszenen sprechen deutlich die Sprache des von Fans bevorzugten Krawallgenres. Das Gefängnisumfeld ist dennoch hilfreich, bietet es sich doch als wunderbare Kulisse für handfeste Auseinandersetzungen, wie auch für auch für manch nachdenklich tragische Szenarien an. Die an sich einfache Rechnung bleibt jedoch stets auf halbem Wege stecken und verweilt im Zustand des Weder (Drama) noch (Action).
Frank Leone (Sylvester Stallone), vorbildlicher Sträfling, hat nur noch wenige Wochen zur Freiheit, ist entsprechend gelöst und schmiedet mit seiner treu auf ihn wartenden Freundin bereits optimistische Zukunftspläne. Von einer Nacht auf die andere, wird er aus dem humanen Strafvollzug in ein beklemmend brutales Hochsicherheitsgefängnis namens „Gateway“ gesteckt, das unter der Leitung des zwielichtigen Direktors Warden Drumgoole (Donald Sutherland) steht. Doch es handelt sich hier keineswegs um eine Verwechslung, Drumgoole sinnt seit dem Jahre zurückliegenden Ausbruch von Leone aus seinem Gefängnis auf Rache. Nun nutzt er die ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um ihn zu einem erneuten Ausbruchsversuch oder einer anderen relevanten Straftat zu provozieren, die seinen Aufenthalt bei ihm erheblich verlängern soll. Er hetzt Schläger auf ihn, schmiedet konspirative Pläne, manipuliert Leones Umfeld und zu allem Überfluss gibt es noch zwei sadistische Wärter, die ihn mit Vergnügen malträtieren.
So absurd die Story erscheint, angesichts der großflächiger Privatisierung des Strafvollzugs in den USA, fällt es einem kaum mehr schwer von einem plausiblen oder zumindest nicht ganz abwegigen Plot zu sprechen. Doch schnell findet man sich damit ab, dass die behauptete emotionale Tiefe uneingelöst bleibt und doch nur üble schwarz/weiß-Klischees nachkomponiert werden. Stallones Paraderolle des Underdocks wurde ins Gefängnismilieu verlegt, wo er sich erneut mit eiserenem Willen und einem gütigen Herz hinauswurschteln kann. Man bleibt dem Actionsujet eisern treu (trotz vermuteter Neuorientierung) und noch nicht einmal einer Videoclipmontage - der Wunderwaffe des 80er Jahre Kinos - konnte man widerstehen. In der vielleicht seltsamsten Szene des Filmes, reparieren Stallone und seine befreundeten Mithäftlingen einen in der Knastwerkstadt zufällig (!) herumstehenden Mustang. Unter schicken Schnitten hämmern, schweißen, schrauben und blödeln sie wie Schulkinder zu einem obligatorischen Powerpopsong (The Ides of March – Vehicle). Wenn das mal nicht eine Männer-freundschaft zementiert.
Aber was taugt Lock Up (wenn schon nicht als Drama) als Actionfilm? Wenig: Stallone wird 2 Drittel des Filmes gedemütigt, verraten und gequält, was er vorerst mit der Geduld und inneren Ruhe eines buddhistischen Mönchs erträgt, darf sich dann wie erwartet im letzten Drittel ein wenig dafür rächen und beginnt letzten Endes den ersehnten Ausbruchsversuch. Wirklich spannend ist davon nichts, wirklich dramatisch auch nicht, ja nicht einmal die rar gesäten Actionszenen überzeugen. Das mag vielleicht an den einfallslos wie lustlos aufspielenden Antagonisten liegen. Donald Sutherland als Oberschurke darf sich am Ende gerade einmal ein etwas läppisches Psychoduell mit Stallone geben. So bleibt als physischer Gegenpart nur der etwas gar farblose Knastbully Chink (Sonny Landham), der in der einzig wirklich erwähnenswerten Actionszene, einem sehr regelwidrigen und ruppigen Footballmatch, Stallone das Leben schwer macht. Im Finale gibt’s noch ein kurzes Intermezzo mit den Wächtern, das allerdings kaum der Rede wert ist, aber immerhin für kurze Zeit Stallones Passivität aufbricht und auch er mal ein paar Watschen austeilen darf.
Unterm Strich funktioniert hier recht wenig. Dies soll nun nicht heißen, dass Lock Up keinen Spaß machen könne. Die verquere und misslungene Mischung aus bräsigen Drama und seichter Action entspricht zumindest den Mindestanforderungen für kurzweilig amüsante Unterhaltung und dem 80er-Jahre-Nostalgiker ist er ohnehin nicht schlechtzureden.