Es gibt Filme, die brechen finanziell alle Rekorde, die stehen bei den Kritikern gut da und halten dann einfach nicht das was sie versprechen bzw. sind eigentlich ein kompletter Reinfall. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Streifen, mit schlechten bis vernichtenden Kritiken und niedrigen Einspielergebnissen die aber trotzdem gut zu gefallen wissen und überzeugen.
Lock Up ist ein Paradebeispiel für Punkt 2. John Fynn's Knast Thriller wurde in der damaligen Fachpresse verrissen und spielte nur 23 Millionen Dollar bei einem Produktionsbudget von 22 Millionen in den Staaten ein (in Deutschland lief es mit 1,1 Millionen Zuschauern deutlich besser). Trotzdem bekommt man hier einen sehenswerten Knast Actioner zu Gesicht. Hier passt ein Spruch aus dem Film sehr gut - "TKA - Traue keinem anderen", oder besser gesagt, bilde dir deine eigene Meinung!
Sylvester Stallone spielt den Muster Gefangenen Frank Leonie, den nur noch 6 Monate von der Freiheit trennen. Doch dann wird Leonie scheinbar ohne Grund ins Hochsicherheitsgefängnis Treadmore verlegt. Hinter der Verlegung steckt der skrupellose Gefängnisdirektor Warden Drumgole (Donald Sutherland), der Rache an Leonie ausüben will, weil dieser vor Jahren aus einem von Drumgole geführten Knast ausgebrochen ist, was seine Karriere ruinierte. Drumgole versucht nun mit allen Mitteln (korrupte Wärter, aufgehetzte Gefangene, Psychoterror, Intrigen) Leonie zu einer weiteren Straftat (Mord oder Ausbruch) zu bewegen, damit dieser wieder neu verurteilt wird. Leonie lässt sich nicht provozieren, bis er erfährt, dass ein bald rauskommender Häftling seine Freundin vergewaltigen soll...
Wie in zahlreichen seiner Filme (Rocky, Rambo, Over the Top, Cobra) spielt Sly hier erneut den Kämpfer, den Underdog, den Außenseiter mit Muskeln und Herz der sich nichts gefallen lässt und trotz aller Hindernisse sich durchzusetzen weiß. Die Beweggründe , warum seine Figur in den Knast gekommen ist, bzw. auszubrechen versucht sind vom Drehbuch natürlich emphatisch vorgegeben (Rache wegen Überfall an seinem Chef bzw. der nicht verwehrte Freigang als dieser im Sterben lag) der Zuschauer fühlt regelrecht mit Leonie mit, dies wird noch verstärkt durch die gnadenlosen Methoden der Gegenseite um Drumgole und seine Schergen. Fynn bedient sich hier einer bewussten Schwarz / Weiss Zeichnung der Charaktere um gewisse Emotionen bei seinem Publikum zu erzeugen. Es ist ihm gelungen, sämtliche Rollen im Film mit symphytischen und überzeugenden Darstellern zu besetzen, vor allem Donald Sutherland als Hauptbösewicht ragt hier noch hervor.
Außerdem legt Fynn Wert auf eine authentische Gefängnisdarstellung, der Film wurde nämlich in einem wirklich existierenden Knast mit echten Gefangenen als Statisten abgedreht, dies kommt natürlich auch der vorkommenden Action zu Gute, die auf zahlenmäßig begrenzte aber äußerst realistische Knastzweikämpfe setzt. Ein weiteres Action-Highlight stellt das Gefangenen-Footballspiel im Anstaltshof dar, spektakulär gefilmt und mit einer enormen Intensität. Abgerundet wird das Ganze durch den spannenden Psycho-Showdown zwischen Leonie und Drumgole, in dem letzten Endes für Gerechtigkeit gesorgt wird.
Neben gelungener Bilder hat Lock up auch noch einen wunderschönen Soundtrack zu bieten, die Filmmusik von Bill Conti passt wie die Faust aufs Auge und untermalt eindrucksvoll die ruhigen und sentimentalen Momente des Films. Manche mögen es "Kitsch" nennen, ich finde, gerade diese Szenen machen u.a. den Spirit von Lock Up aus.
Negatives gibt es so gut wie nichts zu berichten, außer das die Action hätte vielleicht noch ein bisschen Zahlreicher ausfallen können. Ansonsten ist Lock Up ein toller Film, mit realistischer Action, guten Darstellern, einer sympathischen Grundgeschichte und vor allem mit einem enorm hohen Wideranschauungswert. Lock Up ist bei Actionfans, Slyfans und auch in meinem Bekanntenkreis sehr beliebt, zu den Kritikern bleibt nur zu sagen: "Lasst die Leute reden..." 9 von 10 Punkte.