Review

Detective Bill Skims [ Terence Hill ] wird von Washington in geheimer Mission nach Miami geschickt, um den Waffenhändler Van Axel [ Stephen Edward ] dingfest zu machen. Dieser hat mit XR 4000 einen revolutionären Sprengstoff entwickelt, den er per klassischer Musik zur Explosion bringen kann. Skims weiht nur zögerlich seinen eigentlichen Kollegen Mike [ Marvelous Marvin Hagler ] ein und wendet sich mehr an die zehnjährige Computer – Nerdin Lilly; der Tochter von Chelo [ Gisèle Blondet ] und seinem verstorbenen Ex - Partner.
Da erliegt Skims selber einem Bombenanschlag. Oder doch nicht ?

Nachdem Die Troublemaker ein letztes, schwerfälliges Aufbäumen des 70er Jahre Prügelduos Spencer / Hill und gleichzeitig das Goodbye der Legende war, widmete sich Hill wiederum neuen Wegen. Um ganz weit vom rechten Pfad abzukommen und einen selbst für treue Anhänger unerträglichen Kinderquatsch abzuliefern.
Der Film ist letztlich auch mehr Trash als alles andere, allerdings nicht auf gute Weise, sondern eher schon die peinliche Art. Dort, wo es einem um die Darsteller mehr als leid tut, besonders wenn man sie über die eigene Kindheit hinaus liebgewonnen hat.

Die erste Hälfte ist eher strikter Cop – Actioner/Komödie, für die jüngere Generation zumindest. Wieder befindet man sich in der südlichen Atlantikküste von Florida, dass schon traditionelles Lokalkolorit für die meisten amerikanisch spielenden Spencer / Hill – Werke war und allein fast für einen anfänglichen Nostalgiebonus ausreichen kann. Diesmal ist aber selbst im direkten Vergleich zum vorletzten Ausflug Miami Cops trotz desselben Schauplatzes Hialeah alles ganz anders: Die La Bionda Brüder hauen keinen druckvollen Ohrwurm raus, sondern eine Ballade und ansonsten ganz dünne und ebenso leise Konservenmusik. Dazu gibts keine schnittigen Bilder, nur einen ruhigen Nachtflug über die Stadt. Ein Flugzeug landet; heraus steigt ein alter Hill, dessen gewohnter Aufzug samt Grinsen nicht verbergen können, dass auch bei Idolen der Zahn der Zeit tätig ist.
In der bemühten Anpassung an veränderten Umstände wird er als Experte für Elektronik, Elektrotechnik und vor allem Informatik ausgewiesen und ihm diesmal ein afroamerikanischen Partner zugeteilt; alteingesessene Fans wissen sehr früh, dass sie im falschen Film sind und nicht einmal das bekommen, was sie als Mindestmaß erwarten.

Da helfen auch die ersten Actionszenen nicht; bereits vom Start weg wird mit einem drive by shooting und anschliessender Autoverfolgung aufgezeigt, dass es sich hierbei ganz sicher nicht um einen weiteren Klopper handelt und alles anders ist. Dazu gehört eben auch, dass man die gesamte Hetzjagd doch tatsächlich mit Modellen nachstellt; unnötig zu sagen, dass durch die Matchbox nicht mehr Pepp in die bizarr – alberne Sequenz kommt.
Ähnlich ausgereift und erwachsen ist das Skript [ finale Arbeit von Bruno Corbucci ]; die schwache Drehbuchformel hätte man selbst mit dem Dicken als Zusatz kaum verkaufen können. Die Ermittlungsarbeit des Polizeiduos beschränkt sich auf das Einschleichen in die vom Bombenleger veranstaltete Party; vorher und nachher bekommt man etwas Ärger mit dessen Schergen. Der Rest wird mit familiären Dingen und einer angedeudeten Romanze überspielt.
Bis eine Industrieanlage in die Luft fliegt und mit ihr der noch im Gebäude befindliche Skims.

Sowieso explodiert hier so Einiges und - abgesehen davon, dass man hier ebenfalls von Modellen ausgehen kann - auch gar nicht so übel; kann aber nicht verhindern, dass vor allem durch den Genrewechsel die ganze Chose nur noch schlimmer wird. Die letzten 40min wird ein halbes Fantasymärchen draus; Science Fiction für die Unter - Sechsjährigen. Skims erscheint erst in Lillys Computerspielen und muss sich wie der Rasenmäher – Mann durch virtual reality Welten kämpfen; knockt einen angreifenden Saurier aus und verwandelt sich in einer späteren Zukunftswelt in einen Transformer.
Cybersex und Tod durch Partikulation fehlt allerdings genauso wie bahnbrechende Visualeffekte; da hat man höchstens den Bleistift angesetzt.
Die Trickorgie wird nun bis zum Ende fortgeführt: Skims hat sich nämlich später als „Ergebnis moderner Technologie und biblischer Wahrheit“ zum Hologramm digitalisiert. Damit kann er einen Applikations-Download über Telefonverbindung durchführen, Gegenstände und sogar Menschen berühren, aber diese laufen trotzdem durch ihn durch.
Erst Unsinn, dann Ohnesinn, welch ein Fortschritt im Erzählkosmos.

Dass man die Technik eifrig benutzt, ohne auch nur einen Funken Ahnung davon zu haben zeigt sich dann fortlaufend: Per Systemferndiagnose und Protokoll-Fernanalyse wird herausgefunden, dass die abgespielte Musik “bei ein oder zwei Frames gibt es kein Geräusch” als Merkmal aufweist, was dann prompt auf Hochfrequenz als Auslöser hindeutet.
Später wird noch Paul Langevin und die Geschichte der Sonographie widerlegt; Mike taucht nämlich tief ins Wasser, um die Bomben vor eben diesem Ultraschall zu bewahren.
Um derartigen Mumpitz wenigstens lustig zu machen fehlt allerdings der Humor; es ist nämlich weder absichtlich noch unfreiwillig ein Lacher zu finden. Inszeniert wie ein expandierter Serienpilot für Rai Uno und ohne jedwegen spezifischen Charme, der selbst den ähnlich abgedrehten Supercop noch so sehr auszeichnete. Man spürt deutlich, dass Regisseur Antonio Margheriti komplett weg der falsche Mann für derlei Setting ist und keine Ahnung hat, was er mit dem wenigen Material anstellen soll. So wird später noch Drama addiert, besonders Chelo hat öfters einen Weinkrampf.
Vielleicht ist ihr das Endergebnis bereits bewusst; dagegen hilft nur die Affentaste.

Details
Ähnliche Filme