(Vorsicht, große Spoiler)
Ich mag sowohl die Filme der Coens als auch das Original des Films. Meine Erwartungen an den Film waren jedoch nicht sehr hoch. Ich hatte von einem sehr albernen Tom Hanks und fehlender Bissigkeit im Vergleich zu dem Original gehört. Zudem die Erfahrung, dass fast noch nie ein Remake mir annähernd so gut gefallen hat wie das Original. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Film geguckt hätte, wäre er nicht von den Con Brüdern.
Gestern sah ich den Film.
Positiv: Der gelegentlich giggelnde Tom Hanks ist gegen sein Image besetzt. Und er ist gut besetzt. Wenn z.B. Hanks alias Goldtwait Higginson Dorr, Dr.Phil. versucht, die gottesfürchtige Mrs. Munson (Irma P. Hall) davon zu überzeugen, dass es nur ein "Penny von jedem Versicherungsteilnehmer" ist, stellt dies zwar eine dem Original direkt entnommene Szene dar, aber Hanks` Spiel ist (humoristisch) nervöser als das von Alec Guinness. Er versucht Mrs. Munson mit literarischen Anekdoten und Zitaten zu beschwichtigen, giggelt währenddessen nervös und verliert für den Zuschauer jegliche Glaubwürdigkeit . Dies ist nicht als Kritik an Hanks' Spiel zu verstehen, sondern so, dass, vorrausgesetzt der Zuschauer versetzt sich in Mrs. Munson, der Professor an Glaubwürdigkeit verlieren würde. Aber Mrs. Munson behält ihre Achtung gegenüber Dorr. Sie muss zwar seinem Vorschlag, die Polizei nicht zu rufen, widersprechen, aber sie stellt die Aussage des Professors nur moralisch in Frage. Die Möglichkeit, dass der Professor sie belügt, ist für sie nicht relevant. Der Film der Coens ist ironischer angelegt als das Original, daher funktioniert dieses Spiel mit der Zuschauererwartung.
Ebenfalls gelungen ist die Kameraarbeit von Roger Deakins. Er fängt von den Coens sehr schön kreierte Bilder ein. Das Polizeirevier, das man zu Beginn und Ende des Films sieht, ist nur ein Beispiel.
Wenn auch die meisten Tode der "Ladykillers" viel langweiliger sind als im Original, ist der Tod Tom Hanks' sehr schön inszeniert. (Moonshade beschreibt dies fantastisch als die Rache Edgar Allan Poes, wenngleich er andere Stellung dazu bezieht.)
Negativ: Marlon Wayans. Zeigte er in "Requiem for a dream", dass er sehr gut spielen kann, füllt er hier das Klischee des dauergeilen coolen Schwarzen über alle Maßen aus. Es gibt einige nette Auseinandersetzungen mit Pancake. Darüber hinaus kann ich es nicht anders ausdrücken: Er nervt. Dass die Casionszenen mit ihm das Ärgerlichste an dem Film ausmachen, liegt aber nicht nur an ihm. Vielleicht war es einfach keine gute Idee, den Raub so anzulegen, dass die außerhalb der Gruppe liegende Geschichte einer Figur erzählt werden muss. Es wäre interessanter gewesen, dass Geschehen auf die Auseinandersetzung mit Mrs. Munson zu konzentrieren. Diese kommt leider viel zu kurz.
Auch das Leiden von Pancake deutet eher auf eine Teeniekomödie als auf einen Coenfilm mit eher subtilem Humor. Der Versuch, humoristisch in Slapstickbereiche vorzudringen, missglückt in dem gleichen Maße wie er bei The Big Lebowski gelungen ist. Wenn Tara Reid in Big Lebowski sagt, dass sie für fünf(?) Dollar Jeff Bridges Schwanz lutschen würde, ist dies eine totale Überzeichnung eines Charakters inmitten von Charakteren, die zwar etwas überzeichnet, aber noch realistisch angelegt sind. Pancakes Dranginkontinenz in Ladykillers hingegen ist so stark überzeichnet, dass es aufgrund der generellen Überzeichnung aller Charaktere des Films platt wirkt.
Letztendlich will ich aber gar nicht groß meckern, es ist der schlechteste Coenfilm, aber er ist immer noch sehr lustig und aufgrund des Vergleichs mit dem Original auch interessant. Und, wie schon erwähnt, ein sehr guter Tom Hanks. (6,5 von 10 Punkten)