Jeder darf mal einen Bock schießen, das gilt auch für Regisseure.
Wenn dem so ist, dann ist „Ladykillers“ der von den Coen Brothers. Womit es danach hoffentlich wieder bergan geht.
Die Notwendigkeit gewisser Remake ist ja eh fraglich und wenn sich denn anerkannte Geheimtips für Filmfreunde auf Regie- und Produzentenstuhl eines älteren Meisterwerks annehmen, um ihm einen neuen Anstricht zu verpassen, erwartet man, daß sie sich was dabei gedacht haben.
Schön, es war nicht ihr Projekt, sie haben es lediglich von Barry Sonnenfeld übernommen, aber das entschädigt nicht für das nervtötende Ergebnis, daß es letztendlich geworden ist.
Es genügt nun mal nicht, eine durch und durch britische Story einfach mal so eben an den Mississippi zu verlegen, aus einer tüdeligen britischen Lady eine farbige, resolute Baptistin und aus schrägen Gaunertypen eine Horde beknackter Witzbolde zu machen, die sich beim Umsetzen des Filmtitels lieber selbst um die Ecke bringen.
Natürlich ist das längst nicht alles und trotz kompetenter technischer Umsetzung und zeitweisen Aufblitzen des typisch verqueren Coen-Humors, bringen einen die Ergänzungen zum Original noch mehr in Rage als die fade Eins-zu-eins-Umsetzung des Plots, die man ja schon zu befürchten hatte.
Da wäre zunächst mal die südstaatliche Gelassenheit, die der Film hervorragend einfängt, denn alsbald lägt sich die allgegenwärtige Bräsigkeit wie ein feiner Nebel über das ganze Geschehen, tatkräftig unterstützt durch allmählich immer ermüdendere Gospelchöre, die das kommende Geschehen mahnend kontrakarieren. Viel Lokalkolorit also, aber leider wenig Drive bedeutet das.
In das gleiche Horn muß dann auch Tom Hanks stoßen, dessen Alec Guiness-Ersatz namens Goldtwait Higginson Dorr, Dr.phil wohl die überzogenste Rolle ist, die ihm seit Teenietagen angeboten wurde. Leider chargiert Hanks nach Kräften (was nicht schlecht sein muß), hat aber außerdem noch endlose, wohlformulierte und hochkomplizierte Monologkaskaden von sich zu geben, für die man ihn nach fünf Minuten prügeln möchte, weil seine manierierte Majestät keinen simplen Vier-Worte-Satz formulieren kann. Dieses singsang-ähnliche Gesalbader hält den ganzen Film an und steht in extremem Gegensatz zu Irma P.Halls resoluter Baptistenwitwe, ein echter Besen an Gottesfürchtigkeit.
Leider hat das Drehbuch vergessen, ihr irgendeinen sympathischen Zug mitzugeben, denn dieser Drachen hat dem Zuschauer zufolge als erstes zu sterben, tut es aber leider nicht.
Wenn sie in der Eröffnungsszene das Sheriffbüro aufmischt, schafft sie es praktisch noch vor den Schlußtiteln, dem Zuschauer derbst auf den Sack zu gehen.
Chemie kommt zwischen dem hin und wieder in irres Giggeln ausbrechenden Hanks und der rumpelnden Tonne Hall leider nie auf und ihr angeborenes Mißtrauen läßt einen wundern, daß sie ihn überhaupt ins Haus läßt.
Auch die übrigen Gauner können kaum einmal punkten, sorgen jedoch für mehr Amusement.
Waren die originalen Bösewichter (immerhin Peter Sellers und Herbert Lom darunter) zwar nicht zum Oma-Töten geboren, aber immerhin kompetente Kriminelle, versammelt sich hier ein Quartett totaler Dropouts. Statt Loms finsterem Killer sorgt jetzt ein Grubenexperte aus Indochina für Hinrichtungen und Buddeleien, der mit Hitlerbart und Dauerzigarette wenigstens nicht unangenehm auffällt. „Pancake“ alias „Pfannkuchen“ hat inzwischen den Charakter gewechselt: statt des mental begrenzten Kraftpakets, hier dargestellt von einem debilen Footballspieler mit unerwarteten Lichtblicken, heißt nun ein patentierter Alleskönner mit zwei linken Händen so. J.K.Simmons, der schon „Spider-Man“ veredelte, bietet immerhin ansatzweise eine richtige Komödienperformance, doch leider kommt das Drehbuch offenbar an Grossoutansätzen nicht vorbei. Der gute Mann leidet nämlich an einem Reizdarm (nach Ben Stiller schon der zweite dieses Jahr) und das sorgt für diverse verbale Ausfälle rund ums Exkrement.
Völlig daneben jedoch wieder mal Marlon Wayans (der Mann kann definitiv mehr), der praktisch eine noch schlimmere Version seines eh schon abgründigen Klischeeschwarzen Shorty aus den „Scary-Movie“-Filmen geben muß. Grenzdebil und geil bis zur Hutkrempe erfüllt er so ziemlich jedes peinliche Klischee, daß man sich vorstellen kann.
Und diese Hanswürste werden nun also auf die Einnahmen eines Spielkasinos losgelassen, was natürlich nicht ohne Pannen abgeht. Für die Zuschauer stellt sich das als endloses Kindergartengezappel dar, immerhin hin und wieder für ein paar Lacher gut, aber nicht wirklich bedeutend gelungen.
Und auch das finale gegenseitige Ermorden schnurrt mehr und mehr zusammen, wirkt geradezu gehetzt. Brachten sich die Originale noch wirklich gegenseitig um die Ecke, handelt es sich hier um zwei Unfälle und einmal schreiende Blödheit. Gerade mal ein Charakter der Fünf fällt seiner Gier zum Opfer, indem ihn die Kollegen absichtlich killen und selbst die finale Rache des von Dorr verehrten Edgar Allan Poe wirkt aufgesetzt.
Man muß nicht wirklich Vergleiche ziehen, um zu erkennen, daß der Film als Remake überflüssig ist. Überlang und zäh konzentriert er sich auf Szenen, die man sich locker hätte ersparen können. Die einzelnen Elemente passen nicht zueinander, die Figuren sind einfach zu überzeichnet. Es fehlt Drive, es fehlt Schwung.
So manche hübsche Szene wird der totale Coen-Fan dennoch finden, denn mit ihren Bildern haben es die Brüder nun mal, aber wer jemals einen Blick auf Alec Guinness erhascht hat, wie er geisterhaft dreinblickend, schnarrend und flüsternd die alte Dame in sein Netz webte (mittels weniger Sätze und verschiedener Blicke), muß hier befürchten, daß es den Brüdern vielleicht auf andere Weise gelungen wäre, die Dame zu beseitigen. Denn Hanks ist drauf und dran, sie totzulabern. Und uns gleich mit. (3/10)