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In Hongkong hatte man in den 70er Jahren mächtig Spaß daran, auf welche Art auch immer die hohe Kunst des Kung Fu mit hierarchisch aufgeschichteten Superlativen zu überhäufen. Entpuppt sich in einem Kung Fu-Film dieser Zeit mal ein Akteur als “Meister aller Klassen”, so taucht später mit Sicherheit einer auf, der diesen vermeintlichen Meister mühelos schlägt - und im Finale dann selbst von jemand geschlagen wird. Es gibt immer einen noch größeren Fisch im Teich.

Für die jeweilige visuelle Entsprechung des fast unerreichbaren Superlativs des besten Kämpfers überhaupt, ein Ideal, nach dem jeder Akteur in einem Kung Fu-Film zu streben hat, muss man sich als Filmemacher schon einfallsreich zeigen, um aus dem unüberschaubaren Sumpf aus ewig gleichen Kung Fu-Filmen herauszuragen. Da dachte sich Lo Wei, er probiere es einfach mal mit Geistern. Jawoll, mit fünf Geistern, die nicht der menschlichen Fehlbarkeit unterliegen und alles verkörpern, was den perfekten Kämpfer ausmacht. Etwas von der Art, was lächerlicherweise im amerikanischen Copycat “Karate Tiger” der Geist des verstorbenen Bruce Lee verkörperte. Ein Ideal eben.

Das Ideal in “Spiritual Kung Fu” (ein in Anbetracht der Oberflächlichkeit des Gezeigten witzloser Titel) besteht aus fünf sich affig aufführenden Männern mit schneeweiß bemalten Gesichtern, ebenso weißen Ganzkörperkondomen als Kleidung und wuschigen roten Perücken. Diese fünf Geistermännchen kommen aus einem Loch in der Wand und sind nur mit einem speziellen Pergament sichtbar, das man sich vor das Gesicht hält, sonst sind sie unsichtbar (was die Kamera uns mit halb durchgeblendeter Darstellung der Geistermänner veranschaulicht). Sie benehmen sich wie ein Haufen Schimpansen, tragen aber auf ihren Perücken Stirnringe jeweils mit dem Symbol für eine Kampfkunst, die sie durch ihre Manifestation mittragen: Drachen, Schlange, Tiger, Kranich und Leopard. An Schwachsinn hat man sich in diesem Genre ja schon längst gewöhnt, aber das ist schon eine Marke für sich.

Leidtragender des Ganzen ist Jackie Chan, der in der ersten halben Stunde noch ganz nett den kecken Lehrling mimen darf, der jede Entscheidung seiner Meister hinterfragt und für seine vorlaute Art einiges an Problemen bekommt. Für die Mitschüler ist er der Held, für die Zuschauer wird er es wenigstens gen Ende, als das Schicksal der ganzen Mönchsschule von seinen Kampfkünsten abhängt. Immerhin beherrscht Jackie die Kunst der “fünf Fäuste”, womit er zumindest eine kleine Chance hat, den Ninja zu besiegen, der das Buch “Die sieben tödlichen Fäuste” (zwei Fäuste mehr!) gestohlen hat und sich anschickt, per Lektüre der “Meister aller Klassen” zu werden. Dumm nur, dass Jackie die Kunst der “fünf Fäuste” eben von den fünf Pumuckln lernt.

Ich will nicht sagen, dass die Geisterszenen keinen Unterhaltungswert hätten; als bekennender Jackie-Jünger steht es mir eigentlich sowieso nicht zu, mich großartig über Klamauk zu beschweren. Die übergreifenden Ebenen zwischen Realität und Geisterwelt sind optisch auch ganz nett umgesetzt worden und die Idee mit der “Brille” könnte beinahe bei William Castles “Das unheimliche Erbe” von 1960 abgeguckt sein. Aber gerade wenn die Geister auftauchen, verliert Lo Wei ein wenig die Übersicht. Jedenfalls weidet er sich so lange an den Spirenzchen, mit deren Hilfe der freche Schüler zum Meister wird, dass die Handlung um das gestohlene Buch total aus den Augen verloren wird. Das ist zwar typisch für Filme dieser Art, in diesem Fall aber besonders extrem. Was genau Love Interest Chuen Li Rung dann noch in der Handlung verloren hat, ist mir ein Rätsel - davon abgesehen, dass sich Jackie an ihr ein wenig austoben und Training betreiben darf.

Das Training häuft sich wenigstens mal nach einer sehr sparsamen Anfangsperiode und die Choreografien sind es auch, die über die verkorkste Handlung hinwegsehen lassen. Lo Wei ist kein besonders guter Geschichtenerzähler, aber wenigstens werden wir schließlich doch noch mit ordentlich “Kung Fu-tter” versorgt. Hier darf sich Chan wieder ausleben, wechselt mit Freude permanent zwischen Drachen, Schlange, Tiger, Kranich und Leopard und erreicht zuweilen fast die Qualität seines “Schlange im Schatten des Adlers”. Die Kameraeinstellungen sind auch auffallend ähnlich. Mit ein wenig Geduld kann man sich ins zweite Drittel retten, um sich von dort aus über die gelungenen Kämpfe (abgesehen davon, dass man in Einzelfällen zu deutlich spürt, dass alles einstudiert ist) ins Ziel zu retten.

Leider ist da noch die unerträgliche Geister-Mucke, wann immer die Weißmänner aus ihrem Loch kommen, zusammengemischt aus so etwas wie Bongos und Fideln. Zu Beginn noch erträglich, geht der permanente Einsatz dieser musikalischen Untermalung mit der Zeit ordentlich auf den Keks. Das war allerdings bei “Die Schlange im Schatten des Adlers” mit seinem Space-Funk nicht viel anders.

In letzter Instanz ein traditioneller Martial Arts-Film, der meint, superschlau zu sein, weil er die Kampfkünste mit lachhaften Geisterkobolden “spiritualisiert”. Lo Wei bekommt zum Verrecken keine Struktur in seinen Film, bürgt durch seinen Star Jackie Chan aber wenigstens wieder für gute Choreografien, die Spaß machen. Ansonsten ein eher hassenswertes Werk.

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