Immerhin, es geht gut los: Ein Dieb krallt sich “Tiger & Dragon”-like eine kostbare Perle aus einem nachtschlafenden Dorf, wird von einem zweiten Dieb überrascht, der die Perle an sich reißt, ohne zu ahnen, dass da noch ein Dritter kommen würde, der gleich beide Vorgänger in die Taschen steckt. Natürlich wird auch der wieder überrumpelt von einem Vierten. Es gibt immer einen noch größeren Fisch im Teich.
Prädestinierend ist die Eröffnung für den kompletten Film, der vor lauter unterschiedlicher Gestalten nur so wimmelt. Treffen sie aufeinander, und das geschieht immerzu, verfrachten sie sich unweigerlich in Situationen, die wie von Dick, Doof und den drei Stooges erlernt wirken. Die 80er-Generation würde Mönch, Zauberer & Co. eher mit den Masters of the Universe-Actionfiguren vergleichen, die der 90er mit Pokémon. Schräge Gestalten mit individuellen Spezialkräften eben, die den Sammlertrieb des Kindes im Manne wecken.
Mittendrin eine Kuriosität von größtem Seltenheitswert: Gutmensch Jackie Chan spielt einmalig einen Bösewicht. Nichts hat den Fatalismus in der Kombination von Regisseur Lo Wei und Darsteller Jackie Chan je mehr herausgekehrt. Der Schaden für den Film hält sich in Grenzen, weil es sich bloß um eine bessere Nebenrolle handelt, die Chan da gut sichtbar wider seinen Willen auskämpfen muss, doch überträgt sich Lo Weis fehlendes Auge für Schauspielerführung gleich auf die ganze Runde, so dass sich Hauptdarsteller Yu Wang einer flachen Versammlung ausgesetzt sieht, die leerer kaum aus der Wäsche gucken könnte.
So schickt sich der Auftakt gar nicht an. Yu Wangs erster Auftritt zitiert indirekt Clint Eastwood, Lucky Luke und gleich das komplette amerikanische Cowboytum, wie er da unter dem Baum in der Öde liegt, den Hut tief ins Gesicht gezogen. Alleine dieses Schlüsselbild setzt die durch Tarantino wieder ins kollektive Bewusstsein getretene Eastern-Western-Melange frei.
Das Präparat für feinsten Popkulturgenuss ist gerade aromatisiert, da verfällt die Handlung in Stereotypen, wie sie für Hongkongs Filmindustrie der 70er-Jahre nur zu typisch waren. Seltsame Handel von absoluter Irrationalität werden getrieben, Hierarchien unter Gaunern und Gentlemen demonstriert und Kämpfe wie aus dem Nichts generiert. Immer unter Rückgriff auf klassische Kostüme und Masken, die einen Schnauzer vom bloßen Gesichtsschmuck zum Indikator für die Bösartigkeit eines Gesellen befördern.
Je weiter der Film voranschreitet, desto wirrer und undurchsichtiger werden die Intentionen und Beziehungen der Figuren zueinander. Etwaige Versuche, Philosophisches in Unsterblichkeit und Liebe bzw. Hass der eigenen Gattin zu suchen, versanden unmittelbar.
Erträglich wäre das, würden die Kampfsequenzen, der ewige Katalysator der Martial Arts-Fließbandindustrie, alles rausreißen. Allerdings kann das Prädikat “Jackie Chan” diesmal nicht als Qualitätsgarant bestehen. Nicht nur fasziniert die abstruse Seltenheit der Kämpfe - soll damit etwa der Fokus auf die Geschichte gelegt werden? - sondern vor allem die bemitleidenswerte Trägheit ausgerechnet jener Auseinandersetzungen, an denen der charismatisch wie körperlich farblose Hauptdarsteller beteiligt ist. Die beiden Male, in denen man Jackie Chan als den “Unsterblichen” kämpfen sieht, zunächst in seinem Schurkendomizil, dann in einer zugegeben nicht unansehnlichen Holzpflockarena, wird der Fluch ebenfalls nicht durchbrochen, sondern noch unterstrichen - wenn nicht einmal Chan Dynamik in die Bewegungen einfließen lassen konnte, wer dann in dieser Produktion?
Wenn überhaupt, werden sich Freunde stilistischer Farbenvielfalt delektieren können. In dem ansonsten arg männerdominierten Streifen kommen sogar vier tödliche Nymphen in prächtigen Gewändern vor und neben ihnen unzählige Sorten von Mannsbildern. Gerade dies jedoch führt zur vollständigen Banalisierung einer wirren Geschichte mit bloß punktuellen Schauwerten, zu denen die erbärmlichen Martial Arts jedoch ganz entschieden nicht gehören.