In „Traffic“ nähert sich Regisseur Steven Soderbergh der Thematik „Drogen“ in vier kunstvoll miteinander verwobenen, parallel erzählten Geschichten von verschiedenen Seiten.
In der ersten Episode wird der Aufstieg eines Richters (gespielt vom exzellenten Michael Douglas) zum obersten Bundesbeamten zur Bekämpfung der Drogenkriminalität in den USA und Mexiko ernannt. Sein anfänglicher Enthusiasmus bekommt einen ersten Dämpfer, als er erkennen muss, dass seine erfahrenen Kollegen und auch er selbst keine Lösungen für das Drogenproblem in den USA parat haben. Vollends aus den Fugen gerät sein Leben, als er erfahren muss, dass seine minderjährige Tochter selbst hochgradig drogenabhängig ist ...
Die zweite Geschichte handelt von den zwei korrupten und desillusionierten mexikanischen Drogencops Javier (Benicio del Toro) und Manolo (Jacob Vargas), die von dem mexikanischen General Salazar (kaum wiederzuerkennen: Tomas Milian) mehr oder weniger dazu gezwungen werden, ihm bei der Zerschlagung eines der beiden großen mexikanischen Drogenkartells zu helfen. Die Motive des Generals erweisen sich dann aber als weit weniger ehrenhaft, als er vorgibt. Und dann begeht in diesem tödlichen Spiel Manolo einen folgenschweren Fehler ...
In der dritten Episode erfährt die Millionärsgattin Helena (Catherine Zeta-Jones) nach der plötzlichen Verhaftung ihres Ehemannes Carlos, dass dieser sein Geld als Drogenbaron verdient hat. Dann stehen auch noch „Handelspartner“ ihres Mannes vor ihrer Tür und verlangen recht nachdrücklich Geld, das ihr Mann schuldig geblieben ist. Um sich von ihren Geldsorgen und ihren Mann aus dem Gefängnis zu befreien, greift Helena nach einigem Zögern zu drastischen Mitteln ...
Die vierte Episode erzählt die triste, hauptsächlich in dunklen Lieferwägen spielende Geschichte von zwei amerikanischen Drogenpolizisten (klasse: Don Cheadle und Luis Guzman), denen es gelingt, einen Zeugen gegen Carlos (siehe 3. Episode) zu stellen. Wird dieser Zeuge vor Gericht gegen Carlos aussagen können? ...
Die vier Episoden werden durch Verwendung von unterschiedlichen Farbfiltern stilistisch voneinander getrennt.
Die unter einem Pseudonym von Soderbergh selbst geführte Kamera wackelt ständig, ähnlich einer Handkamera in Dokumentarfilmen. Das verleiht dem eigentlich ruhig erzählten 157 min langen Film eine ständige Unruhe und dadurch eine latente Spannung, der sich der Zuschauer kaum entziehen kann.
Diese Spannung wird durch den gezielt eingesetzten hypnotischen Score noch unterstützt.
Der Film ist bis in die kleinsten Nebenrollen glänzend besetzt (u. a. tauchen Benjamin Bratt, Albert Finney, Salma Hayek James Brolin und Amy Irving auf). Herausragend ist jedoch Be-nicio del Toro in der Rolle des Javier, der in seinem gefährlichen Job hinter seiner coolen Fas-sade extreme Vorsicht und latente Angst spürbar werden lässt und dafür zu Recht den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen hat.
Apropos Oscar: Neben Benicio del Toro wurden u. a. Soderberghs Regie und das Drehbuch mit dem Oscar ausgezeichnet.
Und nachdem ich nun „Gladiator“ und „Traffic“ gesehen habe, ist es mir unbegreiflich, weshalb „Gladiator“ und nicht „Traffic“ den Oscar als bester Film gewonnen hat. Denn im Vergleich zu dem recht konventionellen „Gladiator“ ist „Traffic“ der wesentlich interessanter inzenierte Film.
8/10