Michael Douglas spielt einen Richter, der vom Präsidenten der USA zum Drogenbeauftragten ernannt wird und den Kampf gegen das Rauschgift schließlich auch beginnt, ohne zu ahnen, dass seine eigene Tochter, gespielt von Erika Christensen, drogenabhängig ist. Zeitgleich hierzu versucht die Ehefrau eines kürzlich inhaftierten Drogenbarons, gespielt von Catherine Zeta-Jones, die Geschäfte ihres Mannes zu zusammen mit einem guten Freund, gespielt von Dennis Quaid, zu führen, wobei sie von zwei Cops, gespielt von Don Cheadle und Louis Guzman, überwacht werden. In Mexiko findet ebenfalls der alltägliche Kampf gegen Dealer, Händler und Schmuggler statt, in dem ein mexikanischer Polizist, gespielt von Benicio del Toro, zu fragwürdigen Methoden zurückgreifen muss.
Steven Soderbergh hatte als Independent-Regisseur bereits einige, künstlerisch wertvolle Filme wie "Sex, Lügen und Video" und "Kafka" inszeniert und gezeigt, dass er durchaus ein guter Regisseur ist und auch nach eher konventionellen Filmen wie "Out of Sight" gelingt ihm dies hier erneut, sogar besser, als je zuvor.
Dabei ist es vor allem die Authentizität, die "Traffic" ausmacht. Soderbergh wählt seine Hauptfiguren geschickt aus, um das amerikanische, ja sogar das globale Drogenproblem auf drei Handlungsstränge zu konzentrieren und dies gelingt ihm auch ziemlich gut. Er zeigt, wie schlecht die Polizeiarbeit in den Staaten ist, in denen die Rauschgifte angebaut und hergestellt werden und wie aussichtslos der Kampf der dortigen, unterbudgetierten Polizei gegen die mächtigen Drogenkartelle ist. Aber auch von Amerika zeichnet er kein positiveres Bild. Soderbergh zeigt Jugendliche, die selbst nicht zu wissen scheinen, warum sie regelmäßig Drogen konsumieren, Dealer, die mit dem Drogenverkauf mehr Geld verdienen, als sie es mit ehrlicher Arbeit tun würden, ratlose Richter, Anwälte und Regierungsvertreter, Drogenbarone, die sich vor Gericht doch noch aus der Affäre ziehen. Damit ist "Traffic" durchaus ein ziemlich trister Film, auch wenn Soderbergh gegen Ende kleine Zugeständnisse macht und den einen oder anderen kleinen Hoffnungsschimmer aufblitzen lässt, aber alles in allem wird der Kampf gegen Drogen als aussichtslos beschrieben und das Problemfeld, ganz untypisch für Hollywoodkino, offen, authentisch und ehrlich dargestellt. Dasselbe gilt auch für die realistisch gestrickten Charaktere, von denen keiner wirklich sympathisch, aber auch keiner extrem unsympathisch gezeichnet ist, um den objektiven Blick des Zuschauers zu wahren. Den einzigen kleinen Vorwurf, den man Soderbergh bei seinem genialen Drehbuch machen kann ist, dass die drei Handlungsstränge überhaupt nicht miteinander verknüpft sind, allerdings wäre es wohl ziemlich schwierig geworden Täter und Opfer des Drogenverkaufs aufzuzeigen und die Stränge zu verknüpfen, auch wenn der Unterhaltungswert damit erheblichen Schaden nimmt.
Inszenatorisch leistet Soderbergh makellose Arbeit, wofür er sich seinen Oscar redlich verdient hat. Soderbergh lässt sich optisch Einiges einfallen, so sind die Szenen, die in Mexiko spielen mit einem trostlosen Gelbton unterlegt, die Szenen, in denen der Richter auftritt, mit einem dunklen tiefen blau. Neben der visuell gelungenen Inszenierung gibt es auch an der Filmmusik, die durchaus zu fesseln vermag und eine triste, unwirkliche Atmosphäre erzeugt, nichts auszusetzen. Narrativ erreicht Soderbergh nahezu die Perfektion. Die drei Handlungsstränge sind kunstvoll verschachtelt und werden, zu jedem Zeitpunkt perfekt geschnitten, hervorragend nebeneinander parallel erzählt und erreichen zwischenzeitlich immer mal wieder dramaturgische Spitzen und Höhepunkte, die durchaus einen hohen Unterhaltungswert erzeugen, auch wenn der Film die eine oder andere Länge hat, die man jedoch auf jeden Fall in Kauf nehmen sollte.
Der Cast, der einige namenhafte Darsteller aufbietet, glänzt ebenfalls. Don Cheadle und sein mexikanisches Gegenüber Benicio del Toro spielen die Rollen der Drogencops hervorragend und extrem authentisch, wofür sich del Toro seinen Oscar auf jeden Fall verdient hat und auch der dritte im Bunde, Luis Guzman, überzeugt durchaus. Michael Douglas spielt ebenfalls sehr realistisch, genauso, wie Erika Christensen, die hier die beste Leistung ihrer Karriere abliefert. Dennis Quaid spielt gewohnt stark und selbst die sonst eher blasse Catherine Zeta-Jones zeigt keine mimischen Totalausfälle. Der restliche Cast ist ebenfalls sehr stark und jeder einzelne Darsteller zeichnet sich durch eine realistische und klischeefreie Vorstellung aus, die man so und in diesem Umfang nur selten zu sehen bekommt.
Fazit:
Mit seinen drei Plots und seiner hervorragend verschachtelten und geschnittenen Handlung zeichnet Steven Soderbergh ein authentisches, multiperspektivisches Bild des ausweglosen Kampfes gegen die Drogen. Makellos inszeniert und grandios gespielt ist "Traffic" so ein hervorragendes und unkonventionelles Drama, das bis auf ein paar kleinere Längen keine Schwächen aufweist und wirklich jedem ans Herz zu legen ist.
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